Konjunkturbericht der IHK zu Schwerin

Auf Eis gelegt - Wirtschaft verharrt in Stagnation

Auch zum Jahresbeginn 2026 präsentiert sich die wirtschaftliche Lage in Westmecklenburg weiterhin frostig. Von einem konjunkturellen Tauwetter ist nichts zu spüren, stattdessen prägt anhaltende Zurückhaltung das Stimmungsbild in den Unternehmen. Die Zuversicht bleibt gedämpft, viele Betriebe agieren vorsichtig und auf Sicht.
Der aktuelle IHK-Konjunkturindex liegt bei 89,4 Punkten und damit erneut deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 106,1 Punkten. Seit mehreren Jahren bewegt sich die gesamtwirtschaftliche Stimmung in der Region damit im negativen Bereich. Der Index, der sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen zusammenführt, zeichnet somit auch zum Jahresauftakt 2026 das Bild einer regionalen Wirtschaft, die weiterhin im konjunkturellen Winter verharrt.
30 Prozent der Unternehmen, überwiegend aus dem Dienstleistungsbereich, bewerten ihre Lage als gut und profitieren von stabilen Aufträgen sowie verlässlicher Kundschaft. 48 Prozent sprechen von einer befriedigenden Situation, in der die Auslastung zwar noch trägt, steigende Kosten, schwache Nachfrage und politische Unsicherheiten die Spielräume jedoch deutlich einengen. Weitere 22 Prozent, vor allem aus Handel und Reparatur, sehen sich aufgrund von Auftragsmangel, Kaufzurückhaltung, hohen Kosten und Bürokratie spürbar unter Druck.

Blick nach vorn – Fahren auf Sicht

Die Einschätzungen zu den kommenden Geschäftsaussichten unterscheiden sich auch zum Jahresbeginn 2026 kaum von der vorherigen Befragung.
Nur rund 13 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung, während die Mehrheit keine spürbare Veränderung erwartet oder sogar von einer Verschlechterung ausgeht. Hohe Arbeits- und Energiekosten, fehlende politische Impulse und anhaltende Planungsunsicherheit prägen weiterhin die Erwartungen. Besonders die schwache Inlandsnachfrage rückt zunehmend in den Fokus der Sorgen. Etwa 48 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung. Diese Betriebe, vor allem aus den Bereichen Dienstleistungen, Energie- und Wasserversorgung sowie dem verarbeitenden Gewerbe, bauen auf stabile Kundenbeziehungen, vorhandene Aufträge und eigene Erfahrungswerte, sehen jedoch keine Impulse für eine spürbare Verbesserung. Weitere 39 Prozent rechnen mit schlechteren Geschäften. Insbesondere Unternehmen aus Handel, Reparatur, verarbeitendem Gewerbe und Dienstleistungen befürchten eine weiter nachlassende Nachfrage, steigende Kosten und ausbleibende öffentliche Investitionen.

Arbeitsmarkt unter Druck – Personalplanung mit angezogener Handbremse

Der Arbeitsmarkt in Westmecklenburg bleibt angespannt. Zwar wird das Arbeitskräfteangebot insgesamt etwas positiver wahrgenommen, doch passend qualifizierte Fachkräfte für konkrete Stellenprofile sind weiterhin knapp.
Nur 9 Prozent der teilnehmenden Unternehmen planen, Beschäftigung aufzubauen. Rund 63 Prozent der Betriebe planen, ihren Personalbestand konstant zu halten. Sie berichten häufig von anhaltenden Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung und sehen kaum Spielraum für Aufstockungen. Steigende Personalkosten und ein begrenztes Fachkräfteangebot führen dazu, dass interne Abläufe angepasst und vorhandene Ressourcen bestmöglich genutzt werden. Weitere 28 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl.
Gründe sind vor allem fehlende Fachkräfte, Renteneintritte ohne Ersatz sowie die wirtschaftliche Belastung durch steigende Lohnkosten bei gleichzeitig unsicherer Auftragslage. Frei werdende Stellen sollen dann häufig nicht nachbesetzt werden.

Investitionen niedrig – kaum finanzielle Spielräume

Auch bei der Finanzlage zeigt sich bei den Unternehmen weiterhin ein Bild der Stagnation. Zwar sinkt in der aktuellen Umfrage der Anteil der Betriebe, die von Eigenkapitalrückgängen und Liquiditätsengpässen berichten, gleichzeitig nimmt jedoch der Anteil zunehmender Forderungsausfälle leicht zu. Zudem verschlechtert sich der Anteil der Unternehmen mit einer als unproblematisch eingeschätzten Finanzlage geringfügig.
Die Investitionspläne verbleiben insgesamt auf einem niedrigen Niveau. Im Vergleich zum Herbst 2025 sind die Investitionsabsichten in Westmecklenburg sogar deutlich rückläufig. Der von der Bundesregierung ausgerufene „Herbst der Reformen“ konnte die damit verbundenen Erwartungen bislang nicht erfüllen.
Auffällig hoch ist der Anteil der Unternehmen, die derzeit vollständig auf Investitionen verzichten. Als Gründe werden vor allem fehlende finanzielle Spielräume, hohe Unsicherheit und mangelnde Planungssicherheit genannt, wodurch Investitionen als wirtschaftlich nicht vertretbar eingeschätzt werden. Höhere Zinsen, steigende Kosten, zurückhaltende Kreditvergabe, schwache Nachfrage und eine sinkende Kaufkraft verschärfen diese Situation zusätzlich. Wenn investiert wird, dann überwiegend selektiv und zurückhaltend.
Die Unternehmen, die investieren, konzentrieren sich dabei vor allem auf Ersatzinvestitionen, gefolgt von Maßnahmen zur Rationalisierung.

Exporterwartungen verbessern sich nur leicht – Währungsrisiko steigt

Die Erwartungen an die Exportentwicklung hellen sich leicht auf: 19 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer verbesserten wirtschaftlichen Lage, insbesondere innerhalb der Europäischen Union. Gleichzeitig geht jedoch knapp ein Drittel der im Außenhandel aktiven Unternehmen von einer ungünstigeren Exportentwicklung aus. Als wesentliche Risiken werden vor allem geopolitische Spannungen genannt. Hinzu treten Währungsrisiken, primär mit Blick auf den US-Dollar.

Fazit

Westmecklenburgs Wirtschaft verharrt auch Anfang 2026 im konjunkturellen Winter. Gedämpfte Erwartungen, schwache Nachfrage, hohe Kosten und politische Unsicherheiten bremsen Investitionen und Beschäftigung. Viele Betriebe agieren auf Sicht, verzichten auf Investitionen oder beschränken sich auf Ersatz und Rationalisierung. Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt, Exportrisiken nehmen zu. Ein spürbarer Aufbruch ist nicht erkennbar.

Handlungsempfehlungen

Die Wirtschaft Westmecklenburgs fordert:
  1. Entschlossenes Deutschland-Tempo bei Planung und Genehmigung vorantreiben
  2. Energieangebot ausbauen, weniger abschalten
  3. Zuwanderung: Verfahren vereinfachen und beschleunigen
  4. Investitionsbremsen in der Besteuerung lösen
  5. Berufliche Bildung wertschätzen, Berufsschulpakt starten
  6. Innovationen ermöglichen – von KI bis zu Zukunftstechnologien
  7. Wirtschaftliche Offenheit bewahren – Internationale Kooperation stärken
  8. Kreislaufwirtschaft für Rohstoffunabhängigkeit und Klimaschutz nutzen
  9. EU-Regulierungslast und Bürokratie reduzieren
  10. Infrastrukturdefizite beheben von Breitband bis Wasserstraßen