Nord.Stern 2026

Starke Impulse für eine europäische Hafenstrategie

Resilienz, Rohstoffe, Rüstung. Die nordeuropäischen Häfen stehen unter massivem Druck: Als Schlüssel des Welthandels und zentrale Knotenpunkte für Energieversorgung, Verkehr und Logistik sind sie unverzichtbare Teile der kritischen Infrastruktur Deutschlands und der EU. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und zunehmender hybrider Angriffe gewinnen Seewege und Häfen eine neue, sicherheitspolitische Dimension. Im Kontext von Versorgungssicherheit und europäischer Verteidigungsfähigkeit kommt dem norddeutschen Raum im Ernstfall eine fundamentale Rolle als strategisches Logistikdrehkreuz für Europa und die NATO zu.
Eine moderne europäische Hafenpolitik muss die Lasten und Aufgaben der Häfen als gesamteuropäische Verantwortung begreifen und darf sie nicht länger allein den Küstenländern überlassen.

Impulse aus Politik, Kommission und Praxis

Länderübergreifender Schulterschluss

Liv Assmann (Staatsrätin und Bevollmächtigte der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, der EU und für auswärtige Angelegenheiten) eröffnete den Dialog im Hanse Office und betonte die Bedeutung regionaler Kooperationen in Brüssel.
“Hamburg und Schleswig-Holstein sind nicht nur Partner in der Landesvertretung - wir sind enge Partner bei Hafenpolitik, der maritimen Wirtschaft und überzeugte Europäer - wir treten ein für Wettbewerbsfähigkeit - für ein stärkeres Europa.”

Europäische Perspektive

Der Europaabgeordnete Niclas Herbst setzte gemeinsam mit Torsten Klimke (Europäische Kommission) Impulse für eine leistungsfähige, resiliente und strategisch gedachte europäische Hafenstrategie.
"Redundanz ist Resilienz - Planer denken nicht in Doppelstrukturen. Rüstung, Rohstoffe und Resilienz brauchen Redundanzen - Diese Last kann nicht bei der Wirtschaft liegen. Sicherheit ist die Kernaufgabe eines Staates." - Niclas Herbst
"Die Häfen sind essenziell für unsere Gesellschaft- Mobilität, Logistik, Energie, Handel, Rohstoff und Sicherheit. Das soll die Europäische Hafenstrategie leisten - das braucht immer Rückkopplung mit der Praxis" - Torsten Klimke

Hafenwirtschaft im Realitätscheck

Prof. Dr. Sebastian Jürgens (Präsident des ZDS und Geschäftsführer Lübecker Hafen) verdeutlichte die komplexen wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen, vor denen Hafenbetreiber angesichts neuer Sicherheitsanforderungen stehen.
"Nationale Hafenstrategie, ein Impuls ohne Gelder, die europäische Hafenstrategie, noch immer kein Budget oder Unterstützung - Wenn jetzt noch Schleswig-Holstein eine Strategie ohne finanzielle Perspektive präsentiert, frage ich mich: Wie soll man auf maroder Infrastruktur noch Zukunft aufbauen?"

Interessensvertretung im Norden

Dr. Sabine Schulz (IHK Schleswig-Holstein) und Patricia Schlimbach (IHK Nord) machten sich für verlässliche politische Rahmenbedingungen stark, um die enormen Innovations- und Wachstumspotenziale der maritimen Wirtschaft und Zuliefernetzwerke zu aktivieren.
Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann beendete in seinem Schlusswort den Abend mit dem Bekenntnis: "Als IHK bewegen wir die Herausforderungen unserer Mitglieder, in der Region, dem Bund und der Europäischen Union - wenn wir den Kurs wieder auf Wirtschaft und Innovation setzen wollen, müssen wir auf allen Ebenen unermüdlich sein."
Dies schließt an Ramus Andresen an, der plädierte "Europäische Themen müssen ebenso nach Kiel und Berlin, wenn wir wirklich eine Änderung in der Politik wollen. Häfen sind bekennende Europäer - aber liegen in der Region und oft gibt es Nationale Interessen."
“Sicherheit bedeutet auch Energieunabhänigkeit und das erreichen wir nur durch leistungsstarke Häfen”

Strategische Handlungsfelder: Resilienz. Rohstoffe. Rüstung.

Das neue europapolitische Format identifiziert drei zentrale Dimensionen für die maritime Zukunft:
  • Resilienz: Wirksamer Schutz kritischer Infrastrukturen gegen physische und digitale Bedrohungen sowie die Modernisierung von Häfen als widerstandsfähige Knotenpunkte.
  • Rohstoffe: Nachhaltige Absicherung von Lieferketten, globalen Handelswegen und der Energieversorgung für den europäischen Kontinent.
  • Rüstung: Anerkennung Norddeutschlands als logistische Drehscheibe für die NATO-Gesamtverteidigung sowie gezielte Förderung der heimischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Konkrete Forderungen

  • Gemeinsame Schutzaufgabe: Eine verbindliche Strategie von EU und Bund zur nachhaltigen Absicherung verteidigungsrelevanter Infrastrukturen – Hand in Hand mit den Betreibern.
  • Finanzielle Entlastung der Küstenländer: Anerkennung der Häfen als europäische Gemeinschaftsaufgabe, inklusive einer adäquaten Mitfinanzierung durch europäische Töpfe.
  • Perspektivwechsel in der Hafenpolitik: Abkehr von rein nationaler Steuerung hin zu einer resilienten, europäisch koordinierten Hafenstrategie.
  • Wachstumsanreize schaffen: Optimierung der Rahmenbedingungen für die maritime Zuliefer- und Sicherheitsindustrie, um Innovationen und Resilienz gleichermaßen zu stärken.

Abschluss und Ausblick: Gemeinsam im Rennen

Der Auftakt des Norddeutschen Wirtschaftsdialogs hat gezeigt: Die Herausforderungen für die maritime Infrastruktur sind komplex, doch die norddeutsche Wirtschaft steht bereit, den Wandel aktiv mitzugestalten.
Dass der Blick des Nordens dabei weit über die Hafenbecken hinausreicht, bewies auch der anschließende Sommerempfang im Garten des Hanse Office: Unter dem Motto "Olympische Spiele in Deutschland - Segeln in Kiel“ feierten die Gäste die Initiative für die Ausrichtung der Olympischen Spiele und setzten ein starkes Zeichen für die maritime Zukunft im Echten Norden.