Verkehr und Transport

Der EU-Berufskraftfahrer

Nach Angaben der EU-Kommission absolvieren nur 5 bis 10 % der Berufskraftfahrer eine entsprechende Ausbildung. Die überwiegende Mehrheit der Kraftfahrer arbeitet allein auf der Grundlage ihres Führerscheins. Die heutigen Anforderungen an Berufskraftfahrer erfordern nach Auffassung der EU-Kommission jedoch eine solidere Basis und eine regelmäßige Fortbildung.
Hinweise zur Auslegung der Vorschriften des Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetzes (BKrFQG) und der Berufskraftfahrer-Qualifikations-Verordnung (BKrFQV) gibt es in der Übersicht des Bundesamts für Güterverkehr (PDF).

Pflicht zur Qualifikation

Fahrer, die
  • deutsche Staatsangehörige sind
  • Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der Europäischen Union oder eines anderen Vertragstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum sind oder
  • Staatsangehörige eines Drittstaates sind und in einem Unternehmen mit Sitz in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder Vertragsstaat des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum beschäftigt oder eingesetzt werden
und Fahrzeuge
  • mit einer zulässigen Gesamtmasse größer 3,5 Tonnen im Güterkraftverkehr (Fahrerlaubnis der Klassen C1, C1E, C, CE)
  • mit mehr als 8 Fahrgastplätzen im Personenverkehr (Fahrerlaubnis der Klassen D1, D1E, D, DE)
zu gewerblichen Zwecken führen, müssen eine entsprechende Qualifikation absolvieren, um in diesen Bereichen tätig sein zu können.

Qualifikationsnachweise

Die Qualifikation ist unterteilt in:
  • Grundqualifikation
  • beschleunigte Grundqualifikation
Eine abgeschlossene Berufsausbildung als
  • Berufskraftfahrer oder
  • Fachkraft im Fahrbetrieb
wird ebenfalls anerkannt.
Die Grundqualifikation, die den Besitz der jeweils erforderlichen Fahrerlaubnis voraussetzt, umfasst eine theoretische Prüfung von 240 Minuten und eine praktische Prüfung (die auch Fahrübungen beinhaltet) von 210 Minuten. Die Prüfungen werden von den IHKs abgenommen.
Bei der beschleunigten Grundqualifikation, die den vorherigen Erwerb der jeweiligen Fahrerlaubnis nicht voraussetzt, ist zunächst eine Schulung von 140 Stunden zu absolvieren und anschließend eine theoretische Prüfung von 90 Minuten zu bestehen. Die Prüfung wird von den IHKs abgenommen.
Die Pflicht zur Grundqualifikation besteht für Fahrer, die
  • im Personenverkehr eingesetzt werden, seit dem 10.09.2008,
  • im Güterverkehr eingesetzt werden, seit dem 10.09.2009.
Keine Pflicht zur Grundqualifikation besteht für Fahrerinnen und Fahrer, die
  • im Personenverkehr eingesetzt werden, wenn sie ihren Führerschein vor dem 10.09.2008
  • im Güterverkehr eingesetzt werden, wenn sie ihren Führerschein vor dem 10.09.2009
erworben haben.

Pflicht zur Fortbildung ohne Prüfung

Spätestens fünf Jahre nach Erwerb der Grundqualifikation müssen die Kenntnisse durch den Besuch einer Weiterbildung aufgefrischt werden, die aus der Teilnahme an einer 35 Stunden umfassenden und bei einer anerkannten Ausbildungsstätte durchgeführten Fortbildungsschulung besteht.
Eine Prüfung muss bei der Fortbildung nicht abgelegt werden.

Ausbildungsstätten

Die notwendigen Schulungen im Rahmen der beschleunigten Grundqualifikation oder Weiterbildung müssen bei anerkannten Ausbildungsstätten absolviert werden.
Anerkannte Ausbildungsstätten sind gemäß BKrFQG:
  • Fahrschulen mit einer (aktiven) Fahrschulerlaubnis der Klassen CE oder DE nach § 10 Fahrlehrergesetz
  • Fachschulen und Fahrlehrerausbildungsstätten, die nach § 30 Fahrlehrergesetz keiner Erlaubnis bedürfen (Behörden)
  • Ausbildungsbetriebe, die eine Berufsausbildung für „Berufskraftfahrer” oder „Fachkraft im Fahrbetrieb” oder einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf, in dem vergleichbare Fertigkeiten und Kenntnisse zur Durchführung von Fahrten mit Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen vermittelt werden
  • Bildungseinrichtungen, die eine Umschulungsmaßnahme zum „Berufskraftfahrer” oder „Fachkraft im Fahrbetrieb” Berufsbildungsgesetz durchführen
  • eine anerkannte staatliche Ausbildungsstätte. Wer die Anerkennung erteilen darf, wird durch das jeweilige Bundesland festgelegt. In Niedersachsen wurde diese Aufgabe den Landkreisen und kreisfreien Städten übertragen.

Schulungsbescheinigung

Die von den Ausbildungsstätten zu erstellenden Bescheinigungen über die Teilnahme an den Schulungen müssen bestimmte Grundanforderungen erfüllen. Der Bund, die Länder und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK) haben sich auf einheitliche Musterbescheinigungen geeinigt, die diesen Anforderungen gerecht werden. Die Bescheinigungen wurden unter der Federführung des Landes Brandenburg erstellt und können von der Website des Landesamtes für Bauen und Verkehr heruntergeladen werden.
Für die verschiedenen Arten von Ausbildungsstätten (Fahrschulen, Ausbildungsbetriebe, Bildungseinrichtungen für Umschulungen, amtlich anerkannte Ausbildungsstätten) gibt es jeweils eigene Musterbescheinigungen. Achten Sie daher bitte darauf, dass Sie die für Ihren Schulungsbetrieb richtige Kategorie auswählen.

Dokumentation der Qualifikation

Die Teilnahme an einer Grundqualifikation bzw. an einer Fortbildungsschulung wird grundsätzlich durch einen Eintrag im Führerschein dokumentiert.