27.12.2021

Jahresbilanz 2021: Wirtschaftliches Dilemma

Jahresbilanz der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin zum Wirtschaftsjahr 2021 in Westmecklenburg
Das Jahr 2021 war erneut ein Wechselbad der Gefühle für die Wirtschaft in Westmecklenburg. Hoffnungen auf eine erfolgreiche Impfkampagne wichen Ernüchterung. Lieferkettenprobleme und steigende Materialkosten setzen viele Branchen unter Druck. Positiv entwickelten sich dagegen die Ausbildungszahlen, auch wenn hier Branchen wie Gastronomie und Hotellerie weiterhin leiden.
Die Corona-Regelungen sind eine besondere Herausforderung, wie Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin, betont:
„Wir wollen unsere Mitgliedsunternehmen schnellstmöglich und bestens informieren - auch zu den aktuell geltenden Corona-Regelungen. Doch mittlerweile sind die Verordnungen so komplex und umfangreich geworden, dass teilweise die zuständigen Stellen selbst Schwierigkeiten bei der Auslegung haben. Hier muss dringend gehandelt werden!“

Konjunktur

Mit Blick auf die 2020 eingetretene Pandemie haben sich die Konjunkturwerte 2021 deutlich aufgehellt. Besonders zur Mitte 2021 wurde die Lage größtenteils gut bewertet. Der IHK-Konjunkturklimaindex für Westmecklenburg stieg auf über 126 Punkte und erreichte damit das Vorkrisenniveau. Verbunden war damit die Hoffnung auf eine erfolgreiche Impfkampagne. Die Wirtschaft setzte darauf, dass der anschließende Winter ohne größere Einschränkungen verlaufen könnte. Mittlerweile herrscht in vielen Wirtschaftsbereichen Ernüchterung.
„Das Impfmanagement und die Testinfrastruktur waren und sind nicht ausreichend an die Bedürfnisse der Wirtschaft und ihrer Beschäftigten angepasst. Dabei waren die Auffrischungsimpfungen absehbar und damit planbar“, findet Eisenach deutliche Worte. „Die Auswirkungen mangelnder Weitsicht dürfen jetzt nicht zu Lasten der Unternehmen gehen!“

Branchen

Auch das Jahr 2021 war von den Einschränkungen besonders betroffenen Branchen eine herausfordernde Zeit. Im Gastro-, Tourismus- und Freizeitbereich fehlt zum Saisonstart das Personal, das sich vielfach auf Grund besserer Perspektiven in andere Branchen umorientiert hat. Dies gilt ebenso für potenzielle Auszubildende. Aufgrund der aktuell wieder verschärften Einschränkungen kommt es bei zahlreichen Betrieben des Handels, der Gastronomie und Hotellerie, des Schaustellergewerbes und bei den körpernahen Dienstleistungen erneut zu erheblichen Liquiditätsengpässen durch Umsatzausfall bei gleichbleibenden Belastungen.
„Die Liquiditätssicherung der Unternehmen ist zum Ende des nunmehr zweiten Jahres der Pandemie das Gebot der Stunde“, betont Eisenach. „Die angekündigten Unterstützungen und Überbrückungshilfen von Bund und Land müssen schnellstmöglich, ohne lange Bearbeitungszeiten und unbürokratisch umgesetzt werden.“
Das Pandemiegeschehen hat zudem zu Folgen geführt, die auch Industrie und Bau hart getroffen haben. Durch ein weltweites starkes Anziehen der Nachfrage nach einzelnen Gütern bei geringerem Angebot sind die Preise geradezu explodiert. Das betrifft zum Beispiel Bauholz, Kunststoffe und Metalle. Die Materialknappheit sowie weiterhin bestehende eingeschränkte Handelskapazitäten und Abfertigungen lassen die Lieferketten auch weiterhin zum Zerreißen gespannt sein. Wie hoch und wie lange Preissteigerungen in den einzelnen Segmenten anhalten werden, lässt sich bisher nicht abschließend abschätzen. Hinzu kommen rasant steigende Energiepreise. In der letzten IHK-Konjunkturumfrage vom Herbst 2021 benannte jedes zweite Unternehmen aus Bau und Industrie die Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise als Risiko ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Die seit Ende des ersten Quartals 2021 stark steigenden Preise für Strom und Gas sowie für Treibstoffe zehren an der Liquidität der Unternehmen. Angebote für Bauvorhaben sind drastisch rückläufig; oft kann ein fixer Preis nicht mehr angeboten werden. Trotz voller Auftragsbücher kommt es zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen auf vielen Baustellen mit stark steigenden Kosten.

Ausbildung

Die Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater der IHK zu Schwerin sind 2021 auf mehreren Wegen unterwegs gewesen und haben für eine Ausbildung in der Region informiert und geworben. Zeitweise waren wieder Jobmessen und Beratungstage an Schulen möglich. Weiterhin setzt die IHK aber auch mit der Kampagne „Mach, worauf du Bock hast!“ auf digitale Formate zur Ansprache von Jugendlichen und ihren Eltern.
Die gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze liegen auch dank dieser Bemühungen wieder auf dem Vorkrisenniveau und damit 13 Prozent höher als 2020. Unter den neuen Ausbildungsverhältnissen sind auch 75 Verträge (6,5 Prozent) mit ausländischen Jugendlichen. Sie kommen aus 28 verschiedenen Staaten, darunter Vietnam (20), Syrien (7), Indonesien (6) und der Ukraine (6). Mit dem Stichtag 17.12.21 sind bei der IHK zu Schwerin für das Ausbildungsjahr 2022 bereits 399 Ausbildungsstellen gemeldet.
„Ausbildung ist Fachkräftesicherung“, fasst Eisenach zusammen. „Der Einsatz der Unternehmen, Jugendliche für eine Ausbildung in ihrem Unternehmen zu gewinnen, zahlt sich aus. Nichtsdestotrotz haben es gerade die Branchen Gastronomie, Hotellerie und Freizeit besonders schwer, Nachwuchs zu finden. Die Einschränkungen durch die Pandemie werden diese Branche leider langfristig spüren. Aber jeder junge Mensch kann in Westmecklenburg einen attraktiven Ausbildungsplatz finden!“

Ausblick

Anlässlich der „EXPO 2020“ sowie parallel zur Gesundheitsmesse Arab Health in Dubai, führt das Land Mecklenburg-Vorpommern vom 22. bis 27. Januar 2022 eine Unternehmerdelegationsreise in die Vereinigten Arabischen Emirate unter hochrangiger politischer Leitung durch.
Vom 25. bis 29. April 2022 steht die Hannover Messe auf dem Programm. Interessierte Unternehmen können sich noch für einen Platz auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Mecklenburg-Vorpommern melden. Virtuelle Ländertage zu den Benelux-Staaten und Japan stehen ebenfalls zum Jahresanfang an. Zum Herbst ist eine Unternehmerdelegationsreise nach Irland geplant. Die Reisen und Messeauftritte werden maßgeblich durch die IHK zu Schwerin organisiert. Besonderes Augenmerk wird zudem auf das Thema „ Internationaler E-Commerce“ gelegt. Hier beteiligt sich die IHK zu Schwerin an einer bundesweiten Studie, welche u.a. die Bedarfe und Herausforderungen der Unternehmen erhebt, um abgestimmte Unterstützungsformate der IHK-Organisation zu entwickeln. Bereits im Oktober 2021 wurde mit der Webinarreihe „Cross-Border eCommerce Bootcamp MV“ das Thema fokussiert.
Des Weiteren steht ab 2022 die Umsetzung des industriepolitischen Zukunftspapiers "Industrieland Mecklenburg-Vorpommern 2030" als wichtiger Arbeitsschwerpunkt der Landesregierung mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern auf dem Programm. Es geht unter anderem darum, die Wertschöpfungspotenziale der Erneuerbaren Energien auszuschöpfen, die Chancen aus Digitalisierung, Dekarbonisierung und Klimaschutz aktiv zu nutzen und unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen zu bieten. Hierzu zählen die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Gewerbeflächen, mehr Wohnraum, der weitere Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie nicht zuletzt die Schaffung bestmögliche Rahmenbedingungen. Will sich Mecklenburg als Land zum Leben und zum Arbeiten für Fach- und Fachkräfte positionieren muss das Marketing zielgerichtet und zukunftsorientiert ausgebaut werden.
Innovativ und digital vernetzt - auch hier werden in den kommenden Jahren klare Weichenstellungen erforderlich sein. Die zur Verfügung stehenden EU-Strukturfondsgelder sind zielgerichtet zu verwenden für einen deutlichen Anstieg innovativer Vorhaben. Und nicht zuletzt die Belebung der Gründerkultur ist voranzutreiben mit den neuen Keimzellen der landesweiten Digitalen Innovationszentren (DIZ).
„Wir werden auch die neue Landesregierung bei der Umsetzung wie des industriepolitischen Papiers im Sinne unserer Mitgliedsunternehmen beraten und begleiten“, erläutert Eisenach. „Besonders in diesen herausfordernden Zeiten ist eine aktive Wirtschaftspolitik mit Augenmaß sowie dem zielgerichteten Blick in die Zukunft von großer Bedeutung. Ansiedlungen, Erweiterungen und Neugründungen müssen ein zentraler Schwerpunkt zum nachhaltigen Ausbau der Wirtschaft sein. Der Abbau bürokratischer Hemmnisse und die deutliche Beschleunigung aller Planungs- und Genehmigungsverfahren wird ein Gradmesser der künftigen Wirtschaftspolitik sein.“