IHK zu Lübeck

Lagebericht des Geschäftsjahrs 2019

I. Geschäfts- und Rahmenbedingungen

I.I Konjunkturelle Rahmenbedingungen im Kammerbezirk

Die Lage der regionalen Wirtschaft hat sich bis zur Jahresmitte wie auch in den Vorjahren sehr positiv entwickelt. Im dritten Quartal verschlechterte sich die Stimmung allerdings analog zu den Meldungen über sich eintrübende Konjunkturaussichten. Allerdings geht die Wirtschaft nach wie vor von einem weiteren, wenn auch verlangsamten Wachstum aus. Zum Jahresende gab es allerdings erste Anzeichen einer Entspannung.
Trotz gefüllter Auftragsbücher und anhaltender Einstellung von Personal blicken die Unternehmen mit größerer Sorge als zuvor in die Zukunft. Die Gründe liegen einerseits im Fachkräftemangel, der sich belastend auf die Abwicklung von Aufträgen auswirken kann, und in den Unsicherheiten in den Weltmärkten ausgelöst durch den möglichen Brexit, Handelskriege und Sanktionen gegen wichtige Handelspartner. Auch die Dieselkrise, die Debatten um den Klimaschutz und dessen Finanzierung sowie anhaltend hohe Energiepreise drücken die Stimmung.
Der Konjunkturklima-Index der IHK belegt diese Einschätzung. Im dritten Quartal 2019 erreichte der Index auf einer Skala von 0 bis 200 Punkten nur noch 97,3 Punkte. Ein Jahr zuvor waren es noch 120,6 Punkte, der Durchschnittswert liegt bei 116,8 Punkten. Vor allem Industrie- und exportorientierte Unternehmen blicken nicht mehr so optimistisch auf die kommenden Monate wie in den vorigen Quartalen. Positive Einschätzungen kommen vor allem aus dem Baugewerbe und der Logistik. Dem Konjunkturbericht zufolge rechnen zehn Prozent der Befragten mit einer positiven, 58 Prozent mit einer etwa gleichbleibenden und 32 Prozent mit einer ungünstigeren Geschäftsentwicklung.
Erfreulich bleibt die Entwicklung im Arbeitsmarkt. In den Kreisen unseres IHK-Bezirks bewegen sich die Arbeitslosenquoten weiterhin auf historischen Tiefstständen: Im Kreis Stormarn herrscht mit einer Quote von 3,0 Prozent weiterhin faktisch Vollbeschäftigung. Der Kreis Segeberg liegt bei 4,0 Prozent, und die Kreise Ostholstein und Herzogtum Lauenburg nähern sich der Vier-Prozent-Marke. Allein die Hansestadt Lübeck hat eine Erwerbslosenquote von mehr als fünf Prozent. Allerdings hat sich der Wert in den vergangenen Jahren deutlich nach unten bewegt.

I.II Inhaltliche Schwerpunkte der Kammerarbeit

Die IHK zu Lübeck hat ihre Mitgliedsunternehmen auch 2019 getreu dem neuen Leitbild-Claim „Innovativ – Herzlich – Kompetent“ unterstützt. Inhaltlich war die IHK im Jahr 2019 in den Bereichen Infrastruktur, Aus- und Weiterbildung, der Gewinnung von Fachkräften, der Beratung von Unternehmen besonders bei der Nachfolgeregelung, Energiefragen, Digitalisierung und Außenwirtschaft sowie im Tourismus besonders aktiv.
Nach der Wahl eines neuen Präsidiums hat die IHK die von der Vollversammlung angestoßene Initiative „Mein Unternehmen Zukunft“ fortgeschrieben. Schwerpunkt war die
Kampagne „Gestern – Heute“. Dafür präsentieren sich Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem HanseBelt und erzählen ihre persönliche Unternehmens-Story.
Zur Verbreitung der Kampagne sowie weiterer Inhalte der IHK-Arbeit hat die IHK im März einen Instagram-Kanal eröffnet. Zielgruppe sind vor allem Jugendliche und Auszubildende, die wir für eine duale Ausbildung begeistern wollen. In einem umfangreichen Netzwerk mit Unternehmen und Institutionen vermitteln wir diese Inhalte sehr erfolgreich. Auch andere Social-Media-Aktivitäten entwickeln sich dank eines optimierten Redaktionsplans positiv.
Nach wie vor ist das Thema Fachkräftemangel präsent. Den Unternehmen im Bezirk der IHK zu Lübeck ist bewusst, dass sie Fachkräfte durch die duale Ausbildung generieren. Entsprechend haben sie 2019 mehr Ausbildungsplätze angeboten und mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Die duale Berufsausbildung ist für die jungen Menschen nach wie vor ein sehr guter Einstieg in das Berufsleben. Dass der Bildungsweg damit nicht endet, hat die Meisterfeier im März 2019 gezeigt: Wir ehrten mehr als 250 Absolventinnen und Absolventen für ihren Meister- oder Fachwirt-Abschluss der
„Höheren Berufsbildung“ in den media docks in Lübeck.
Das im Arbeitskreis Qualität in der Ausbildung entwickelte Schulungskonzept für Ausbilderinnen und Ausbilder haben wir aufgrund des großen Interesses der Unternehmen fortgesetzt. Es ist nun fester Bestandteil des Serviceangebotes des Geschäftsbereichs Aus-und Weiterbildung. Mit sechs öffentlichkeitswirksamen Verleihungen des begehrten IHK-Ausbildungsawards hat die IHK zu Lübeck für die innovative und qualitativ hochwertige Ausbildung im HanseBelt geworben. Zur vierten Ausbildungsrallye in Lübeck hatten insgesamt 38 Unternehmen ihre Türen für rund 500 Schülerinnen und Schüler geöffnet und vor Ort gezeigt, wie gut die duale Ausbildung im Unternehmen funktioniert. Ähnliche Konzepte in den Kreisen Segeberg und Stormarn hat der Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung tatkräftig unterstützt und vorangetrieben.
Ein Schwerpunkt des Geschäftsbereichs war 2019 die Digitalisierung der Berufsausbildung. Wir haben das IHK-online-Ausbildungsportal der IHK zu Lübeck mit einem Kick-Off im April – in Anwesenheit von rund 260 Unternehmensvertretern – erfolgreich eingeführt. Ausbildungsverträge eintragen, Ausbilder- und Auszubildendendaten aktualisieren oder das Eintragen und Verwalten der Ausbildungsverträge ist nun online über das IHK-Ausbildungsportal möglich.
Erfolgreich zum Abschluss gebracht haben wir im November das Interreg-Projekt BOOST. Ziel der deutsch-dänischen Zusammenarbeit von „Greater Mobility across Femern Belt“ war es, den grenzüberschreitenden Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu beleben. Zahlreiche Auszubildende aus dem Bezirk der IHK zu Lübeck erhielten die Chance, den dänischen Arbeitsalltag kennenzulernen. Auch die teilnehmenden Unternehmen profitierten vom Austausch: Auslandspraktika sind eine herausragende Möglichkeit, die Ausbildung aufzuwerten, leistungsstarke Auszubildende zu gewinnen oder Auszubildende neu zu motivieren und sie in ihrer persönlichen Reife zu fördern.
Erneut zugelegt hat die Resonanz auf das Beratungs- und Veranstaltungsangebot des Geschäftsbereichs International für im Außenhandel aktive IHK-Mitglieder. In enger Abstimmung mit den Schwesterkammern in Schleswig-Holstein haben wir zwischenzeitlich ein Informationspaket geschnürt, das die unterschiedlichen Bedarfe unserer Mitglieder bei ihren Auslandsengagements wirkungsvoll unterstützt. Mit diesem Angebot unterstreichen wir unser Selbstverständnis als Übersetzer der zahlreichen und komplexer werdenden Vorgaben an die Abwicklung von Außenwirtschaftsgeschäften. Seien es Fortschreibungen bestehender Embargos, neue Freihandelsabkommen oder einzelstaatliche Sonderwege wie

beispielsweise die Abforderung von Ursprungszeugnissen der mit uns über eine Zollunion verbundenen Türkei – der Aufwand der Unternehmen für die regelkonforme Abwicklung des Auslandsgeschäfts steigt.
Mit einem komplett neu konzipierten IHK-Zertifikatslehrgang „Fachkraft Zoll und Exportabwicklung“ bieten wir nun auch denjenigen ein Angebot vor Ort an, die sich umfassend mit der betrieblichen Anwendung von anspruchsvollem Außenwirtschaftsrecht befassen müssen. Die Förderung unseres Angebots durch den von der Investitionsbank verwalteten Weiterbildungsfonds des Landes Schleswig-Holstein belohnt unsere Anstrengungen für die notwendige Qualifizierung unserer Mitglieder.
Zum Jahreswechsel haben wir unseren Mitgliedern eine neue Software für die Beantragung und Ausstellung von sogenannten elektronischen Ursprungszeugnissen zur Verfügung gestellt. Mit der neuen Web-basierten Lösung entfällt der Aufwand für ein Kartenlesegerät und für die Zugangskarte. Wir erwarten, dass wir damit unsere Mitglieder flächendeckend an diesen digitalen Service heranführen werden.
Die Ungewissheit in der Brexit-Frage und ihren nachhaltigen Präsenz in den Medien hat die Planungsgrundlagen unserer Mitglieder empfindlich gestört. Verbunden damit waren entsprechende Mehraufwendungen für die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Szenarien. Hier haben wir uns mit der Zusammenstellung belastbarer Informationen für die Unternehmen intensiv engagiert, ohne uns an den zahlreichen Untergangsdebatten zu beteiligen. Diese Haltung fand auch Akzeptanz in der Landesregierung: Der Wirtschaftsminister hat Werner Koopmann, Federführer International der IHK Schleswig-Holstein, zum Koordinator der Brexit-Task-Force Schleswig-Holstein ernannt.
Der Geschäftsbereich Existenzgründung und Unternehmensförderung hat sich auch 2019 auf die drängenden Themen Existenzgründung und Unternehmensnachfolge spezialisiert. Dafür hat sich der Bereich an neuen Formaten beteiligt oder diese weiterentwickelt. Beispiele sind ein bundesweiter Unternehmensnachfolge-Aktionstag am 18. Juni 2019 in Lübeck, Existenzgründungsseminare und -Sprechtage an der Technischen Hochschule Lübeck, in den Kreisen Segeberg, Stormarn, Ostholstein sowie Herzogtum Lauenburg und in der Hansestadt Lübeck.
In individuellen Gesprächen bei unseren Nachfolgesprechtagen konnten wir den Unternehmerinnen und Unternehmern individuelle Lösungen aufzeigen und ihnen Impulse für den weiteren Prozess geben. Die Synergieeffekte aus der Betreuung der Unternehmensnachfolgebörse „nexxt-change“ als Regionalpartner und der Beratung von Abgebern und Nachfolgeinteressenten führen zu einer stärkeren Vernetzung zwischen den Akteuren. Gleichzeitig haben wir in 2019 schwerpunktmäßig Multiplikatoren, wie die Firmenkundenbetreuer mehrerer Banken und Sparkassen für erste Schritte im Nachfolgeprozess ihrer Kunden sensibilisiert.
Aufgrund der sehr guten Resonanz in 2018 hat der Geschäftsbereich das Veranstaltungsformat fckup N8 in 2019 fortgeführt. Dieses soll Gründern Mut machen, dass auch ein Scheitern mit der ersten Idee zu einer erfolgreichen zweiten Idee führen kann. Über die Facebook-Seiten der IHK zu Lübeck und auch „Man Tau“ berichten wir live aus der Gründerszene in Schleswig-Holstein über Events, Stories und Know-how für Gründer und die, die es werden wollen. Weiterhin bieten wir im Verbund mit den Lübecker Partnern GründerCube, BioMedTec Wissenschaftscampus und dem Technikzentrum Lübeck eine neue Veranstaltung mit dem Titel: „GRÜNDEN MIT RECHT – was StartUps zum Thema Recht wissen müssen“ an.
Die erlaubnispflichtigen Gewerbe waren auch 2019 ein weiterer wichtiger Arbeitsschwerpunkt des Geschäftsbereiches Existenzgründung und Unternehmens-förderung. In Kooperation mit dem Immobilienverband Deutschland (IVD) informierte der Bereich auf dem Branchenforum

für Immobilienmakler und Wohnimmobilienverwalter unter anderem zu den besonderen Sorgfaltspflichten nach dem neuen Geldwäschegesetz. Und was sich die Generationen Y und Z schon heute von ihren Versicherungs- und Finanzanlagenberatern zum Thema digitale Dienstleistungsangebote und Künstliche Intelligenz wünschen, thematisierten wir gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e. V. (BVK) in einem regionalen Forum für Versicherungen und Finanzen.
Im Bereich Tourismuswirtschaft haben wir das persönliche Beratungsangebot weiter ausgebaut. Darüber hinaus ermöglicht es der Relaunch des Tourismusportals auf der IHK-Homepage unseren Mitgliedern, digitale Angebote abzurufen. Die neuen Online-Inhalte präsentieren unsere Mitarbeiter bei Betriebsbesuchen direkt den Unternehmerinnen und Unternehmern. Zudem trägt der direkte Kontakt zu den Betrieben dazu bei, touristische Medieninhalte und Statements aus der Tourismusbranche über die neue Social-Media-Strategie der IHK zu Lübeck öffentlichkeitswirksam zu verbreiten. So ist kürzlich das erste Social-Media-Unternehmerportrait online gegangen, weitere sind bereits in Planung.
Veranstaltungsformate, wie zum Beispiel „Modernisierung und Förderung“ oder das
„Designkontor“ erfreuen sich weiterhin einer erhöhten Nachfrage aus der Tourismusbranche. Daher wird es im Oktober und November 2020 gleich vier Designkontor-Veranstaltungen geben, die bereits ausgebucht sind. Zudem baut das Tourismusreferat den Vertrieb dieser Beratungsprodukte weiter aus, indem die Mitarbeiter direkt bei den Tourismusorganisationen vor Ort vortragen, zum Beispiel in Mitgliederversammlungen der einzelnen Regionen.
Ein weiterer Fokus liegt auf dem internationalen Gast. In aktuellen Projekten arbeitet die IHK zu Lübeck intensiv daran, touristische Mitgliedsbetriebe fit zu machen für Besucher aus dem Ausland. Das „Regionalmanagement im Hansebelt“ definiert darüber hinaus punktgenau passende ausländische Zielgruppen, die für Tourismusbetriebe und -verbände sowie Kommunen von großem Interesse sind.
Einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit setzte der Geschäftsbereich Region in einer Verstärkung der IHK-Präsenz vor allem in den Hamburger Randkreisen Herzogtum Lauenburg, Segeberg und Stormarn. Mit mehr Nähe zu den Kunden, effizientem Service und Dienstleistungen im Bereich Existenzgründungs-, Finanzierungs- und Unternehmensnachfolgeberatung unterstützte die IHK ihre Mitglieder in den wirtschaftlich starken Städten und Gemeinden. Dazu gehört auch ein umfangreicheres Veranstaltungsangebot im Süden des IHK-Bezirkes, um den Kunden kurze Wege zu ermöglichen.
Zum zweiten Mal hat die IHK zu Lübeck federführend für die IHK Schleswig-Holstein den Kongress „Frauen in Führung im Norden“ ausgerichtet. Unter dem Motto „Meine Arbeitswelten“ informierten sich die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Themen wie „Führen in digitalen Zeiten“, „Diversität“ und „New Work“.
Mit dem Kongress setzte die IHK zu Lübeck ihre 2013 unter dem Titel „Frauen in Führung“ gestartete Initiative für Unternehmerinnen, Existenzgründerinnen und Frauen in Führung durch Information, Beratung und Netzwerke konsequent fort. Die Chancengerechtigkeit von Frauen im Beruf, die Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen und -gremien sowie die Unterstützung von Frauen als Unternehmerinnen ist der IHK zu Lübeck ein wichtiges – sowohl wirtschafts- als auch gesellschaftspolitisches – Anliegen.
Erstmals hat die Landesarbeitsgemeinschaft unter Federführung der IHK zu Lübeck in 2019 auch eine Statistik zum weiblichen Unternehmertum in Schleswig-Holstein herausgegeben. Die Auswertung der Daten von rund 180.000 Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammern Flensburg, Kiel und Lübeck hat ergeben, dass die Anzahl von Frauen in Führung in der schleswig-holsteinischen Wirtschaft zwar steigt, die Unternehmen jedoch noch nicht alle Möglichkeiten ausschöpfen, die dieses Fachkräftepotenzial bietet.
Ein wichtiger Schwerpunkt der IHK-Arbeit ist und bleibt das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Den hohen Informationsbedarf zu diesem Technologiefeld nahm die IHK zu Lübeck bereits im Herbst 2017 zum Anlass, den Arbeitskreis KI zu initiieren. KI ist ein Querschnittsthema, bei dem Akteure aus unterschiedlichen Branchen häufig vor ähnlichen Herausforderungen und noch offenen Fragen stehen.
Der Arbeitskreis Künstliche Intelligenz (AKKI) der IHK zu Lübeck vermittelt KI-Wissen, bietet eine Plattform zum Austausch über Anwendungen in der Region, bahnt Kontakte zwischen Wissenschaft und Wirtschaft an und bringt sich in die öffentliche Diskussion über Chancen und Grenzen der Zukunftstechnologie ein. Mit drei Arbeitskreissitzungen in 2019 und einer öffentlichen Veranstaltung des Arbeitskreises zu der Frage „KI-Strategien für Schleswig-Holstein – Was braucht die Wirtschaft?“ haben wir den Diskurs fortgesetzt und das Thema in die Breite der Wirtschaft getragen.
Darüber hinaus hat der Geschäftsbereich Innovation und Umwelt unter Einbindung der IHK-Gremien an einem Positionspapier der IHK Schleswig-Holstein mitgewirkt und unter dem Motto „Think big, act fast!“ die Anforderungen der schleswig-holsteinischen Wirtschaft für eine effektive KI-Nutzung formuliert. Auf dieser Basis wird die IHK die KI-Politik des Landes konstruktiv und kritisch begleiten und sich dafür einsetzen, dass die regionale Wirtschaft von den Entwicklungen in den Bereichen KI und Maschinelles Lernen profitieren kann.
Im Mittelpunkt unserer Aktivitäten standen stets die vom IHK-Dialogforum „Ethik in der Digitalisierung“ herausgearbeiteten Thesen. Der Expertenrat aus Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche und Gewerkschaften hatte sich 2018 und 2019 eingehend mit dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns beschäftigt und daraus Empfehlungen abgeleitet. Einige der Leitsätze lauten: „Ehrbare Kaufleute sind chancenorientierte Gestalter“, „Digitalisierung verändert auch die Führungsaufgabe“ oder „Digitalisierung ist nicht allein technologischer Wandel, sondern auch ein gesellschaftlicher Veränderungsprozess“.
Ab Mai 2020 gilt in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die EU-Medizinprodukte-Verordnung (Medical Device Regulation, MDR). Die MDR ersetzt die bisherigen Richtlinien und sieht vor allem erhöhte Anforderungen an das Inverkehrbringen und die Überwachung von Medizinprodukten in der EU vor. Problematisch für Medizinproduktehersteller ist dabei, dass die Rezertifizierung von Bestandsprodukten nur schleppend vorankommt, weil bislang zu wenig Benannte Stellen nach neuem Recht notifiziert sind. Die zusätzlichen Anforderungen der MDR stellen damit nicht nur ein Hemmnis für die künftige Entwicklung der Medizintechnik-Branche dar, sondern können auch zu Engpässen in der Patientenversorgung führen.
Die IHK zu Lübeck begleitet dieses Thema seit langem und bringt sich aktiv in die Interessenvertretung der Wirtschaft ein. In der Lübeck Summer Academy on Medical Technology informiert die IHK zu Lübeck jährlich über den Umsetzungsprozess der EU-Medizinprodukteverordnung und unterstützt damit die betroffenen Betriebe im Umgang mit den neuen Rechtsvorschriften.
Auch 2019 die IHK erreichte zu Lübeck mit diesem Kongress rund 240 Vertreter aus der Gesundheitsindustrie. Bereits seit 2012 unterstützt die IHK den Arbeitskreis Regulatory Affairs im Cluster Life Science Nord, in dem die Teilnehmer unterschiedliche Herausforderungen des neuen regulatorischen Rahmens in vier Treffen pro Jahr im Detail

diskutieren. 2019 setzte die IHK zu Lübeck dieses Engagement fort. Auf EU-Ebene vertrat die IHK die Interessen der Branche während einer dreimonatigen Stage im Büro der IHK Nord in Brüssel und brachte in Hintergrundgesprächen mit Abgeordneten, Ausschussmitgliedern und Verbandsvertretern wesentliche Forderungen der norddeutschen Gesundheitswirtschaft in den politischen Entscheidungsprozess ein.
Erfolgreich fortgesetzt haben wir das Format Lübecker Salon – ein exklusives Angebot für den persönlichen Austausch von Unternehmern und Vertretern der Hochschulen. Die beiden von der Universität zu Lübeck, der Technischen Hochschule Lübeck sowie der IHK gemeinsam organisierten Veranstaltungen zu den Themen „Ehrenamt und Gesellschaft“ im März 2019 und „KI – Frust oder Freiheit“ im September 2019 stießen auf eine hohe Resonanz und bescherten uns ein positives Feedback aller Beteiligten und Gäste.
Auch unser „Abend der Industrie“ hat sich getreu dem Motto „Vernetzung fördern – Impulse liefern – Veränderungen anstoßen“ als ein wichtiges Dialog- und Austauschformat der regionalen Industrieakteure etabliert. Wir werden dieses Format 2020 fortführen. Der auf Anregung des Ausschusses für Industrie und Technologie ins Leben gerufene LEAN-Erfahrungsaustausch stellt den Erfahrungs- und Wissensaustausch in den Fokus. Betriebliche Prozesse „lean“ zu gestalten, legt die Basis für eine Automatisierung und Digitalisierung der Produktion in der Industrie. Der LEAN-Erfahrungsaustausch sieht sich dabei als Brückenbauer, indem er Experten, Anwender und Interessierte zusammenbringt.
Die Hochschulen sind vor allen in den technischen Bereichen wichtige Impulsgeber für die regionale Wirtschaft. In vielfältigen gemeinsamen Formaten setzt sich der Geschäftsbereich Innovation und Umwelt für die Verbesserung des Technologietransfers von Wissenschaft in die regionalen Unternehmen ein. 2019 starteten wir eine intensive Zusammenarbeit mit dem Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Kiel (M4KK) zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung von Produktion und Logistik. Dabei kooperierten wir vor allem mit den Akteuren aus der Universität zu Lübeck und der Technischen Hochschule Lübeck. In 2020 wird sich die IHK stärker in die unternehmerischen Bedarfe einbringen, um die Formate noch besser mit den Anforderungen der Unternehmen zu verknüpfen. Darüber hinaus werden wir auch die Arbeit im bereits 2017 gegründeten Netzwerk Produzieren für Morgen weiterführen.
Sehr gute Erfahrungen aus den Netzwerken Produzieren für Morgen und dem Energieeffizienz-Netzwerk bilden die Basis für neue Netzwerke. Die IHK zu Lübeck hat sich 2019 aktiv in das 3D-Druck-Netzwerk in der Metropolregion Hamburg eingebracht und gemeinsam mit regionalen Playern eine eigene Regionalgruppe gegründet. Damit wollen wir die Sichtbarkeit der Metropolregion Hamburg als 3D-Druck- und Technologiestandort erhöhen und die Know-how-Träger aus der Region hervorheben.
Kaum noch ein produzierendes Unternehmen in der Region kommt ohne ein zertifiziertes Qualitätsmanagement-System aus. Ein 2019 in Kooperation mit DGQ und VDI Bezirksverein Lübeck gestartetes Unternehmensnetzwerk zum Qualitätsmanagement schafft nun eine Plattform zur branchenübergreifenden Vernetzung und zum Austausch der internen Auditoren untereinander. Die Veranstaltungen des „AK Organisation und QM“ erfreuen sich eines großen Zuspruchs. Daher erfolgt die Organisation des Netzwerkes und der Steuerungsgruppe nun auch komplett digital. Sie ist damit ein gutes Beispiel für die Digitalisierung der IHK-Organisation.

Mit der aktuellen Klimaschutzdebatte und weiter steigenden Preisen ist Energieeffizienz als aktiver Beitrag zum Klimaschutz nach wie vor ein wichtiges Thema für alle Unternehmen, besonders aber für das produzierende Gewerbe. Die IHK zu Lübeck unterstützt ihre Mitglieder mit verschiedenen Formaten. Dazu gehören das Energiecoaching und die Energiescouts. Auch unser IHK-Energieeffizienznetzwerk erfreut sich hohen Zuspruchs der Netzwerkunternehmen. 2019 durchlief es erneut die Auditphase. Aufgrund mehrfacher Anfragen seitens der Unternehmen starten wir 2020 einen Arbeitskreis für Unternehmen mit Energiemanagementsystem gemäß DIN ISO 50.001.
Im Mittelpunkt der Interessenvertretung für die Wirtschaft im HanseBelt standen bei der IHK zu Lübeck auch 2019 Aspekte der Landes- und Regionalplanung sowie der aktive Einsatz für die zügige Realisierung erforderlicher Infrastrukturprojekte im Mittelpunkt.
Nach der Erstellung der Landesentwicklungsstrategie hat das Land Schleswig-Holstein mit der Neuaufstellung des Landesentwicklungsplans sowie der Regionalpläne begonnen. Die IHK Schleswig-Holstein hat im Zuge der frühzeitigen Beteiligung die Positionen der Wirtschaft in den Planungsprozess eingebracht. Schwerpunkte der Stellungnahme waren unter anderem die geplante Experimentierklausel, mit der das Land bestimmte Vorhaben außerhalb der vorgegebenen Ziele und Grundsätze versuchsweise realisiere will, sowie das geplante Flächenspar-Ziel.
Am 23. September 2019 präsentierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Ergebnisse ihres territorial Review die Metropolregion Hamburg (MRH) der Öffentlichkeit. Für das Gutachten hatte die OECD die Stärken und Schwächen sowie die Potenziale der Kooperation, an der die IHK zu Lübeck gemeinsam mit weiteren Trägern aus der Wirtschaft beteiligt ist, untersucht. Im Ergebnis hat sich gezeigt, dass andere deutsche Metropolregionen die MRH trotz ihrer Potenziale zunehmend überholt. Als eine der wesentlichen Ursachen identifizierte von der OECD die heterogene Struktur aus urbanen und ländlichen Räumen sowie die Verteilung der MRH auf vier Bundesländer. Außerdem listet sie den Fachkräftemangel, die vergleichsweise geringen Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die fragmentierten Raumplanungsstrukturen auf.
Ein Schwerpunkt im Bereich der Infrastrukturprojekte ist weiterhin die Fehmarnbelt-Querung zwischen Deutschland und Dänemark einschließlich der Straßen- und Schienenanbindungen. Bei einem erneuten Besuch in der IHK betonte der EU-Koordinator für den ScanMed-Korridor, Pat Cox, die europäische Bedeutung des Tunnels.
Ebenfalls zu den wichtigen Infrastrukturprojekten gehören die Elektrifizierung der Bahnstrecke Lübeck–Bad Kleinen und der Ausbau der S-Bahnlinie S4 zwischen Hamburg und Bad Oldesloe, der Weiterbau der A 20 einschließlich Elbquerung, der Ausbau der B 404 zur A 21, ebenfalls mit neuer Elbquerung (bei Geesthacht), und der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals.
Eng verbunden mit der erfolgreichen Realisierung von Infrastrukturprojekten ist das Planungsrecht. Die regionale Wirtschaft empfindet die Planungsdauer bei anstehenden Ausbauten (z.B. A20) als unvertretbar lang. Aus diesem Grund hat die IHK zu Lübeck eine Delegationsreise der schleswig-holsteinischen Wirtschaft nach Berlin organisiert. In Gesprächen mit Vertretern aus Bundesregierung und Bundestag bestärkten die Mitglieder der Vollversammlungen der drei schleswig-holsteinischen IHKs erneut die zuvor bereits von IHK-Nord und DIHK vorgetragenen Forderungen nach Vereinfachung des Planungsrechts. Einigkeit bestand darin, dass Deutschland zügigere Realisierungszeiträume benötigt, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes mittelfristig zu gewährleisten beziehungsweise nicht zu gefährden.
Ein entscheidender Wirtschaftsfaktor im HanseBelt ist die maritime Wirtschaft. Daher hat sich die IHK aktiv in die Aufstellung des Hafenentwicklungsplans (HEP 2030) der Hansestadt Lübeck eingebracht. Von der Entwicklung des Hafens sind in der Region nach wie vor weit mehr als 10.000 Arbeitsplätze direkt und indirekt abhängig, wie eine im Auftrag der IHK erstellte Studie ergab.
Mit dem Beteiligungsprozess LÜBECK.überMORGEN hat sich die Hansestadt Lübeck auf den Weg gemacht, einen strategischen Rahmenplan für die Stadtentwicklung zu erarbeiten. Der Wirtschaftsbeirat Lübeck der IHK war von Beginn an in das Verfahren involviert und hat sich konstruktiv in die Diskussion eingebracht, besonders bei der städtebaulichen Entwicklung Lübeck Nordwest. Ein erstmals erprobtes Format der Politikberatung durch die IHK traf auf positive Resonanz: Vertreter von Kommunalpolitik und Verwaltung erhielten die Möglichkeit, sich im Zuge eine Bustour einen direkten Einblick in die Unternehmen des Planungsgebietes zu verschaffen und vor Ort den Dialog mit Unternehmensvertretern zu führen.
Das Thema PACT ist erneut in verschiedenen Städten im IHK-Bezirk in den Blickwinkel geraten. Mit einem PACT (Partnerschaft zur Attraktivierung von City-, Dienstleistungs- und Tourismusbereichen) lassen sich Rahmenbedingungen zum Beispiel im öffentlichen Straßenraum, die Aufenthaltsqualität oder das Marketing verbessern. In der Hansestadt Lübeck stand das Thema beim neuen Format „Immobiliengipfel – Zukunftsfähige Innenstadt“ auf der Tagesordnung, das wir gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung, der Kaufmannschaft zu Lübeck und dem Lübeck Management auf die Tagesordnung gesetzt hatten.
Das Fehmarnbelt Business Council (FBBC) als trinationale Kooperation deutscher, dänischer und schwedischer Wirtschaftsorganisationen beauftragte Prof. Björn Jacobsen von der Fachhochschule Stralsund mit der Entwicklung, Analyse und Zusammenfassung eines Fehmarnbelt-Index. Dieser soll mehr aussagekräftige statistische Daten für die Fehmarnbelt-Region liefern. Die Idee des Fehmarnbelt-Index basiert auf dem Öresund-Index und setzt sich aus fünf Teilindices zusammen. Den ersten Index zum Thema Wissenschaft, Technologie und Innovation haben wir im Juli veröffentlicht.
Die Unternehmerinitative HanseBelt e.V. hat im Jahr 2019 erfolgreiche Veranstaltungen zum Thema Arbeitgebermarke und Unternehmenskultur ausgerichtet und dabei mehr Unternehmer und Mitarbeiter von Mitgliedsunternehmen erreicht. Aktuell wirbt der HanseBelt mit dem Claim „Happy Region“. Dafür hat die Initiative erfolgreiche Marketinginstrumente wie die Happy Region-Tour eingeführt. Diese ist in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Piste Lübeck“ entstanden und findet großen Anklang bei den Unternehmen. Diese und ihre Jobangebote stehen im Mittelpunkt einer unterhaltenden Präsentation. Vor allem junge Fachkräfte fühlen sich davon angesprochen. Zudem startete die Initiative die Kampagne „Bleib Glücklich“ zur Fachkräftegewinnung als Pilotprojekt mit vier Hotels in der Region. Ziel ist es, Touristen als zukünftige Fach- und Führungskräfte für den HanseBelt zu gewinnen.
Gemeinsam mit den dänischen Partnern von Femern Belt Development ist die Kampagne
„Auf zu neuen Horizonten“ entstanden. Diese soll für den HanseBelt und seine Attraktivität zum Leben und Arbeiten begeistern sowie auf die Chancen hinweisen, die er hat, wenn er mit Skandinavien zu einer Zukunftsregion zusammenwächst.
Die Zusammenarbeit mit den dänischen Nachbarn hat sich durch den Belt-Cup im Jahr 2018 in Deutschland und im Jahr 2019 in Dänemark weiter intensiviert. Im Jahr 2020 kommt das deutsch-dänische Fußballturnier mit dem begleitenden Belt-Fest wieder nach Lübeck.
Im März 2019 hat sich der HanseBelt e.V. einer Zertifizierung „Benchmarking of Cluster Management Organisations“ unterzogen und das Bronze-Label erhalten. Dieses bescheinigt ein nachweislich gut organisiertes und erfolgreich funktionierendes Wirtschaftsnetzwerk.

II. Vermögens-/Finanz-/Ertragsentwicklung und -lage

Vermögenslage

Das Vermögen der IHK zu Lübeck setzt sich aus 14.432 T€ (Vj. 14.139 T€) langfristigem Anlagevermögen, 9.976 T€ (Vj 10.845 T€) kurzfristigem Umlaufvermögen, sowie 270 T€ (Vj. 89 T€) aktiven Rechnungsabgrenzungsposten zusammen. Die Bilanz weist zum 31. Dezember 2019 ein Volumen von 24.677 T€ auf und liegt damit um 396 T€ unter dem Vorjahreswert.
Im Jahr 2019 hat sich im Vergleich zum Vorjahr eine Verlagerung zwischen Umlauf- zum Anlagevermögen ergeben. Dies ist überwiegend bedingt durch die Investitionen in das Sachanlagevermögen. Die hierfür erforderlichen liquiden Mittel entstammten dem Umlaufvermögen, wodurch sich die Verschiebung der Bilanzpositionen erklärt.
Das in der Anlagerichtlinie vorrangige Ziel der Kapitalerhaltung unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Ethik konnte im Geschäftsjahr 2019 aufgrund der Entwicklung an den Kapitalmärkten erfüllt werden. Die Wertentwicklung belief sich im Jahr 2019 auf +9,16 %, (Bethmann Bank), bzw. +6,03 % (DZ Privatbank). Der Bestand an Wertpapieren beträgt zum 31.12.2019 7.240 T€.
Das Eigenkapital der IHK zu Lübeck hat sich auf 11.324 T€ im Jahr 2019 verringert. Im Vergleich zum Jahr 2018 verringerte sich aufgrund des negativen Jahresergebnisses im Jahr 2019 das Eigenkapital der IHK zu Lübeck um 1.134 T€.

Finanzlage

Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit ist ein Maßstab für die Innenfinanzierungskraft der IHK.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit umfasst das um die Veränderungen der Rücklagen, Rückstellungen, der Abschreibungen und Zuschreibungen zum Anlagevermögen, der sonstigen Aktiva und Passiva sowie der Zuführungen oder Auflösungen von aktiven und passiven Rechnungsabgrenzungsposten bereinigte Jahresergebnis vor außerordentlichen Aufwendungen.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr -402 T€ und liegt damit unter dem Vorjahreswert (113 T€). Verantwortlich hierfür ist im Wesentlichen die Veränderung in den Abschreibungen, Rückstellungen und Forderungen. Der Cash Flow aus der Investitionstätigkeit beträgt -585 T€ (Vorjahr; -3.152 T€).
Ein Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit ist im Berichtsjahr nicht angefallen.
Die Zahlungsfähigkeit der IHK war während des Geschäftsjahres 2019 sowie bis zum Zeitpunkt der Erstellung des Jahresabschlusses jederzeit gewährleistet.
Im Rahmen des bestehenden Finanzmanagements wird auf ausreichende Sicherheit, angemessenen Ertrag sowie auf die Verfügbarkeit der Mittel geachtet. Die nicht zur laufenden Liquiditätssicherung benötigten Mittel werden einerseits durch externe Vermögensverwaltungen in Wertpapieren sowie durch internes Management in Tages- bzw. Festgeldern angelegt.
Bei der Erstellung der Bilanz wurden alle erkennbaren Risiken aus nicht kalkulierbaren Beitragsschwankungen, die aus der konjunkturellen Entwicklung im IHK-Bezirk oder aus dem Abrechnungsverfahren selbst resultieren können, und sonstigen Verpflichtungen berücksichtigt. Aus den bestehenden Verpflichtungen sind derzeit keine wesentlichen Auswirkungen auf die zukünftige Vermögenslage ersichtlich. Den satzungsmäßigen und zweckgebundenen Rücklagen und Rückstellungen steht eine solide finanzielle Deckung durch das Vermögen auf der Aktivseite gegenüber. Der Sicherung der Liquidität und der Verfügbarkeit der Finanzmittel gilt weiterhin oberste Priorität vor Renditezielen. Somit sind die Voraussetzungen für eine sachgerechte Aufgabenerfüllung und die Handlungsfähigkeit der IHK zu Lübeck auch zukünftig gewährleistet.

Ertragslage

Im Geschäftsjahr 2019 wurde das geplante Jahresergebnis von -1.771 T€ deutlich überschritten. Es wurde ein Jahresergebnis von -1.134 T€ erzielt.
Wesentliche Ursache sind die gegenüber der Planung um 220 T€ erhöhten Beitragseinnahmen, die um 133 T€ gestiegenen Einnahmen aus sonstigen betrieblichen Erträge, sowie Einsparungen im Bereich der sonstigen betrieblichen Aufwendungen.
Die Erträge aus Beiträgen in Höhe von 10.896 T€ lagen mit 220 T€ über dem Planansatz und T€ 240 unter dem Vorjahreswert. Dies insbesondere aufgrund der im Rahmen der laufenden Veranlagung höheren Anzahl zum Grundbeitrag veranlagten Firmen sowie einer gestiegenen Bemessungsgrundlage.

Die Erträge aus Gebühren betragen im aktuellen Geschäftsjahr 2.151 T€. Sie liegen damit unter der Planung (2.308 T€).
Die Materialaufwendungen in Höhe von 1.085 T€ korrespondieren mit entsprechenden Erträgen bei den Gebühren.
Der erhöhte Personalaufwand für Gehälter in Höhe von 6.002 T€ (Vorjahr: 5.771 T€) resultiert aus zusätzlichen geförderten Stellen und der tariflichen Anpassung. Insgesamt wird der Wert des Jahres 2019 damit um 231 T€ überschritten. Der Planwert des Jahres 2019 in Höhe von 5.976 T€ ist leicht überschritten worden.
Die Abschreibungen liegen im Jahr 2019 mit 295 T€ rund 5 T€ unter dem Vorjahresniveau.
Minderaufwendungen sind vor allem bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen (T€ 522) entstanden.
Das Finanzergebnis (- 609 T€) fällt im Jahr 2019 um 8 T€ schlechter aus als geplant. Es wird im Wesentlichen durch die Aufzinsung der Rückstellungen T€ 740 geprägt.
Insgesamt beurteilt die Geschäftsführung die Ertragslage als positiv. Die Präses und der Hauptgeschäftsführer werden der Vollversammlung in der Sitzung im Dezember 2020 vorschlagen, das Ergebnis des Jahres 2019 in Höhe von 633 T€ auf neue Rechnung vorzutragen.

III. Personalbericht

Personalstruktur

Zusätzliche Positionen entstanden im Service-Bereich, durch die Doppelbesetzung im Bereich AWB sowie Teilqualifizierung. Die Wesentlichen Mitarbeiterdaten sind in der Personalübersicht im Anhang, Anlage 1.6, dargestellt.

Teilzeitquote und Frauenanteil

Der Anteil der Beschäftigten, die in Teilzeit arbeiten, lag bei 29 Frauen und 5 Männern (Stand 31.12.2019). Das sind 32,8 % der Beschäftigten. Der Frauenanteil der Beschäftigten lag bei 61,6 %. Die Frauenquote auf der Geschäftsbereichsleiterebene hat sich auf 14 % verringert (Wegfall Doppelspitze ZDI), auf Referentenebene mit 10 % unterrepräsentiert.

Ausbildung und Übernahme

2019 wurden 8 Kaufleute für Büromanagement sowie 1 Fachinformatiker für Systemintegration ausgebildet, eine Einstiegsqualifizierung wurde vorzeitig abgebrochen. Drei Auszubildende beendeten in 2019 ihre Ausbildung. Davon konnte eine Auszubildende in ein unbefristetes sowie eine weitere Auszubildende in ein befristetes Arbeitsverhältnis übernommen werden. Darüber hinaus wurde einer weiteren Auszubildenden aufgrund ihrer guten Leistungen eine halbjährliche Weiterbeschäftigung angeboten. Die Übernahme für ein halbes Jahr erfolgt immer dann, wenn keine freie Position, aber zusätzliche befristete Einsatzmöglichkeiten bestehen und der Notendurchschnitt der Ausbildung bei mindestens 2,5 lag.

Einarbeitung und Qualifizierung

Die Einarbeitung der Beschäftigten erfolgt in der Regel nach einem individuell vorbereiteten Einarbeitungsplan der Geschäftsbereiche, welche durch Inhouse-Kommunikationsseminare und Einführungsseminare der IHK-Organisation flankiert werden.
Zur Einarbeitung existieren Checklisten für alle Bereiche, die in die Einarbeitung eingebunden sind, um ein strategisches Vorgehen zu gewährleisten. Während der Einarbeitungszeit stehen Pate, direkte Kollegen und Vorgesetzte als Ansprechpartner zur Verfügung, um fachliche, formelle und informelle Angelegenheiten zu klären.
Fachliche und persönliche Weiterbildungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten werden zumeist zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten besprochen. Dafür werden hauptsächlich die Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten der nahestehenden Organisationen wie der DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung, der Bildungs-Service gGmbH der Handelskammer Hamburg oder der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein genutzt.
Seminare für Mitarbeitergruppen werden in der Regel als Inhouse-Seminare in Absprache mit dem Personalbereich organisiert.

Vereinbarkeit Beruf und Familie

In der IHK existiert eine Vielzahl an Teilzeitmodellen. Diese entstanden aufgrund der individuellen Bedürfnisse nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die Mitgliedschaft in Beruf und Familie im HanseBelt gGmbH gewährleistet die Betreuung der Kinder in Notfallsituationen. Das Dienstleistungsangebot des Instituts für betriebliche Gesundheitsförderung wird mit einem Beratungsaufkommen von durchschnittlich drei Beratungen monatlich genutzt, um Unterstützung in kritischen Alltags- und Berufsangelegenheiten zu erhalten.

Vergütung

Das Vergütungssystem besteht aus 15 Gehaltsgraden und sechs Funktionsgruppen. Die Zuordnung der einzelnen Positionen in den Gehaltsgraden und Funktionsgruppen geschieht auf Basis eines Bewertungskatalogs, welche sowohl Fach- und Geschäftskenntnisse berücksichtigt, aber auch die Ausprägung des Einflussbereiches auf die Organisation oder der Umfang der notwendigen Kommunikationsfähigkeiten.
Die Jahresgrundvergütung enthält einen leistungsbezogenen Vergütungsbestandteil in Höhe eines Monatsgehaltes. Dieser basiert auf der Erfüllung der strategischen Ziele, welche Haupt- und Ehrenamt jährlich für das gesamte Haus aufstellen.

Arbeitssicherheit

Arbeitssicherheitsausschusssitzungen, Gefährdungsbeurteilungen und Seminare im Bereich der Arbeitssicherheit werden im vorgegebenen Rahmen durchgeführt und dokumentiert. Die Jahresberichte der Arbeitssicherheitsfachkraft zeigen, dass die Arbeitssicherheitsthemen auf einem hohen Niveau verfolgt und durchgeführt werden.

IV. Prognosebericht

Die kommenden Jahre 2020 – bis 2023 sind mit erheblichen Unsicherheiten belastet. Während die wirtschaftliche Gesamtleistung der Region nach wie vor von der Bewältigung des Fachkräftemangels, von einem erfolgreichen Ausbau der Infrastruktur (Straße, Schiene, Breitband), der Digitalisierung, dem technologischen Wandel (E-Mobilität), aber auch von der Flächenknappheit (Wohnbau und Gewerbe) und der überbordenden regulatorischen Belastung aller wirtschaftlichen Prozesse als bestimmenden, aber auch limitierenden Faktoren charakterisiert wird, überschattet die Corona-Pandemie jedwede Prognose.
Wenngleich die Wirtschaft der Region mit einer breiten Streuung der Zielländer im Export und einer hohen Diversität der regionalen gewerblichen Aktivität eine hohe Resilienz gegenüber internationalen Verwerfungen aufweisen kann, fällt es zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer, den weiteren Verlauf der „Corona-Krise“ zu bewerten. Das aktuelle „Wiederhochfahren“ der Unternehmen im Zuge der sukzessiven Lockerung Corona-bedingter Restriktionen der Mobilität erweist sich als mühsamer Prozess.
Der stationäre Einzelhandel – durch das Onlinegeschäft ohnehin unter Druck – fürchtet nicht ohne Grund eine anhaltende Verhaltensänderung in der Konsumnachfrage als Folge der Mobilitätsbeschränkungen der vergangenen Monate, Gastronomie und Hotellerie sowie die gesamte Freizeitwirtschaft leiden unter der nachfrageschädlichen Implementierung umfangreicher Hygienekonzepte. Ob das wirtschaftliche Gesamtgeschehen vor diesem Hintergrund einen V-, U- oder L-förmigen Verlauf nehmen wird, lässt sich derzeit nicht mit der erforderlichen Sicherheit sagen. Staatliche Hilfsprogramme belasten einerseits die öffentlichen Haushalte auf lange Sicht und können doch andererseits die sich zu horrenden Beträgen aufsummierenden Umsatzausfälle der Unternehmen nicht ansatzweise kompensieren.
Für die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck folgt daraus, dass sie in den kommenden Jahren mit erheblichen Beitragsausfällen und -rückerstattungen rechnen muss. Betroffen sein wird in erster Linie die Einnahmekategorie der Umlage, die ihrerseits unmittelbar mit dem Gewerbesteueraufkommen korreliert. Wie sich die Einnahmen aus dem Weiterbildungsangebot entwickeln werden und ob der Bereich Ausbildung auch wirtschaftliche Einbußen aus einer nachlassenden Ausbildungsleistung der Region wird hinnehmen müssen, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen, aber keineswegs ausgeschlossen.
Die IHK zu Lübeck wird darauf ggf. mit einem Set aus Maßnahmen reagieren müssen, das von Personalabbau und Leistungsverdichtung über die Aufgabe nichthoheitlicher, optionaler Aufgaben und Dienstleistungen und Einsparungen beim Sachaufwand bis zur Generierung neuer oder zusätzlicher Einnahmen reicht. Demgegenüber steht der Anspruch, gerade in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs die Mitgliedsunternehmen verstärkt zu unterstützen und vermehrt auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen einzuwirken, die für ein Wiedererstarken der regionalen Wirtschaft maßgeblich sind. Welcher Weg dabei im Einzelnen

beschritten wird, wird in intensiver Diskussion von Haupt- und Ehrenamt zu ermitteln und umzusetzen sein.
Dabei wird sich als hilfreich erweisen, dass die IHK zu Lübeck auch in 2019 von einer hohen Akzeptanz ihrer Arbeit in der öffentlichen Wahrnehmung und einer regen Nachfrage ihrer Expertise profitieren konnte. Es ist zu erwarten, dass diese positive Außenwahrnehmung nicht nur anhält, sondern weiter zunimmt. Das Engagement der IHK in der Corona-Krise wurde von weiten Teilen der Mitglieder, aber auch von Medien und einer breiteren Öffentlichkeit positiv wahrgenommen und in einer Vielzahl von Reaktionen anerkennend gewürdigt.
Die sich derzeit abzeichnenden Einschränkungen und wirtschaftlichen Folgen für unsere Mitgliederunternehmen auf Grund der Corona Pandemie wird das Jahresergebnis bei den Beiträgen durch erwartete Zahlungsausfälle belasten. Erkennbaren Ertragsausfällen im Bereich der Weiterbildung und auch in der Berufsausbildung gehen einher mit entfallenden Aufwendungen, so dass diesbezüglich von einer insgesamt zusätzlichen negativen Ergebnisauswirkung auszugehen ist. Die Höhe der Ergebnisauswirkungen wird insbesondere vom zeitlichen Umfang der notwendigen Einschränkungen abhängig sein.

V. Chancen und Risikobericht

Die unter IV. dargestellte Prognose beschreibt ausführlich die vielfältigen Chancen der IHK zu Lübeck.
Insbesondere sind hier unsere Initiative „Mein Unternehmen Zukunft“ sowie diverse regionale Schwerpunktthemen, wie z.B. das in 2018 erfolgreich gestartete Regionalmanagement im HanseBelt zu nennen. Durch unser Engagement in diesen Projekten wird die wirtschaftliche Entwicklung des IHK Bezirks gestärkt, womit sich Chancen für die Geschäftsentwicklung der IHK zu Lübeck ergeben.
Die Entwicklungen im Außenhandel beinhalten Chancen und Risiken gleichermaßen. Um den Unternehmen in den Zeiten unsicherer Entwicklungen im Außenhandel zur Seite zu stehen wird der Geschäftsbereich International unsere Mitgliedsbetriebe verstärkt sensibilisieren für die Chancen der weiteren Internationalisierung. Bei der Beratung wird es eng aufeinander abgestimmte Einzel- und Gruppengespräche, Seminare, Workshops, Informations-veranstaltungen, in-house-Beratungen, Merkblätter, IHK-Website, Newsletter und Firmenbesuche geben.
Der Fachkräftemangel in technischen und digitalen Berufen wird immer gravierender und von unseren Mitgliedsunternehmen als ein großes Hemmnis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region gesehen. Es bedarf daher umfassender Anstrengungen, zukünftige Fachkräfte für die Themen zu begeistern. Das eigens zu diesem Zwecke gegründete Forschungsforum Schleswig-Holstein wird 2022 zum zweiten Mal den Bundeswettbewerb Jugend forscht nach Schleswig-Holstein diesmal nach Lübeck holen. Die Strahlkraft dieses Wettbewerbs wird die IHK dazu nutzen, in der Region neue Regionalwettbewerbe von Jugend forscht anzustoßen, um eine breite Schülerschaft an naturwissenschaftliche Forschung heranzuführen. Ziel ist es, beim Bundeswettbewerb 2022 mindestens einen Bundessieger aus Schleswig-Holstein zu küren.
In der IHK zu Lübeck existiert seit 2015 ein Risikomanagement als Standard Steuerungsinstrument. Quartalsweise wird der Risikobericht in der Geschäftsbereichsleiter Sitzung sowie in den Gremien Haushaltsausschuss und Präsidium präsentiert. Seit 2016 wird zudem die Vollversammlung jährlich im Rahmen der Beschlussfassung über die Wirtschaftsplanung über die Risiken informiert, die durch die Ausgleichsrücklage abgesichert werden.
Die wesentlichen Risiken der IHK zu Lübeck sind unverändert die bereits beschriebenen konjunkturellen Risiken, IT Risiken, mögliche Gebührenausfälle aufgrund des demografisch bedingten Rückgangs von Auszubildenden, Renditerisiken in den Finanzanlagen sowie Risiken aus Haftungs- und Rechtsfragen. Die Vollversammlung der IHK zu Lübeck hat im November 2018 diese Risiken zur Kenntnis genommen.

Nachtragsbericht

Wie bereits in der Prognose dargestellt, wird die Corona-Pandemie negative Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung der IHK im Geschäftsjahr 2020 haben. Darüber hinaus sind Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Beendigung des Geschäftsjahres 2019, die über die normale Geschäftstätigkeit hinausgehen, nicht eingetreten.
Lübeck, den 23. Oktober 2020