16. Mai 2022

Die Krisen kosten Kraft – Chancen nutzen

IHK Schwaben stellt Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Frühjahr vor
 
Die Geschäftslage der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft zeigt sich robust. Die Erwartungen haben sich allerdings deutlich verschlechtert. Der IHK-Konjunkturklimaindex sinkt im Vergleich zum Jahresbeginn 2022 daher um 15 auf 110 Punkte. „Die Krisen kosten Kraft“, stellt Dr. Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, bei der Vorstellung der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage fest. Das mit weitem Abstand größte Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung sind die Energie- und Rohstoffpreise. IHK-Präsident Dr. Andreas Kopton: „Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und der Null-Covid-Politik Chinas drücken auf die Stimmung der heimischen Unternehmen. Umso wichtiger ist es, dass Deutschland und Europa die Chancen nutzen und den Gestaltungswillen der Wirtschaft fördern.“
Vom 6. bis 27. April 2022 hat die IHK Schwaben einen repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen zur aktuellen Lage, den künftigen Erwartungen und den größten konjunkturellen Risiken befragt. Rund 800 Unternehmen haben geantwortet. Die Ergebnisse stellte die IHK Schwaben im Rahmen eines Pressegesprächs vor.
Gute Geschäfte, schlechte Erwartungen
Obwohl der IHK-Konjunkturklimaindex als geometrisches Mittel aus Geschäftslage und Erwartungen gesunken ist, ist die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage weiterhin gut. Lucassen: „Die regionale Wirtschaft ist unverändert im Krisenmodus. Die gute Nachricht lautet aber auch: Die Wirtschaft kann Krise.“ So beurteilen lediglich elf Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, dagegen 89 Prozent als gut oder befriedigend. „Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, die sich deutlich in Chinas Null-Covid-Politik zeigen und die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine überlagern und verstärken sich. Diese starke Wechselwirkung führt zu einer spürbaren Verschlechterung der Erwartungen“, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer den Rückgang des IHK-Konjunkturklimaindex im Frühjahr 2022.
Branchen nähern sich an, unterschiedliche Entwicklungen in den Regionen
Die konjunkturelle Spreizung zwischen den Branchen hat im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich abgenommen. Während die bislang starken Branchen Industrie und Baugewerbe verlieren, gewinnt das durch den Wegfall der Corona-Beschränkungen entlastete Reise- und Gastgewerbe hinzu. Wenig verändert zeigt sich der IHK-Konjunkturklimaindex für die Einzelhändler und Dienstleister. Übertragen auf die bayerisch-schwäbischen Regionen führt diese Branchenentwicklung dazu, dass die Urlaubsregion Allgäu und der Wirtschaftsraum Augsburg weniger an Boden verlieren als die stärker durch die Industrie geprägten Regionen im Westen und Norden des IHK-Bezirks.
Außenhandel gibt der Industrie widersprüchliche Impulse
„Die Industrie ist besonders stark von den Entwicklungen in der Ukraine und in China betroffen“, so Lucassen. So hat sich das Auftragsvolumen aus China ebenso wie das aus Ost- und Südeuropa deutlich verringert. Positive Impulse kommen dagegen aus dem Euro-Raum und den USA. Lucassen dazu: „Größter Unsicherheitsfaktor ist mit Blick auf die Corona-Krise aktuell die wirtschaftliche Entwicklung in China, während der Krieg in der Ukraine maßgeblichen Einfluss auf die Energieversorgung hat.“
Risiken nehmen noch weiter zu
Die wirtschaftlichen Risiken sind in Summe nochmals gestiegen. Die größten Risiken sind quer über alle Branchen hinweg die stark steigenden Energie- und Rohstoffpreise (80 Prozent) und der Fachkräftemangel (60 Prozent). „Besonders das Risiko der hohen Energiepreise hat sich erheblich verschärft. Auch berichtet eine deutliche Mehrheit der Unternehmen davon, dass der Krieg in der Ukraine ihre Geschäfte hemmt“, erläutert Lucassen. Die hohe Inflationsrate drückt zudem auf die Kauflaune der Endverbraucher. Für 57 Prozent der Einzelhändler ist die Inlandsnachfrage daher zu einem großen Risiko geworden – auch weil 80 Prozent der Unternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen sich gezwungen sehen ihre Verkaufspreise anzuheben.
Chancen nutzen und Gestaltungswillen fördern
„Europa ist der Heimatmarkt für die regionale Wirtschaft. Umso wichtiger ist es, mit einem Belastungsmoratorium auf zusätzliche Belastungen durch die EU zu verzichten – genau wie von der IHK-Vollversammlung gefordert“, sagt Kopton mit Blick auf aktuelle Diskussionen, etwa rund um das EU-Lieferkettengesetz oder die REACH-Verordnung. Seinen Optimismus leitet der IHK-Präsident auch aus der unverändert hohen Investitionsbereitschaft der IHK-Mitgliedsunternehmen, der Vollbeschäftigung in Bayerisch-Schwaben und dem breiten Angebot offener Ausbildungsplätze ab. Kopton abschließend: „Energieversorgung sichern, Lieferketten stabilisieren, Fachkräftesicherung anpacken und den europäischen Binnenmarkt endlich vollständig realisieren – die Handlungsfelder für mehr wirtschaftlichen Optimismus liegen auf dem Tisch.“