24. Mai 2022

1,25 Mrd. Euro Corona-Hilfen ausbezahlt

IHK Schwaben: Wirtschaftshilfen haben eine Insolvenzwelle verhindert
Mit rund 1,25 Milliarden Euro Wirtschaftshilfen hat der Staat die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in Bayerisch-Schwaben bislang abgefedert. Das aus verschiedenen Hilfsprogrammen stammende Geld hat nach Meinung der IHK Schwaben zusammen mit dem Kurzarbeitergeld dazu beigetragen den wirtschaftlichen Aderlass der Corona-Krise abzumildern. Markus Anselment, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben: „Die Wirtschaftshilfen haben mitgeholfen, die von vielen befürchtete Insolvenzwelle in der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft zu verhindern. Nicht verhindern konnten sie allerdings, dass die Corona-Krise zusammen mit dem Krieg in der Ukraine auch der Wirtschaft viel Kraft gekostet hat.“
Seit Juli 2020 haben von der Corona-Krise betroffene Selbstständige, Betriebe und Einrichtungen in Bayerisch-Schwaben Zuschüsse in Höhe von über 1,25 Milliarden Euro erhalten. Die Summe umfasst 13 Hilfsprogramme, darunter die Überbrückungshilfen I bis IV, Neustarthilfen, die November-, Dezember- sowie die bayerische Oktoberhilfe. Insgesamt gingen bislang fast 50.000 Anträge ein. Damit beträgt der bayerisch-schwäbische Anteil an den insgesamt in Bayern gestellten Anträgen rund 13 Prozent und an der ausbezahlten Fördersumme etwas über 12 Prozent.
Regionale Wirtschaft profitiert von staatlicher Unterstützung
Blickt man in die Landkreise und kreisfreien Städte der Region, so ist das meiste Geld in die Bezirkshauptstadt und den Landkreis Augsburg geflossen, ebenso wie in die beiden Landkreise Ober- und Ostallgäu. Die Erklärung für die räumliche Verteilung der Wirtschaftshilfen sieht Anselment unter anderem in der regional unterschiedlichen Bedeutung der von den Corona-Beschränkungen besonders betroffenen Branchen: „Am wirtschaftlich stärksten unter den Corona-Lockdowns gelitten haben das Gastgewerbe, der Handel und die Bereiche Kunst, Unterhaltung und Erholung. Daher verwundert es wenig, dass die Unternehmen gerade in der Urlaubsregion Allgäu oder in der Kultur- und Einkaufsstadt Augsburg besonders stark auf Wirtschaftshilfen angewiesen waren.“ Darüber hinaus weist die IHK Schwaben aber auch auf die Wirtschaftskraft der bayerisch-schwäbischen Regionen hin, die unter anderem die hohe Fördersumme des großen und einwohnerstarken Landkreises Augsburg erklärt.
Nach über zwei Jahren Krise geht es an die Substanz
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist im Frühjahr 2022 im Vergleich zur Vorumfrage zum Jahreswechsel 2021 / 2022 deutlich gesunken. Dabei ist es nicht die aktuelle Geschäftslage, die den Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen Sorge bereitet, sondern vielmehr die unklaren und für viele Unternehmen pessimistischen Erwartungen der kommenden Monate. „Nach über zwei Jahren Krisenmodus geht es für viele Unternehmen an die Substanz. Vorhandene Rationalisierungspotentiale wurden oftmals schon gehoben und so bleibt für viele Unternehmen nur noch der ungeliebte Ausweg die eigenen Preise zu erhöhen“, stellt Anselment beispielsweise mit Blick auf die rasant gestiegenen Energiekosten fest.
Antragsfrist für die Wirtschaftshilfen endet Mitte Juni
Die Antragsfrist für die Überbrückungshilfe IV, die Neustarthilfe 2022 und die Härtefallhilfe läuft am 15. Juni 2022 aus. Anselment: „Der Förderzeitraum der Hilfsprogramme endet am 30. Juni, Anträge müssen online bis zum 15. Juni 2022 gestellt werden. Da die Anträge für die meisten Programme nur über Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer gestellt werden können, empfiehlt es sich jetzt schnell aktiv zu werden und die letzte Chance zu nutzen.“ Voraussetzung ist allerdings vorab die Antragsberechtigung zu prüfen, damit sich die Arbeit lohnt und drohende Rückzahlungen ausgeschlossen werden können.
Raus aus dem Krisenmodus, Wirtschaft braucht Planungssicherheit
Die Corona-Wirtschaftshilfen laufen aus, die Bundesregierung schnürt währenddessen neue Förderpakte zum Schutz der Wirtschaft vor stark steigenden Kosten besonders im Energiebereich. Anselment abschließend: „Auf die Dauer lassen sich externe Schocks nicht durch staatliches Geld ausgleichen. So notwendig die Wirtschaftshilfen kurzfristig sind, so unverzichtbar ist es mittel- und langfristig Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Unternehmen eigenes Wirtschaften ermöglichen. Dazu muss die Energieversorgung gesichert, die Lieferketten stabilisiert, die Fachkräftesicherung angepackt und der europäische Binnenmarkt endlich vollendet werden.“
Die ausbezahlten Wirtschaftshilfen im Detail
Hinweis: Kumulierte Wirtschaftshilfen für die 13 Programme der Überbrückungshilfen I bis IV, aller Neustarthilfen und der November- und Dezemberhilfe sowie der bayerischen Oktober- und Härtefallhilfe. Angaben ohne Gewähr. Datenquelle: BMWK. Abweichungen aufgrund fehlerhafter Angaben in der Antragsstellung möglich. Stand: 25. April 2022
Verteilung der Wirtschaftshilfen nach Branchen
Anträge
Ausbezahlte Summe €
Anteil in %
Gesamt
49.902
1.250.974.655
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei
257
7.286.157
0,6
Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden
1
1.283.104
0,1
Verarbeitendes Gewerbe
1.863
88.082.767
7,0
Energieversorgung
4
47.118
0,0
Wasserversorgung, Abwasser- u. Abfallentsorgung
12
456.029
0,0
Baugewerbe
611
7.592.794
0,6
Handel
5.705
194.758.469
15,6
Verkehr und Lagerei
1.053
37.604.694
3,0
Gastgewerbe
17.430
519.436.527
41,5
Information und Kommunikation
793
23.636.327
1,9
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
240
2.924.707
0,2
Grundstücks- und Wohnungswesen
437
6.556.957
0,5
Freiberufliche, wiss. und tech. Dienstleistungen
2.680
39.775.149
3,2
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
2.730
82.919.954
6,6
Öffentliche Verwaltung
18
671.427
0,1
Erziehung und Unterricht
2.167
20.198.211
1,6
Gesundheits- und Sozialwesen
1.352
7.651.458
0,6
Kunst, Unterhaltung, Erholung
5.588
141.801.065
11,3
Sonstige Dienstleistungen
6.922
67.727.318
5,4

Verteilung der Wirtschaftshilfen nach Regionen
Anträge
Ausbezahlte Summe €
Anteil in %
Regierungsbezirk Schwaben
49.902
1.250.974.655
Kreisfreie Stadt Augsburg
8.757
242.692.780
19,4
Kreisfreie Stadt Kaufbeuren
1.113
23.269.400
1,9
Kreisfreie Stadt Kempten (Allgäu)
2.070
49.969.145
4,0
Kreisfreie Stadt Memmingen
1.377
33.281.899
2,7
Landkreis Aichach-Friedberg
2.972
76.284.933
6,1
Landkreis Augsburg
5.017
112.885.716
9,0
Landkreis Dillingen an der Donau
1.628
44.534.764
3,7
Landkreis Donau-Ries
2.688
68.962.548
5,5
Landkreis Günzburg
2.637
53.187.375
4,2
Landkreis Lindau
2.845
65.330.004
5,2
Landkreis Neu-Ulm
3.808
79.198.523
6,3
Landkreis Oberallgäu
7.253
220.891.963
17,6
Landkreis Ostallgäu
4.475
115.589.914
9,2
Landkreis-Unterallgäu
3.262
64.895.691
5,2