22.02.2022

Sanktionen treffen auch Unternehmen in Westmecklenburg

„Es gilt das Primat der Politik in diesem internationalen Konflikt“, betont IHK-Präsident Matthias Belke. „Gleichwohl muss allen Beteiligten bewusst sein, dass Sanktionen auch Unternehmen in Westmecklenburg hart treffen werden. Wir müssen mit den politischen Entscheidungsträgern darüber sprechen, wie zum Beispiel die vermutlich weiter steigenden Energiepreise kompensiert werden können“, so Belke weiter.
Bereits die nach der Annexion der Krim verhängten Sanktionen und die darauf folgenden russischen Gegensanktionen haben Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern (MV) belastet.
Besonders sichtbar wird dies in der Ernährungswirtschaft, da bestimmte von den russischen Gegensanktionen betroffene Produkte aus Mecklenburg-Vorpommern dauerhaft vom russischen Markt verdrängt wurden. Aktuell liegt Russland in den TOP 10 der wichtigsten MV-Einfuhrländer auf Platz 8. Bei den Ausfuhren aus MV belegte Russland 2021 den 17. Platz.
„Die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts selbst sowie der angekündigten Sanktionen sind noch nicht absehbar. Wir gehen aber davon aus, dass die Auswirkungen in der Wirtschaft deutlich spürbar sein werden. Daher hoffen wir auf eine schnelle Beilegung des Konflikts“, so Belke abschließend.
Beim Blick auf die Auswirkungen möglicher Wirtschaftssanktionen gegen die Russische Föderation stellt die IHK zu Schwerin fest:
Bereits seit 2014 gelten als Folge der Krim-Krise Sanktionen der EU und USA gegen russische Personen und Unternehmen (Verordnung (EU) Nr. 269/2014 und Verordnung (EU) Nr. 208/2014). Ferner gelten ein Waffenembargo sowie ein Ausfuhrverbot für Güter mit doppeltem Verwendungszweck. Als Gegenmaßnahme verfügte Präsident Wladimir Putin im August 2014 den Erlass Nr. 560 „Über spezielle wirtschaftliche Maßnahmen zum Schutz der Sicherheit der Russischen Föderation“. Dieser Erlass galt zunächst für ein Jahr, wurde jedoch verlängert und auf weitere Nicht-EU-Länder ausgeweitet. Zwar wurde das bestehende Einfuhrverbot etwas gelockert, zeitgleich jedoch bis mindestens Ende Dezember 2022 verlängert.

In Mecklenburg-Vorpommern waren insbesondere einige Unternehmen der Ernährungswirtschaft von dem russischen Einfuhrverbot betroffen.

Die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin geht davon aus, dass die Unternehmen das Wegbrechen des russischen Marktes mittlerweile auffangen und sich von diesem Einschnitt erholen konnten. Zugleich stellt GTAI Germany Trade and Invest fest, dass Präsident Putin 2019 eine Lebensmitteldoktrin verabschiedet hat, die eine Steigerung der Selbstversorgungsquote bei Lebensmitteln zum Ziel hat. So wurden von 2018 zu 2019 knapp 11 Prozent mehr Käse, etwa 6 Prozent mehr Fleisch und fast 20 Prozent mehr Fleischkonserven produziert. Weniger betroffen vom Einfuhrverbot sind internationale und deutsche Lebensmittelkonzerne, die in Russland produzieren. Dazu gehören etwa Nestlé, Danone, Coca-Cola, Cargill, aber auch Ehrmann, Hochland und Deutsches Milchkontor.
Dieser Trend zu einer stärkeren Selbstversorgung mit Lebensmitteln in Russland hält an, derzeit gilt die Russische Föderation bereits als Exportnation in dieser Branche. Russische Unternehmen arbeiten bereits auch im Bereich neuer Lebensmittel, etwa beim Fleischersatz auf Basis pflanzlicher Proteine. Hinter der Erdölverarbeitung und der Metallurgie gilt die Ernährungswirtschaft als stärkste Branche in Russland.

Schnelle Beratung zu gewerblichen Fragen rund um das Thema erhalten Mitgliedsunternehmen der IHK zu Schwerin über die Hotline IHK Direkt 0385 5103-111.