08.02.2022

IHKs in MV: Wirtschaft zwischen Hoffen und Bangen

Die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern starten verhalten in das Jahr 2022. Besonders die Corona-Pandemie und steigende Kosten für Vorprodukte und Energie belasten die Stimmung erheblich. Die Hoffnungen ruhen darauf, dass die bestehenden Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung bald auslaufen können.
Noch im Herbst vergangenen Jahres waren die Erwartungen der Unternehmen groß, dass sich ein Winter wie 2020/2021 nicht wiederholt. Zwar mussten weniger Branchen schließen. Doch Maßnahmen wie 2G im stationären Einzelhandel und 2G-Plus in Gastronomie und vielen Freizeitbereichen haben sich spürbar auf die wirtschaftliche Situation ausgewirkt. Der IHK-Konjunkturklimaindex für das Land Mecklenburg-Vorpommern fällt von 124 Punkte im Oktober 2021 auf aktuell 108 Punkte. Der Index bildet die Einschätzungen der Unternehmen zur derzeitigen Lage und ihre Geschäftserwartungen gleichrangig im Zeitverlauf ab.
„Die Unternehmen haben eine gewisse Routine im Umgang mit der Corona-Pandemie entwickelt. Dennoch stellen die Maßnahmen die Wirtschaft vor enorme Herausforderungen“, erläutert Matthias Belke, geschäftsführender Präsident der Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern.

Finanzlage bleibt problematisch

43 Prozent der Befragten berichten von einer problematischen Finanzlage. Besonders zeigt sich das bei den Branchen, die von 2G/2G-Plus oder gar von Schließungen, Untersagung und Reisewarnungen betroffen waren. Am häufigsten wird mit 27 Prozent der Nennungen von einem Rückgang des Eigenkapitals berichtet. Liquiditätsengpässe melden 18 Prozent der Unternehmen.
„Die Belastungen und Unsicherheiten der letzten zwei Jahre spiegeln sich auch in den Investitionsabsichten wider“, so Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin, für die Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs in MV. „Zwar haben sie sich im Vergleich zur Umfrage Jahresbeginn 2021 etwas aufgehellt. Dennoch ist da noch viel Luft nach oben. Bemerkenswert ist dabei, dass jedes fünfte Unternehmen, das investieren will, als Motiv den Umweltschutz angegeben hat. Der Anteil ist kontinuierlich auch während der Krise gestiegen.“

Thema Fachkräfte wieder auf Vorkrisenniveau

Mit der aktuellen Umfrage haben sich auch die Beschäftigungsplanungen der Unternehmen wieder verbessert. Doch besonders der Mangel an potenziellen Auszubildenden und Beschäftigten bremst vielfach die Planungen. Mit 57 Prozent der Nennungen erreicht der Fachkräftemangel als Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung fast wieder das Vorkrisenniveau.
“Der Bedarf an qualifiziertem Personal ist in der Wirtschaft weiterhin hoch“, bestätigt Belke. „Wir als Unternehmerinnen und Unternehmer wissen, welche Verrentungswelle auf uns zurollt. Wenn wir im Wettbewerb um Personal nicht ins Hintertreffen geraten wollen, müssen wir uns als Land deutlich mehr anstrengen. Das betrifft unter anderem eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, attraktiven Wohnraum sowie lebendige Zentren und Innenstädte.“

Preisanstiege belasten fast alle Unternehmen

Die Energiepreise bewegen sich auf einem Rekordniveau. Hinzu kommen steigende Preise für Rohstoffe, Vorprodukte und Waren. Bedingt ist das unter anderem durch eine hohe Nachfrage bei geringem Angebot sowie durch Beeinträchtigungen von Warenströmen. Dass sie einen Anstieg der Preise registrieren, wird von 89 Prozent der Unternehmen angegeben. 70 Prozent der Befragten bewerten die Belastungen durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise gar als Risiko ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Im Vergleich zur Umfrage Jahresbeginn 2021 erhöht sich der Anteil sehr deutlich um 34 Prozentpunkte.
„Unternehmen aller Branchen und Größen spüren die Belastungen durch steigende Preise“, bestätigt Eisenach. „Daraus resultierende Ertragseinbußen melden zwei Drittel der Unternehmen. Die Belastungen kommen on top auf die Belastungen durch die Corona-Pandemie. Wann es wieder zu einer Verbesserung kommt, ist kaum abschätzbar. Bei der Versorgung mit Materialien und Waren setzt ein Drittel auf das zweite Halbjahr 2022 oder auf das kommende Jahr. Die Mehrheit von 41 Prozent jedoch kann nicht abschätzen, wann sich die Versorgungslage wieder verbessert. Die Unsicherheit in der Wirtschaft bleibt daher groß.“

Die Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg Vorpommern

Unter dem Namen „ IHKs in Mecklenburg-Vorpommern“ haben sich die drei Industrie- und Handelskammern in Neubrandenburg, Rostock und Schwerin als Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie vertreten rund 85.000 Unternehmen, die etwa 500.000 Mitarbeiter beschäftigen. Ungefähr 3.700 Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich ehrenamtlich in den drei IHKs. Die Geschäftsführung der IHKs in MV obliegt für die Dauer von zwei Jahren rotierend jeweils einer der drei IHKs.