08.02.2022

Konjunktur in Westmecklenburg: Unsicherheiten belasten Start ins Wirtschaftsjahr 2022

Die Wirtschaft Westmecklenburgs startet verhalten in das Jahr 2022. Nach einem verhältnismäßig gutem Herbst 2021 schaut die Wirtschaft insgesamt mit gemischten Gefühlen nach vorne. Die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich der Corona-Pandemie sowie steigende Energie- und Rohstoffpreise belasten die Unternehmen.
Die derzeitige Stimmung in der Wirtschaft spiegelt sich im IHK-Konjunkturklimaindex für Westmecklenburg wider. Er bildet die aktuelle Lage und die Erwartungen der Unternehmen gleichrangig im Zeitverlauf ab. Er fällt von seinem Zwischenhoch im Herbst 2021 um 16,2 Punkte auf nun 107,8 Zähler.
„Mit Blick auf unsere Indikatoren steht die Wirtschaft ähnlich da wie vor einem Jahr“, konstatiert Matthias Belke, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin. „Zwar waren diesen Winter weniger Unternehmen von Schließungen betroffen als noch 2020/2021. Doch Maßnahmen wie Flächenbegrenzung, reduzierte Teilnehmerzahlen oder 2G und 2G-Plus haben spürbare Auswirkungen auf die Umsätze hinterlassen. Aktuell kommen noch die Sorgen um steigende Energiepreise hinzu. Mit 54 Prozent der Nennungen ist es das am häufigsten genannte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung in Westmecklenburg.“
Insgesamt hat sich in der vorliegenden IHK-Umfrage das Niveau der Risiken erhöht. Die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung und eine fehlende Planungssicherheit bemängelt im Durchschnitt jedes zweite Unternehmen. Ebenso viele sehen den Fachkräftemangel als Risiko ihrer wirtschaftlichen Entwicklung an. Der Wert tendiert damit wieder in Richtung Vorkrisenniveau. Den höchsten Anstieg verzeichnen die Sorgen um weiter steigende Energie- und Rohstoffpreise. 87 Prozent der teilnehmenden Unternehmen sehen sich mit den Preisanstiegen konfrontiert. Mehr als zwei Drittel der Befragten melden, dass sie im mittleren oder gar erheblichen Umfang betroffen sind. Lieferengpässe haben auf 78 Prozent der Unternehmen Auswirkungen.
„60 Prozent der Unternehmen melden Ertragseinbußen aufgrund von Preisanstiegen und Lieferengpässen“, erläutert Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin. „Die Preisentwicklungen belasten die Wirtschaft zusätzlich zur Corona-Pandemie. Die Politik muss garantieren, dass ihrerseits keine weiteren Kosten für die lokalen Unternehmen entstehen. Im Gegenteil: Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen vereinfacht werden. Die Bürokratie-Aufwendungen können zum Beispiel mit einer einheitlich gedachten Digitalisierung und Modernisierung der Verwaltung deutlich reduziert werden.“
Bei den Lieferengpässen können 39 Prozent der betroffenen Unternehmen nicht abschätzen, wann sich die Situation wieder verbessert. Weitere 40 Prozent hoffen auf das zweite Halbjahr 2022 oder gar erst auf das nächste Jahr. Nur 7 Prozent erwarten eine Entspannung der Lage noch in den kommenden sechs Monaten. Die Unsicherheiten für die Wirtschaft bleiben damit groß. Bei den exportorientierten Unternehmen sorgen die geopolitischen Spannungen für nochmals stärkere Belastungen.