IHK zu Lübeck

Lagebericht des Geschäftsjahrs 2024

I. Geschäfts- und Rahmenbedingungen

I.I Konjunkturelle Rahmenbedingungen im Kammerbezirk

Die Wirtschaft im Hansebelt ist mit großen Sorgen und Herausforderungen in das Jahr 2024 gestartet. Vor allem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, der Fachkräftemangel, ein ungünstiges Zinsumfeld und der schwache Konsum belasteten die Unternehmen. Nach Einschätzung der IHK zu Lübeck war die tatsächliche Lage in der schleswig-holsteinischen Wirtschaft zwar besser als die Stimmung, aber die Zuversicht wich angesichts der globalen Konflikte mit großen Auswirkungen auf die Wirtschaft in Europa, das Wahlergebnis in den USA sowie die Auflösungserscheinungen und der endgültige Bruch der Ampel-Koalition im Bund ein immer größer werden Skepsis. Wie in den Vorjahren war die IHK zu Lübeck eng an der Seite ihrer Mitglieder. Zudem verstärkte sie ihre wirtschaftspolitische Interessenvertretung in Land, Bund und Europäischer Union.

I.II Inhaltliche Schwerpunkte der Kammerarbeit

Der Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung hat seine Arbeit für die Fachkräftesicherung intensiviert, indem er sein Serviceangebot und die Unterstützungsleistungen für Mitgliedsunternehmen sowie internationale Fach- und Arbeitskräfte weiter ausgebaut hat. Zwei Fachkräftereferentinnen unterstützen Unternehmen bei ihrer Suche nach Fach- und Arbeitskräften sowie bei der Entwicklung und Implementierung von Konzepten zur Mitarbeiterbindung und -entwicklung. Ergänzend beantwortet das Team
"Fachkräftesicherung" Fragen zu Einreiseverfahren und hilft bei der beruflichen Anerkennung ausländischer Abschlüsse – ein wichtiger Baustein für die erfolgreiche Integration internationaler Fachkräfte. Der 2024 gegründete Arbeitskreis "Wirtschaft und Fachkräfte im Hansebelt" begleitet die Arbeit mit neuen Herangehensweisen zur Weiterentwicklung von Ideen und Lösungen.
Der in Kooperation mit der Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein (FI.SH) organisierte erste IHK-Fachkräftetag mit rund 200 Teilnehmern aus der regionalen Wirtschaft stand unter dem Motto "Arbeits- und Fachkräfte gewinnen: Ein-, Auf- und Umsteigen im Hansebelt". Redner und Diskussionsteilnehmer, unter ihnen Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen, Markus Biercher, Geschäftsführer der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, und Dr. Hinrich Habeck, Geschäftsführer der WTSH GmbH, beleuchteten zentrale Fragen zur Fachkräftesicherung.
Bei der neunten Lübecker Ausbildungsrallye engagierten sich knapp 80 Unternehmen sowie rund 1.400 Schülerinnen und Schüler. Zudem waren die auf mehr als 15 Ausbildungsmessen vertreten, und 150 IHK-Ausbildungsbotschafter präsentierten an allgemeinbildenden Schulen die hervorragenden Perspektiven der dualen Berufsausbildung. Die bundesweite DIHK-Ausbildungskampagne JETZT#könnenlernen belebte die im zweiten Jahr durch zusätzliche Plakatwände, Welcomeboxen on demand und die Auszeichnung von Unternehmen mit dem Titel "TOP-Ausbildungsbetrieb".
Der Geschäftsbereich Existenzgründung und Unternehmensförderung hat einen Schwerpunkt beim Thema Unternehmensnachfolge gesetzt. Initiativen und Veranstaltungen hatten das Ziel der Informationsvermittlung sowie der Vernetzung von Nachfolgeinteressierten und Branchenvertretern. Gut besucht mit rund 120 Teilnehmern war der Aktionstag Nachfolge in Lübeck. Neu waren die branchenspezifischen Veranstaltungsreihen "Nachfolgefrühstück im Gastgewerbe", bei der die besonderen Bedürfnisse und Fragestellungen der Gastronomiebranche im Mittelpunkt standen, sowie die spezifischen Nachfolgeherausforderungen der IT-Unternehmen.
Die IHK zu Lübeck hat ihre Rolle als zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer weiter gestärkt, vor allem durch kontinuierliches Werben für das Thema Existenzgründung, persönliche Beratung sowie die regelmäßige Unterstützung bei der Planung und Verwirklichung von Gründungsvorhaben. Über das Jahr hinweg organisierte die IHK Lübeck mehr als 15 Informationsveranstaltungen zu relevanten Gründungsthemen. Ein weiterer Erfolg waren die Vernetzung und Förderung der Start-up-Szene in Schleswig-Holstein. Die IHK unterstützte Initiativen wie den Existenzgründerpreis der Lübecker Wirtschaft, die StartUp Days Lübeck sowie das Netzwerk Startup SH. Diese Zusammenarbeit förderte die Gründungskultur in der Region und bot jungen Unternehmen eine Plattform für Austausch, Sichtbarkeit und Wachstum.
In den Geschäftsstellen Ahrensburg und Norderstedt stehen die Themen außenwirtschaftliche Beratung, Gründung, Nachfolge, Finanzierung und Krisenmanagement im Fokus. Besonders erfolgreich war der Start des ersten Batchs im Gateway49-Satelliten in Norderstedt. Diese Initiative ermöglicht es, das bewährte Start-up-Förderprogramm auf die Region auszuweiten. In Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn mbH (WAS) und der Stadt Ahrensburg rief die Geschäftsstelle Ahrensburg die Reihe "Unternehmerfrühstück" ins Leben, eine Plattform für den Austausch und die regionale Kooperation. Darüber hinaus fand die NewKammer-Reihe zur Begrüßung neuer Mitglieder großen Zuspruch. Die erfolgreiche Fortführung ermöglichte es, neue Mitglieder willkommen zu heißen und von Anfang an in die regionale Wirtschaftscommunity einzubinden. Auch das Wirtschaftsjunioren-Netzwerk (WJ) baute seine kreisübergreifende Zusammenarbeit aus.
Das Vermittlergewerbe setzte seine positive Entwicklung auch im Jahr 2024 mit weiterhin hohen Zahlen bei den Erlaubnis- und Registrierungsverfahren fort. Ein besonderes Highlight in der Versicherungsbranche war der Norddeutsche Versicherungstag am 16. Mai 2024. In Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg und weiteren Partnern aus Schleswig-Holstein bot die Veranstaltung eine ideale Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und zentrale Branchenthemen zu diskutieren.
Neue Impulse für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft sieht die IHK zu Lübeck als dringend geboten. Der Ende 2023 veröffentlichte DIHK-Innovationsreport verdeutlicht, wie verbesserungsbedürftig die innovationspolitischen Rahmenbedingungen sind. So ist die Innovationsbereitschaft der deutschen Wirtschaft auf den niedrigsten Stand seit der ersten Erhebung im Jahr 2008 gefallen. Zugleich wollen Unternehmen verstärkt Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Ausland verfolgen. Mit ihrem Positionspapier "Impulse für eine zukunftsfähige Innovationspolitik" hat die IHK-Organisation im März 2024 zehn Optionen zur Gestaltung innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen vorgeschlagen.
Das Land Schleswig-Holstein sieht sich mit tiefgreifenden Transformationsprozessen und gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Aufgrund der mittelständisch geprägten Wirtschaftsstruktur kommt den Hochschulen bei der Innovationsfähigkeit eine zentrale Rolle zu. Daher hat das Land den Wissenschaftsrat mit einer Begutachtung des schleswig-holsteinischen Hochschulsystems in den Jahren 2022 und 2023 beauftragt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf den Transferaktivitäten der Hochschulen und damit ihren Bemühungen, Forschungsergebnisse in wirtschaftliche Anwendungen zu überführen. Die IHK zu Lübeck arbeitete an den umfangreichen "Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Hochschulsystems des Landes Schleswig-Holstein" mit und brachte sich in die Erstellung eines Maßnahmenkatalogs als Grundlage einer Transferstrategie des Landes ein.
Ob CBAM, Lieferkettengesetze, Berichtspflichten oder andere Nachhaltigkeitsanforderungen: Mögen die Argumente für die mittlerweile stattliche Zahl von nationalen und EU-Vorgaben im Einzelnen gut begründet sein – ihre Vielzahl und ihre technischen Regelwerke sind eine große Belastung für die Unternehmen und den Standort. Die IHK wird in ihrem Bemühen nicht nachlassen, die politisch Verantwortlichen mit den Herausforderungen auf Unternehmerseite vertraut zu machen und Erleichterungen einfordern.
Der Europäische Green Deal hat eine gigantische Menge an Regulierung für die produzierenden Unternehmen in Europa angestoßen. Und die Bundesregierung hat diese noch einmal verschärft. Mittlerweile ist der Politik in Berlin und Brüssel klar, dass es nicht so weiter gehen kann. Eine spürbare Anzahl produzierende Unternehmen haben Ihre Produktion ins Ausland verlagert oder sind dabei. Der Net Zero Industry Act der EU hat bisher kaum Wirksamkeit gezeigt – im Gegensatz zum IRA in den USA, der Investitionsanreize schafft.
2024 war das erste volle Geschäftsjahr, in dem die IHK ihren Mitgliedern das sogenannte elektronische Carnet anbot. Damit erfolgt die Antragstellung auf Unternehmerseite komplett digital und leistet einen weiteren kleinen Beitrag hin zur papierlosen Abwicklung von Außenwirtschaftsverkehren.
Das nationale Sorgfaltspflichten- und Lieferkettengesetz hatalle Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten in die Pflicht genommen, nachdem die Aufgreifschwelle im Vorjahr noch bei 3.000 Beschäftigten lag. Mit dieser Vorgabe hat sich die Zahl der Beratungsanfragen an den Geschäftsbereich International deutlich erhöht. Fragesteller waren die im Gesetz benannten Unternehmen, in noch größerem Maße aber jene kleinen und mittelgroßen Betriebe, die auf Bitten größerer Betriebe weiter aufwärts auf der Lieferkette entsprechende Erklärungen angeben sollten. Die Kritik der IHK zu Lübeck und anderer IHKs an diesem Gesetz war massiv. Kurz vor dem Ende der Ampelkoalition hatte Bundeskanzler Olaf Scholz daher formuliert: "Das kommt weg".
Die Planungen zur Schienenanbindung des Fehmarnbelt-Tunnels schreiten voran. Ein Schwerpunkt der begleitenden IHK-Arbeit im Geschäftsbereich Standortpolitik lag darin, die Beteiligungsmöglichkeiten an den Planfeststellungsverfahren zu nutzen und die Interessen der regionalen Wirtschaft – vor allem zur Beschleunigung des Verfahrens – zu vertreten. Bei der Politik forderte die IHK die Weiterentwicklung der Schieneninfrastruktur in Schleswig-Holstein. Dies umfasste den Neubau und auch die Reaktivierung von Strecken beziehungsweise die Herstellung von Schienen-Bypässen. Diese Bemühungen erhielten zusätzliche Aktualität vor dem Hintergrund der Ankündigung der Sanierung des Hochleistungskorridors Hamburg-Lübeck und der damit verbundenen Komplettsperrung der Verbindung im zweiten Halbjahr 2027.
Um die Möglichkeiten der Erhöhung des Schienengüterverkehrs im Land auszuloten, hat die IHK die Vorarbeiten des Projektes "Railcoach SH" angeschoben. Die Marketingaktivitäten von acht norddeutschen IHKs für den dringend erforderlichen Weiterbau der Autobahn A 20 nahmen in 2024 deutlich an Fahrt auf, unter anderem auch durch zwei gut besuchte Veranstaltungen in Bad Bramstedt sowie in Bad Segeberg.
In der Tourismuswirtschaft stand der Service- und Netzwerkgedanke auch 2024 im Vordergrund. Ein Höhepunkt war das IHK-Wirtschaftsgespräch im August mit der Campingbranche mit Politik, Wirtschaft, Verwaltung und dem Campingverband auf Fehmarn. Mit dem regelmäßigen IHK-Kneipentalk unterstützt die IHK Wirtinnen und Wirte. Die aktuellen Themen reichen von zukunftsfesten Kneipenkonzepten bis zur Beratung der Lebensmittelüberwachung. Live-Coachings zeigten zudem Energieeinsparpotenziale in der Gastronomie auf und vermittelten praktische Handlungsempfehlungen.
Die Einführung der elektronischen Rechnung im B2B-Bereich hat im vergangenen Jahr viele Unternehmen beschäftigt. Gemeinsam mit den Handwerkskammern und im Verbund der IHK Schleswig-Holstein hat die IHK zu Lübeck mit der Webinarreihe "Kurz informiert" rund 2.600 Unternehmerinnen und Unternehmer erreicht und zum Thema beraten. Auch für Einzelberatungen ist die Nachfrage sehr hoch. Ein weiteres Angebot war der Bilanzbuchhalter- und Controllertag, der Best Practices für kleine, mittlere und Großunternehmen im Bereich der automatisierten KI-Verarbeitung aufzeigte.
In Gesprächen mit Verwaltung und Politik hat die IHK die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen in den Bereichen Steuerfortentwicklungsgesetz, Steuerbürokratie und Einführung differenzierter Hebesätze bei der Grundsteuer vertreten. Online-Formate wie "Kurz diskutiert" gaben den Unternehmen die Möglichkeit, sich direkt einzubringen und ihre Anliegen vorzutragen.
Wertvolle Ergänzungen für das Serviceangebot des Geschäftsbereichs Recht und Steuern lieferte das neu gegründete Netzwerk Arbeitsrecht. Dessen Ziel ist es, Informationen zu vermitteln, wichtige Impulse für die Interessenvertretung zu erhalten und auch den Austausch der Unternehmen untereinander über konkrete Praxisprobleme zu fördern. Den Sachverständigentag nutzten die Sachverständigen, um konkrete Hinweise zur Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Gerichten zu benennen.

II. Vermögens-/Finanz-/Ertragsentwicklung und -lage

Vermögenslage

Das Vermögen der IHK zu Lübeck setzt sich aus 14.043 T€ (Vj. 13.844 T€) langfristigem Anlagevermögen, 12.222 T€ (Vj 10.316 T€) kurzfristigem Umlaufvermögen, sowie 916 T€ (Vj. 702 T€) aktiven Rechnungsabgrenzungsposten zusammen. Die Bilanz weist zum 31. Dezember 2024 ein Volumen von 27.181 T€ auf und liegt damit um 2.319 T€ über dem Vorjahreswert.
Im Jahr 2024 hat sich im Vergleich zum Vorjahr eine Veränderung im Umlaufvermögen ergeben. Dies ist bedingt durch Zunahme im Finanzmittelbestand.
Das in der Anlagerichtlinie vorrangige Ziel der Kapitalerhaltung unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Ethik konnte im Geschäftsjahr 2024 aufgrund der Entwicklung an den Kapitalmärkten erfüllt werden. Die positive Wertentwicklung belief sich im Jahr 2024 auf 17,43 Prozent, bei der Bethmann Bank. Der Blick muss auf einen längeren Zeitpunkt geworfen werden, hier handelt es sich lediglich um eine Stichtagsbetrachtung. Der Bestand an Wertpapieren beträgt zum 31.12.2024 7.147 T€.
Im Vergleich zum Jahr 2023 erhöhte sich aufgrund des positiven Jahresergebnisses im Jahr 2024 das Eigenkapital der IHK zu Lübeck um 4.043 T€ auf 16.699 T€.

Finanzlage

Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit ist ein Maßstab für die Innenfinanzierungskraft der IHK.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit umfasst das um die Veränderungen der Rücklagen, Rückstellungen, der Abschreibungen und Zuschreibungen zum Anlagevermögen, der sonstigen Aktiva und Passiva sowie der Zuführungen oder Auflösungen von aktiven und passiven Rechnungsabgrenzungsposten bereinigte Jahresergebnis vor außerordentlichen Aufwendungen.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 2.323 T€ und liegt damit unter dem Vorjahreswert (331 T€). Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit beträgt -538 T€ (Vorjahr -315 T€).
Ein Cashflow aus Finanzierungstätigkeit ist im Berichtsjahr nicht angefallen.
Die Zahlungsfähigkeit der IHK war während des Geschäftsjahres 2024 sowie bis zum Zeitpunkt der Erstellung des Jahresabschlusses jederzeit gewährleistet.
Im Rahmen des bestehenden Finanzmanagements wird auf ausreichende Sicherheit, angemessenen Ertrag sowie auf die Verfügbarkeit der Mittel geachtet. Die nicht zur laufenden Liquiditätssicherung benötigten Mittel werden einerseits durch externe Vermögensverwaltungen in Wertpapieren sowie durch internes Management in Tages- beziehungsweise Festgeldern angelegt.
Bei der Erstellung der Bilanz wurden alle erkennbaren Risiken aus nicht kalkulierbaren Beitragsschwankungen, die aus der konjunkturellen Entwicklung im IHK-Bezirk oder aus dem Abrechnungsverfahren selbst resultieren können, und sonstigen Verpflichtungen berücksichtigt. Aus den bestehenden Verpflichtungen sind derzeit keine wesentlichen Auswirkungen auf die zukünftige Vermögenslage ersichtlich. Den satzungsmäßigen und zweckgebundenen Rücklagen und Rückstellungen steht eine solide finanzielle Deckung durch das Vermögen auf der Aktivseite gegenüber. Der Sicherung der Liquidität und der Verfügbarkeit der Finanzmittel gilt weiterhin oberste Priorität vor Renditezielen. Somit sind die Voraussetzungen für eine sachgerechte Aufgabenerfüllung und die Handlungsfähigkeit der IHK zu Lübeck auch zukünftig gewährleistet.

Ertragslage

Im Geschäftsjahr 2024 wurde das geplante Jahresergebnis von -2.906 T€ deutlich überschritten. Es wurde ein Jahresergebnis von 4.043 T€ erzielt.
Wesentliche Ursache sind die gegenüber der Planung um 3.600 T€ gestiegenen Beitragseinnahmen, die um 786 T€ erhöhten Gebühreneinnahmen, sowie Einsparungen von T€ 349 im Bereich der sonstigen betrieblichen Aufwendungen und im Personalaufwand von 1.180 T€.
Die Erträge aus Beiträgen in Höhe von 16.828 T€ lagen mit 3.600 T€ über dem Planansatz und T€ 4.128 über dem Vorjahreswert. Dies ergibt sich insbesondere aufgrund der gestreckten Veranlagungen und nachgeholten Übermittlung der BMGs durch die AKG im I. Quartal 2024.
Die Erträge aus Gebühren betragen im aktuellen Geschäftsjahr 3.289 T€. Sie liegen damit über der Planung (2.503 T€).
Die Materialaufwendungen in Höhe von 1.358 T€ korrespondieren mit entsprechenden Erträgen bei den Gebühren.
Der verringerte Personalaufwand für Gehälter in Höhe von 7.201 T€ (Vorjahr: 7.002 T€) resultiert aus verzögerter Nachbesetzung von Stellen und erhöhtem Krankenstand. Insgesamt wird der Wert des Jahres 2023 damit um 199 T€ unterschritten. Der Planwert des Jahres 2024 in Höhe von 7.536 T€ ist unterschritten worden. Der gesamte Personalaufwand wurde durch einen Todesfall bei den Versorgungsempfängern und einer bedingten Auflösung deutlich unterschritten
Die Abschreibungen liegen im Jahr 2024 mit 345 T€ rund 6 T€ über dem Vorjahresniveau, die sozialen Abgaben sind um 846 T€ auf 1.815 T€ gesunken.
Minderaufwendungen sind im Vergleich zum Plan vor allem bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen (T€ 349) entstanden.
Das Finanzergebnis (232 T€) fällt im Jahr 2024 um 192 T€ deutlich besser aus als geplant. Es wird im Wesentlichen durch die Zinserträge bei den Festgeldern T€ 226 geprägt.
Insgesamt beurteilt die Geschäftsführung die Ertragslage als positiv.
Der Präses und der Hauptgeschäftsführer werden der Vollversammlung vorschlagen, das Ergebnis des Jahres 2024 in Höhe von 8.594 T€ auf neue Rechnung vorzutragen.

III. Personalbericht

Personalstruktur

Zusätzliche Positionen entstanden im Veranstaltungsmanagement, im HGF-Bereich, sowie im Bereich AWB. Die Wesentlichen Mitarbeiterdaten sind in der Personalübersicht im Anhang, Anlage 1.6, dargestellt.

Teilzeitquote und Frauenanteil

Der Anteil der Beschäftigten, die in Teilzeit arbeiten lag mit Stand 31. Dezember 2024 bei 8 männlichen und 38 weiblichen Beschäftigten. Dies entspricht einen Anteil von 35 Prozent der Gesamtbeschäftigten. Der Frauenanteil aller Mitarbeitenden beträgt 66,4 Prozent. Der Frauenanteil auf der Geschäftsleiterebene betrug 20 Prozent, der Frauenanteil auf Referentenebene 50 Prozent.

Ausbildung und Übernahme

2024 wurden 6 Kaufleute für Büromanagement ausgebildet. Darüber hinaus wird Auszubildenden aufgrund ihrer guten Leistungen eine halbjährliche Weiterbeschäftigung angeboten. Die Übernahme für ein halbes Jahr erfolgt immer dann, wenn keine freie Position, aber zusätzliche befristete Einsatzmöglichkeiten bestehen und der Notendurchschnitt der Ausbildung bei mindestens 2,5 lag.

Einarbeitung und Qualifizierung

Die Einarbeitung der Beschäftigten erfolgt in der Regel nach einem individuell vorbereiteten Einarbeitungsplan der Geschäftsbereiche, welche durch Inhouse-Kommunikationsseminare und Einführungsseminare der IHK-Organisation flankiert werden.
Zur Einarbeitung existieren Checklisten für alle Bereiche, die in die Einarbeitung eingebunden sind, um ein strategisches Vorgehen zu gewährleisten. Während der Einarbeitungszeit stehen Pate, direkte Kollegen und Vorgesetzte als Ansprechpartner zur Verfügung, um fachliche, formelle und informelle Angelegenheiten zu klären.
Fachliche und persönliche Weiterbildungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten werden zumeist zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten besprochen. Dafür werden hauptsächlich die Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten der nahestehenden Organisationen wie der DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung, der Bildungs-Service gGmbH der Handelskammer Hamburg oder der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein genutzt.
Seminare für Mitarbeitergruppen werden in der Regel als Inhouse-Seminare in Absprache mit dem Personalbereich organisiert.

Vereinbarkeit Beruf und Familie

In der IHK existiert eine Vielzahl an Teilzeitmodellen. Diese entstanden aufgrund der individuellen Bedürfnisse nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Mitgliedschaft in Beruf und Familie in der HanseBelt gGmbH gewährleistet die Betreuung der Kinder in Notfallsituationen. Das Dienstleistungsangebot des Instituts für betriebliche Gesundheitsförderung wird mit einem Beratungsaufkommen von durchschnittlich drei Beratungen monatlich genutzt, um Unterstützung in kritischen Alltags- und Berufsangelegenheiten zu erhalten.

Vergütung

Das Vergütungssystem besteht aus 15 Gehaltsgraden und sechs Funktionsgruppen. Die Zuordnung der einzelnen Positionen in den Gehaltsgraden und Funktionsgruppen geschieht auf Basis eines Bewertungskatalogs, welcher sowohl Fach- und Geschäftskenntnisse berücksichtigt, aber auch die Ausprägung des Einflussbereiches auf die Organisation oder den Umfang der notwendigen Kommunikationsfähigkeiten.
Die Jahresgrundvergütung enthält einen leistungsbezogenen Vergütungsbestandteil in Höhe eines Monatsgehaltes. Dieser basiert auf der Erfüllung der strategischen Ziele, welche Haupt- und Ehrenamt jährlich für das gesamte Haus aufstellen.

Arbeitssicherheit

Arbeitssicherheitsausschusssitzungen, Gefährdungsbeurteilungen und Seminare im Bereich der Arbeitssicherheit werden im vorgegebenen Rahmen durchgeführt und dokumentiert. Die Jahresberichte der Arbeitssicherheitsfachkraft zeigen, dass die Arbeitssicherheitsthemen auf einem hohen Niveau verfolgt und durchgeführt werden.

IV. Prognosebericht

In unserem Wirtschaftsplan 2025 rechnen wir gegenüber dem Jahr 2024 aufgrund der Reduzierung des Umlagesatzes und der Grundbeiträge mit niedrigeren Beitragserträgen in Höhe von T€ 10.756. Bei den Gebührenerträgen rechnen wir ebenfalls mit geringeren Einnahmen, während die Entgelte auf vergleichbarem Niveau prognostiziert werden.
Die Betriebsaufwendungen steigen laut unserem Wirtschaftsplan 2025 um ca. T€ 2.619 beziehungsweise 14,4 Prozent.
In der Summe aller Effekte rechnen wir in unserem Wirtschaftsplan 2025 bei verringertem Umlagesatz von 0,08 Prozent mit einem negativen Betriebsergebnis von T€ 6.119 und einem Jahresfehlbetrag von T€ 5.997. Dieser Jahresfehlbetrag soll planmäßig durch den geplanten Ergebnisvortrag von T€ 5.395 und der Entnahme aus Rücklagen von T€ 602 ausgeglichen werden.
Aktuell wird davon ausgegangen, dass die generierten Beitrags- und Gebührenerträge, ebenso wie die wesentlichen Aufwandspositionen im Planbereich liegen und das geplante Jahresergebnis erreicht wird.

V. Chancen und Risikobericht

Die Entwicklungen im Außenhandel beinhalten Chancen und Risiken gleichermaßen. Um den Unternehmen in den Zeiten unsicherer Entwicklungen im Außenhandel zur Seite zu stehen, wird der Geschäftsbereich International unsere Mitgliedsbetriebe verstärkt sensibilisieren für die Chancen der weiteren Internationalisierung. Bei der Beratung wird es eng aufeinander abgestimmte Einzel- und Gruppengespräche, Seminare, Workshops, Informationsveranstaltungen, in-house-Beratungen, Merkblätter, IHK-Website, Newsletter und Firmenbesuche geben.
Die wesentlichen Risiken der IHK zu Lübeck sind unverändert die bereits beschriebenen konjunkturellen Risiken, IT-Risiken, mögliche Gebührenausfälle aufgrund des demografisch bedingten Rückgangs von Auszubildenden sowie Risiken aus Haftungs- und Rechtsfragen. Die Vollversammlung der IHK zu Lübeck hat im Dezember 2023 diese Risiken zur Kenntnis genommen.
Als wesentliches finanzielles Einzelrisiko sind die hohen Energiekosten der Unternehmen, steigende Lohn- und Fertigungskosten sowie der weiterhin bestehende Mangel an Fachkräften zu nennen. Zusätzlich noch die Auswirkungen der Strafzölle der USA.
Die Informationstechnologie birgt als integraler Bestandteil der Arbeit in und außerhalb der IHK eine Reihe von Risiken. Eine der größten Bedrohungen sind Sicherheitslücken. Cyberkriminelle können Sicherheitsmaßnahmen umgehen und auf sensible Daten zugreifen, was zu Datenschutzverletzungen, Identitätsdiebstahl, Abfluss von Kundendaten und finanziellen Verlusten führen kann. Ein weiteres Risiko in der IT ist die Ausfallsicherheit. Systemausfälle können aufgrund von Hardwarefehlern, Softwareproblemen oder sogar menschlichem Versagen auftreten und zu Betriebsunterbrechungen, Produktivitätsverlusten und Reputationsschäden führen. Chancen sieht die IHK insbesondere in der zunehmenden Digitalisierung innerhalb der IHK und in den Mitgliedsunternehmen. Dabei liegt der Fokus darauf, dass – durch die mit der Digitalisierung verbundene Optimierung von Arbeits- und Geschäftsprozessen – ein Mehrwert für die Mitgliedsunternehmen geschaffen wird, um den aktuellen Anforderungen als Unternehmensorganisation und kundenorientierten Dienstleister gerecht zu werden.
Der Fachkräftemangel in technischen und digitalen Berufen wird immer gravierender und von unseren Mitgliedsunternehmen als ein großes Hemmnis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region gesehen. Es bedarf daher umfassender Anstrengungen, zukünftige Fachkräfte für die Themen zu begeistern.
In der IHK zu Lübeck existiert seit 2015 ein Risikomanagement als Standard-Steuerungsinstrument. Quartalsweise wird der Risikobericht in der Geschäftsbereichsleiter Sitzung sowie in den Gremien Finanzausschuss und Präsidium präsentiert. Seit 2016 wird zudem die Vollversammlung jährlich im Rahmen der Beschlussfassung zur Wirtschaftsplanung über die Risiken informiert, die durch die Ausgleichsrücklage abgesichert werden.
Durch die großen Unsicherheiten im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung könnten Unternehmen Aus- und Fortbildungen zurückfahren und es könnte das Risiko reduzierter Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen geben.

Nachtragsbericht

Es bestehen keine weiteren Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Bilanzstichtag, die einen wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben.
Lübeck, den 14. Mai 2025