IHK Flensburg

Lagebericht zum Jahresabschluss für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2023

A. Geschäfts- und Rahmenbedingungen

A.I. Aufgaben der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg (IHK Flensburg)

Die Grundaufgabe regelt §1 des IHK-Gesetzes: "Die Industrie- und Handelskammern haben die Aufgabe, das Gesamtinteresse der ihnen zugehörigen Gewerbetreibenden ihres Bezirkes wahrzunehmen, für die Förderung der gewerblichen Wirtschaft zu wirken und dabei die wirtschaftlichen Interessen einzelner Gewerbezweige oder Betriebe abwägend und ausgleichend zu berücksichtigen (...)".
Der Staat hat Aufgaben auf die IHK als Selbstverwaltung der Wirtschaft delegiert, die ansonsten von Behörden erledigt werden müssten. Zu den Leistungen zählen unter anderem
  • die Organisation der beruflichen Ausbildung,
  • Prüfungen und Zeugnisse in der Weiterbildung,
  • Sach- und Fachkundeprüfungen erlaubnispflichtiger Berufe,
  • die Benennung und Vereidigung von Sachverständigen,
  • die Ausstellung und Beglaubigung von Exportdokumenten,
  • Gutachten zum Handelsregistereintrag,
  • Genehmigungen im Güterkraftverkehr.
Die IHK vertritt die Interessen der gewerblichen Wirtschaft gegenüber der Politik und den Behörden, den Kommunen und öffentlichen Institutionen. So engagiert sie sich für eine bessere Infrastruktur, hilft den Betrieben bei der kommunalen Bauplanung und setzt sich für bessere Rahmenbedingungen der Wirtschaft ein. Sie ist unabhängiger Gutachter und Berater für Politik und Verwaltung und wird zu Gesetzen gehört, die die Wirtschaft betreffen.
Als nördlichste deutsche Industrie- und Handelskammer betreut die IHK Flensburg mit durchschnittlich 97 hauptamtlichen Mitarbeitern rund 38.900 Mitgliedsunternehmen im Norden und Westen Schleswig-Holsteins. Zusätzlich zum Flensburger Hauptsitz unterhält sie Geschäftsstellen in Heide, Husum und Schleswig. Neben ihrem allgemeinen Aufgabenportfolio hat die IHK Flensburg Schwerpunktkompetenzen in der deutsch-dänischen Zusammenarbeit, im Tourismus sowie bei den erneuerbaren Energien aufgebaut.

A.II. Arbeitsschwerpunkte der IHK Flensburg 2023

Im Februar 2023 stellte die IHK Flensburg im Rahmen eines parlamentarischen Abends in Kiel eine von ihr in Auftrag gegebene Studie der Hanseatic Transport Consultancy (HTC) zur wirtschaftlichen Bedeutung der landeseigenen Häfen Büsum und Husum vor. Sie gibt Aufschluss über deren aktuelle und zukünftige regionale Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte. Projektpartner waren der Kreis Nordfriesland, die Stadt Husum, der Kreis Dithmarschen und die Gemeinde Büsum.
Die Studie liefert wichtige Argumente für notwendige Investitionen in die Standorte und deren Wettbewerbsfähigkeit. Sie belegt, dass die Westküstenhäfen Büsum und Husum wichtige Schlüsselfunktion im Rahmen der Verkehrs- und Energiewende einnehmen, zeigt allerdings auch vielfältige Herausforderungen auf. Anlass für die IHK, ein stärkeres finanzielles Engagement des Landes Schleswig-Holstein als Eigentümer der Häfen zu fordern.
Im März 2023 hat die Vollversammlung der IHK Flensburg der Überarbeitung der Europapolitischen Positionen (Eupos) der IHK-Organisation zugestimmt. Grundlage dafür war die Entwurfsfassung mit 21 Kapiteln, die durch Haupt- und Ehrenamt seit Anfang 2022 erarbeitet worden war. Die IHKs in Schleswig-Holstein hatten ihre Änderungshinweise eingebracht; die Konsultationsphase war im Februar beendet worden. Die Eupos sind neben den Wirtschaftspolitischen Positionen, den landesweiten und den regionalen Positionen wichtiger Bestandteil der Legitimationsgrundlage, auf welcher die Arbeit der IHKs erfolgt.
Vom 6. November bis 5. Dezember 2023 haben die rund 38.000 Unternehmerinnen und Unternehmer im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg ihr neues „Parlament der Wirtschaft“ gewählt. Die Amtszeit der neuen Vollversammlung läuft von 2024 bis 2028. Insgesamt 90 Unternehmerinnen und Unternehmer hatten in 25 verschiedenen regionalen und branchenorientierten Wahlgruppen für die 61 Sitze der Vollversammlung kandidiert. Von den 61 Mitgliedern sind 30 erstmals in die Vollversammlung gewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 12,1 Prozent. Der Wahlausschuss der IHK hat am 12. Dezember 2023 das Ergebnis der Wahl festgestellt.
Wissenschaftliche Vertreter des GEOMAR und von Scientists for Future SH hatten die Mitglieder der Vollversammlung im Frühjahr über Chancen und Risiken der Carbon-Capture-and-Storage-Technologie (CCS) als Basis für eine Positionierung informiert. Die Technologie ermöglicht eine dauerhafte Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid außerhalb der Atmosphäre. In der Dezembersitzung 2023 hat die Vollversammlung das Positionspapier verabschiedet und damit beschlossen, die Erarbeitung von CCS- und CCU-Strategien auf Landes-, Bundes- und ggf. europäischer Ebene konstruktiv zu begleiten.
Der Geschäftsbereich Existenzgründung und Unternehmensförderung hat 2023 rund 535 Gründungsinteressierte telefonisch beraten, weitere 397 ausführlich und in persönlichen Gesprächen. Außerdem wurden 254 Startinfos per Mail oder Post verschickt. Es gab 31 Stellungnahmen zu Gründungen gegenüber der Agentur für Arbeit, 24 zu Kreditanträgen gegenüber Förderinstituten. Sieben Finanzierungssprechtage in Kooperation mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein boten 23 Gründungsinteressierten und Unternehmern Gelegenheit zur individuellen Beratung über Fördermöglichkeiten. Über 400 Teilnehmer besuchten Veranstaltungen zu Gründung und Unternehmensnachfolge. Zusammengefasst liegt die Resonanz bei all diesen Angeboten leicht über dem relativ niedrigen Vorjahresniveau. Begründen lässt sich dies weiterhin mit den Krisen in der Welt, welche zu Störungen in den Lieferketten führen. Außerdem drücken steigende Zinsen und Energiepreise auf die allgemeine Gründungseuphorie.
Der Geschäftsbereich International hat 1.552 außenwirtschaftliche Beratungen durchgeführt, 1.933 Ursprungszeugnisse, 33 Carnets und 346 Außenwirtschaftsdokumente (41 Beglaubigungen und 305 Bescheinigungen) ausgestellt sowie 18 Tagesseminare und Informationsveranstaltungen und Ländersprechtage mit insgesamt 436 Teilnehmenden abgehalten. Im Zusammenhang mit dem Länderschwerpunkt Dänemark der IHK Flensburg fanden Veranstaltungen zur Intensivierung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit statt. Dabei ging es unter anderem um die Fachkräftefrage im Kontext der Energiewende und steuerliche Themen.
Die IHK Flensburg hat von Januar bis Dezember 2023 insgesamt 1.858 neue Ausbildungsverträge für die Bereiche Industrie, Handel und Dienstleistungen eingetragen; im Vorjahr waren es 1.830 Verträge. Insgesamt wurden 4.646 (Vj. 4.706) Ausbildungsverhältnisse betreut. Im Rahmen der Regionalen Partnerschaft Schule-Betrieb wurden sechs Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen vereinbart; im Bezirk der IHK Flensburg bestehen insgesamt 528 solcher Partnerschaften. Außerdem konnten 30 Plätze zur Einstiegsqualifizierung eingetragen werden. Die Ausbildungsberater der IHK haben 308 Ausbildungsbetriebe vor Ort beraten.
2023 wurden insgesamt 130 Erlaubnisse erteilt, unterteilt in:
  • 90 gemäß §34c GewO (Immobilienmakler, Darlehensvermittler, Bauträger & Baubetreuer und/oder Wohnimmobilienverwalter),
  • 24 gemäß §34d GewO (ungebundene Versicherungsvermittler),
  • 5 gemäß §34f GewO (Finanzanlagenvermittler),
  • 11 gemäß §34i GewO (Immobiliardarlehensvermittler).
Der Rückgang gegenüber dem Jahr 2022 (168 Erlaubnisse insgesamt) ist vor allem in der Immobilienbranche begründet. Auslöser sind vor allem gestiegene Zinsen und ein Rückgang der Bautätigkeit.
  • 15 Berufskraftfahrerprüfungen
  • 11 Unterrichtungen im Gaststättengewerbe
  • 17 Sachkundeprüfungen im Bewachungsgewerbe
  • 13 Unterrichtungen im Bewachungsgewerbe
  • 6 Unterrichtungen für Spielgeräteaufsteller
  • 50 Gefahrgutfahrerprüfungen
  • 4 Gefahrgutbeauftragtenprüfungen
  • 10 Fachkundeprüfungen Güterkraftverkehr
  • 6 Fachkundeprüfungen Taxi- und Mietwagengewerbe

A.III. Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Ende des vierten Quartals 2023 zeigt sich die Einschätzung der norddeutschen Wirtschaftslage pessimistisch. Obwohl der Konjunkturklimaindex gegenüber dem Vorquartal um 2,8 Punkte auf 84,5 Punkte steigt, liegt er aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert von 108,1 Punkten. Die wirtschaftliche Lage in Schleswig-Holstein bleibt hauptsächlich aufgrund der Geschäftserwartungen getrübt. Die aktuelle Geschäftslage wird von 29 % der Unternehmen in Schleswig-Holstein als „gut“, von 48 % als „befriedigend“ und von 23 % als „schlecht“ bewertet. Hinsichtlich der zukünftigen Geschäftslage sehen 42 % der befragten Unternehmen die Entwicklung der Geschäftslage „ungünstiger“ und nur 9 % „günstiger“. Erstmalig wurden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von vielen Unternehmen in Schleswig-Holstein (62 % der befragten Unternehmen) als Risiko eingeschätzt. Der Fachkräftemangel ist weiterhin führendes Risiko. 63 % der befragten Unternehmen sind vom geringen Arbeitskräfteangebot betroffen. Auch die hohen Energie- und Rohstoffkosten und die geringe Inlandsnachfrage werden von ca. der Hälfte der Unternehmen als Risiko genannt.
In der Industrie wird die zukünftige Geschäftslage verhalten gesehen. 47 % der Industrieunternehmen rechnen mit einer schlechteren/geringeren Entwicklung. Auch die Auftragslage ist weiterhin rückläufig. In der Bauwirtschaft zeigt sich hingegen ein großer Auftragsbestand. 43 % der Bauunternehmer beurteilen die aktuelle Geschäftslage positiv. Aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen wird die zukünftige Geschäftslage jedoch pessimistischer gesehen. Hier erwarten 56 % der Unternehmen eine gleichbleibende und 44 % eine geringere Entwicklung der Geschäftslage. Der Einzelhandel ist von der Konsumschwäche stark betroffen. Die aktuelle und die zukünftige Entwicklung der Geschäftslage werden als „schlecht“ beurteilt. Eine Erholung nach der Corona-Pandemie ist kaum zu verzeichnen. Eine Belebung des Konsumverhaltens ist trotz des steigenden Realeinkommens nicht zu sehen. Der Großhandel sieht die aktuelle wirtschaftliche Lage stabil; die Geschäftserwartungen fallen jedoch pessimistischer aus. 67 % der Großhandelsunternehmen erwarten eine schlechtere Entwicklung der Geschäftslage. Die hohen Kraftstoffkosten und die Mautausweitung machen dem Verkehrsgewerbe zu schaffen. Die aktuelle Lage wird angespannt beurteilt und die Geschäftserwartungen fallen „schlecht“ aus. Im Dienstleistungsbereich wird von 32 % der Unternehmen die Geschäftslage als „gut“, von 55 % „gleichbleibend“ und von 13 % als „schlecht“ bewertet. Die Zukunftsaussichten sind verhaltener. Während die aktuelle Wirtschaftslage im Gastgewerbe als „gut“ angegeben wird, fällt die erwartete Entwicklung pessimistischer aus.
Die Arbeitslosenzahl in Schleswig-Holstein hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 % erhöht. Der Bestand an Arbeitslosen lag im Dezember 2023 bei 88.969 und somit mit 4.649 über dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote (Quelle: Der Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein, Monatsbericht Dezember 2023, Bundesagentur für Arbeit) liegt bei 5,6 % (Vorjahr 5,3 %). Die Veränderung der Arbeitslosigkeit im Jahr 2023 zeigt sich im Bezirk der IHK Flensburg wie folgt: Flensburg 7,7 % (Vj. 7,6 %), Schleswig-Flensburg 5,3 % (Vj. 5,0 %), Nordfriesland 5,3 % (Vj. 5,1 %), Dithmarschen 6,0 % (Vj. 5,8 %).

B. Vermögens-/Finanz-/Ertragsentwicklung und -lage

Zum 31. Dezember 2023 reduziert sich die Anzahl der Mitgliedsunternehmen gegenüber dem Vorjahr um 5,3% % auf 38.897 (Vj. 41.071). Im Jahr 2023 waren 11.132 (Vj. 11.993) Unternehmen vom Beitrag befreit, da ihre Erträge unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze von 5.200,00 € lagen.
In 2023 liegen die Erträge aus Beiträgen bei 8.296 T€ (Vj. 9.777 T€) und überschreiten, trotz der Mindererhebung von 20 % den Nachtragsplanwert mit 168 T€. Der Planwert der Erträge aus IHK-Gebühren wurde um 16,7 % überschritten. Insgesamt wurden 1.571 T€ (Vj. 1.440 T€) Erträge aus IHK-Gebühren erzielt. Geringere Teilnehmerzahlen bei Seminaren und geringere Erlöse aus dem Tourismustag führen zu einer Unterschreitung des Nachtragsplanwertes i. H. v. 20 T€ bei den Erträgen aus Entgelten (105 T€, Vj. 93 T€). Aufgrund von ungeplanter Rückstellungsauflösungen und Projekt- und Veranstaltungserstattungen werden die sonstigen betrieblichen Erträge mit 690 T€ überschritten (929 T€, Vj. 429 T€).
Der Materialaufwand in Höhe von 985 T€ liegt mit 1,7 % unter dem Nachtragsplanwert (1.002 T€) und mit 4,1 % über dem Vorjahreswert (946 T€). Durch die geringere prozentuale Erhöhung und verzögerte Stellennachbesetzungen unterschreiten die Gehaltsaufwendungen von 4.857 T€ mit 4,3 % den Nachtragsplanwert (5.076 T€). Im Vergleich zum Vorjahreswert haben sich die Gehälter um 2,3 % (111 T€) erhöht. Bei den sozialen Abgaben / Altersversorgungen in Höhe von 1.101 T€ ergibt sich, hauptsächlich aufgrund zweier Sterbefälle im Versorgungsbereich, eine Planwertunterschreitung von 349 T€. Die geplanten Hardwareinvestitionen wurden erst Ende 2023 vorgenommen, daher liegen die Abschreibungen liegen mit 72 T€ unter dem Planwert (409 T€) und mit 45 T€ unter dem Vorjahreswert. Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen in Höhe von 3.853 T€ (Vj. 3.430 T€) unterschreiten den Planwert um 311 T€ (7,5 %). Die Unterschreitung begründet sich hauptsächlich aufgrund der positiven Entwicklung der Energiepreise. Insgesamt hat sich der Betriebsaufwand i. H. v. 11.134 T€ gegenüber dem Vorjahr (10.988 T€) um 1,3 % erhöht.
Durch die positive Entwicklung am Aktienmarkt und die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank sowie die geringere Aufzinsung für Pensions- und Beihilfeverpflichtungen liegt das Finanzergebnisses in Höhe von -28 T€ (Vj. -270 T€) unter der Nachtragsplanung. In 2023 beträgt das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit -260 T€ (Vj. 480 T€). Nach Berücksichtigung von Steuern von 38 T€ (Vj. 29 T€) ergibt sich ein Jahresergebnis von -299 T€ (Vj. 450T€). Es wurden Entnahmen aus der Investitions- und Instandhaltungsrücklage von 354 T€, der Zinsausgleichsrücklage von 347 T€, aus der Digitalisierungsrücklage von 67 T€ und der Rücklage IHK-Projekte von 271 T€ durchgeführt. Aufgrund der Bewertung der IHK-Risiken erfolgte eine Zuführung in die Ausgleichsrücklage von 167 T€.
Das Ergebnis beträgt unter Berücksichtigung der o. a. Rücklagenveränderungen 1.853 T€, über dessen Verwendung die Vollversammlung noch entscheiden muss.
Das Vermögen der IHK Flensburg setzt sich aus 17.950 T€ (Vj. 17.081 T€) Anlagevermögen, 2.551 T€ (Vj. 5.263 T€) Umlaufvermögen und 458 T€ (Vj. 258 T€) aktiven Rechnungsabgrenzungsposten zusammen. Der Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten und Schecks hat sich um 2.498 T€ reduziert. Die Bilanzsumme reduziert sich von 22.603 T€ in 2022 um 1.644 T€ auf 20.959 T€.
Das Eigenkapital der IHK Flensburg beträgt zum Bilanzstichtag 6.494 T€ und ist damit um 299 T€ niedriger als im Vorjahr (6.793 T€). Die Rücklagen in Verbindung mit den flüssigen Mitteln gewährleisten die Handlungsfähigkeit und die sachgerechte Aufgabenerfüllung der IHK auch künftig. In 2023 beträgt die Eigenkapitalquote 30,98 % (Vj. 30,05 %). Die Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen haben sich gegenüber dem Vorjahr um 1.343 T€ auf 11.690 T€ reduziert. Die sonstigen Rückstellungen betreffen vor allem Beihilfeverpflichtungen mit 749 T€ (Vj. 786 T€) und Urlaubs- und Überstundenrückstellungen mit 177 T€ (Vj. 151 T€). Die Verbindlichkeiten betrugen 742 T€ (Vj. 781 T€), von denen 307 T€ (Vj. 398 T€) auf Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie 435 T€ (Vj. 383 T€) auf sonstige Verbindlichkeiten entfielen. Die passiven Rechnungsabgrenzungsposten haben sich im Vorjahresvergleich um 49 T€ auf 978 T€ (Vj. 929 T€) erhöht.
Die Vermögenslage der IHK Flensburg trägt allen heute erkennbaren Risiken aus schwankenden Beitragseinnahmen und Personalverpflichtungen weitgehend Rechnung.
Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit ergibt sich aus dem Jahresergebnis, das um Veränderungen der Rückstellungen und Verbindlichkeiten, Abschreibungen und Zuschreibungen, den Veränderungen der sonstigen Aktivposten sowie die Zuführungen und Auflösungen von aktiven und passiven Rechnungsabgrenzungsposten bereinigt wurde. Im Jahr 2023 beträgt der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit -1.243 T€ und liegt mit 1.671 T€ unter dem Wert des Vorjahres
(428 T€). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit beträgt -1.255 T€ (Vj. -1.224 T€). In 2023 wurden Investitionen in Sachanlagen i. H. v. 430 T€, in immaterielle Vermögensgegenstände i. H. v. 18 T€ und ungeplante Investitionen in das Finanzanlagevermögen i. H. v. 808 T€ getätigt.
Die Geldanlagen der IHK Flensburg haben sich im Jahr 2023 positiv entwickelt. Insbesondere der Aktienmarkt konnte im zweiten Halbjahr deutliche Zuwächse verzeichnen. Außerdem konnten erstmals wieder Zinsen für Fest- und Tagesgelder erzielt werden. Die steigenden Zinsen führen allerdings zu sinkenden Renditen im Anleihemarkt. Insgesamt lagen die Erträge aus Geldanlagen aber über den Planungen.

C. Personalbericht

Im Jahr 2023 waren in der IHK Flensburg durchschnittlich 96 Mitarbeiter (85,03 Stellen) beschäftigt. Die Mitarbeiter verfügen über eine Vielzahl von unterschiedlichen Qualifikationen:
  • Berufsausbildung: 34,91 %
  • Fachweiterbildung: 23,58 %
  • Hochschulabschluss: 41,51 %
Die IHK Flensburg ist organisatorisch in Geschäftsbereiche und Geschäftsstellen gegliedert. Die Stellen können den folgenden Tätigkeitsfeldern zugeordnet werden:
Bezeichnung Verteilung
Stand 31.12.2023
Beispiele
Interessenvertretung 14,65 Stellen (17,07 %) Regionalpolitik, Stadtentwicklung, maritime Wirtschaft
Hoheitliche Aufgaben 34,62 Stellen (40,35 %) Ausbildung, Sach- und Fachkundeprüfung, Bescheinigungen
Serviceaufgaben 17,56 Stellen (20,47 %) Existenzgründungsberatung, Unternehmensnachfolge, Ausfuhrberatung
Innere Verwaltung 18,98 Stellen (22,11 %) Finanzen, IT, Beitrag, Unternehmensdaten, Qualitätsmanagement
Das Durchschnittsalter der Beschäftigten beträgt 40,1 Jahre (Vj. 39,6). Der Anteil der Frauen liegt bei 73 % (Vj. 74 %), der Anteil der Teilzeitbeschäftigten bei 39 % (Vj. 28 %). Die Altersstruktur der Mitarbeiter (IHK-Mitarbeiter inklusive Auszubildende, Aushilfen und Mitarbeiter in Elternzeit) stellt sich wie folgt dar:
  • bis 20 Jahre: vier Frauen
  • 21-25 Jahre: elf Frauen, ein Mann
  • 26-30 Jahre: acht Frauen, zwei Männer
  • 31-35 Jahre: 17 Frauen, fünf Männer
  • 36-40 Jahre: 15 Frauen, fünf Männer
  • 41-45 Jahre: neun Frauen, zwei Männer
  • 46-50 Jahre: sechs Frauen
  • 51-55 Jahre: sieben Frauen, sechs Männer
  • 56-60 Jahre: sieben Frauen, sechs Männer
  • 61-65 Jahre: eine Frau, drei Männer
  • 66-70 Jahre: ein Mann
Zum 31. Dezember 2023 befanden sich acht junge Menschen in einer Ausbildung in den folgenden Ausbildungsberufen:
  • Kauffrau/-mann für Büromanagement
  • Verwaltungsfachangestellte Fachrichtung HWK und IHK
Darüber hinaus bietet die IHK Flensburg noch weiter Ausbildungsmöglichkeiten (Praktikum, Rechtsreferendariat, Traineeausbildung, Redaktionsvolontariat).

D. Prognosebericht

Der Wirtschaftsplan für das Jahr 2024 sieht Betriebserträge i. H. v. 10.837 T€ und Betriebsaufwendungen i. H. v. 12.877 T€ vor, sodass ein Betriebsergebnis von -2.040 T€ zu erwarten ist. Unter Berücksichtigung des Finanzergebnisse i. H. v. -68 T€ und Steuern i. H. v. 30 T€ wurde ein Jahresergebnis von -2.139 T€ für 2024 geplant. Dieses negative Jahresergebnis kann durch Rücklagenentnahmen (Investitions- und Instandhaltungsrücklage, Rücklage IHK-Projekte (SH 2030), Zinsausgleichsrücklage und Digitalisierungsrücklage) i. H. v. 709 T€ bzw. durch den geplanten Vortrag aus dem Vorjahr von 1.430 T€ ausfinanziert werden.
Die Inflationsrate hat sich im ersten Quartal 2024 abgeschwächt und die Wirtschaft erholt sich, eine Entwarnung ist jedoch noch zu früh. Wie auch die Umfrage der Unternehmen in Schleswig-Holstein im 4. Quartal 2023 zeigte, wird die zukünftige Geschäftslage ungünstiger erwartet.
Aufgrund der Auflösung nicht mehr benötigter Pensionsrückstellungen und geringere Aufwendungen, ergibt ein deutlich höherer Vortrag auf das Jahr 2024. Die Beitragsprognosen zeigen zudem trotz Mindererhebung höhere Beitragseinnahmen für 2024. Gegebenenfalls wird die IHK Flensburg für das Wirtschaftsjahr 2024 einen Nachtrag erstellen.

E. Risiko- und Chancenbericht

Die Früherkennung von Risiken und Chancen sowie die daraus abgeleiteten Maßnahmen sind wichtige Bestandteile der Unternehmensführung in der IHK Flensburg.
Die IHK Flensburg verfügt über ein Risikomanagementsystem. Die Zielsetzung besteht darin, mit geeigneten Regelungen Risiken zu identifizieren, zu bewerten und zu überwachen. Der Schutz gegen betriebliche Risiken erfolgt durch die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften, dokumentierte Prozesse im Qualitätsmanagementsystem (Prozessbeschreibungen) und betriebliche Versicherungen. Die finanziellen Risiken bestehen in Form von konjunkturellen Schwankungen, Forderungsausfällen und künftigen Wertentwicklungen der IHK Finanzanlagen. Diesen Risiken wird durch ein konsequentes Forderungsmanagement und einer professionellen Vermögensverwaltung entgegengewirkt.
Das Risikomanagementsystem wird regelmäßig mit den Mitgliedern des Compliance Boards, den Mitgliedern des Ausschusses für Innere Angelegenheiten und dem Präsidium besprochen. Die IHK Vollversammlung ist in ihrer Sitzung am 7. Dezember 2023, im Rahmen der Wirtschaftsplanung 2024, über das Ergebnis der aktualisierten Risikobewertung 2023 informiert worden.
Der Cyberangriff im August 2022 zeigte das Risiko auf, dass die IHK Flensburg bzw. die gesamte IHK-Organisation durch Cyberattacken in der gewohnten Leistungsfähigkeit jederzeit beeinträchtigt werden kann. Die IHK Flensburg begegnet diesem Risiko mit Maßnahmen zur Verbesserung der IT-Sicherheit.
Bei der Akquise von neuen Mitarbeitern macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Die Neubesetzung von freien Stellen dauert zurzeit länger als noch vor ein paar Jahren.
Der Geschäftsbetrieb kann darüber hinaus durch externe Ereignisse beeinträchtigt werden. Damit einhergehenden Risiken wird durch Sicherungsmaßnahmen und interne Kontrollmechanismen Rechnung getragen.
Die Services der IHK werden zunehmend digital angeboten, um die Serviceanforderungen der IHK-Mitglieder aber auch die Vorgaben des Onlinezugangsgesetzes (OZG) zu erfüllen. Neben der fortlaufenden Digitalisierung von IHK-Serviceprozessen werden zusätzliche Kommunikationskanäle wie ein Chat auf dem Serviceportal oder die Nutzung eines mobilen Messenger angeboten.
Im Jahr 2023 hat die IHK Flensburg mit „Orgavision“ ein neues Qualitätsmanagementsystem eingeführt. Für 2024 ist die Evaluation der Qualitätsmanagementkennzahlen geplant.

F. Nachtragsbericht

Vorgänge, die einen erheblichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben, sind nach Beendigung des Geschäftsjahres 2023 nicht eingetreten.