4. März 2026
HORIZONT 2026: IHK zu Kiel fordert Resilienz-Offensive für den Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein
Beim Jahresempfang HORIZONT 2026 am 4. März hat die IHK zu Kiel eine Resilienz-Offensive für den Wirtschaftsstandort gefordert. Im Fokus stand der strategische Austausch mit 1.000 geladenen Gästen, Ministerpräsident Daniel Günther und Prof. Moritz Schularick (Kiel Institut) über die Frage, wie Schleswig-Holstein seine Souveränität und Handlungsfähigkeit in einer instabilen Weltlage sichern kann.
Lieferketten brechen zusammen, Preise steigen und hunderte Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Die IHK zu Kiel konfrontierte die Gäste mit einem inszenierten, aber realistischen Krisenszenario und ließ sie in Echtzeit abstimmen, wie sie auf den Schock reagieren würden. Eine deutliche Mehrheit des Publikums entschied sich gegen nationale Autarkie als Strategie und für den Aufbau gemeinsamer europäischer Kapazitäten – trotz höherer Kosten. „Wir brauchen ein starkes Europa! Unsere Antwort auf America First muss Europe Fast sein“, betonte IHK-Präsident Knud Hansen vor dem Hintergrund des Votums. Damit macht die IHK deutlich: Ohnmacht gegenüber globalen Abhängigkeiten hilft nicht weiter, Unternehmen und Politik müssen trotz Unsicherheit entscheidungsfähig bleiben.
Resilienz ist Standortpolitik
IHK-Präsident Knud Hansen plädiert für ein beherztes Umdenken: „Wirtschaftliche Resilienz ist kein abstraktes Zukunftsthema, sondern eine akute Standortfrage für Schleswig-Holstein. Die einseitige Fixierung auf Effizienz der vergangenen Jahrzehnte stößt an ihre Grenzen. Heute müssen wir einer notwendigen Sicherheits-Prämie ins Auge blicken. Das lang dominierende Just-in-Time-Prinzip macht Unternehmen verwundbar.“ Eine Wende zu diversifizierten Lieferketten sei unumgänglich, so Hansen. Schleswig-Holstein habe als „Labor für Resilienz“ beste Voraussetzungen: „Mit mehr als 250 Prozent erneuerbarem Strom, einer starken Kreislaufwirtschaft und digitaler Souveränität durch geschützte IT-Infrastrukturen bauen wir krisenfeste Wertschöpfung auf. Autarkie ist dabei keine Lösung. Resilienz entsteht durch kluge Risikoverteilung, nicht durch Rückzug aus globalen Märkten.“
Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft gefordert
Im Strategietalk betonte Hansen, dass dieser Weg nur im Schulterschluss gelinge. Politik und Verwaltung seien gefordert, strukturelle Voraussetzungen zu schaffen: leistungsfähige Infrastruktur, verlässliche Energieversorgung und schnellere Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig ziehe die IHK die Unternehmen in die Pflicht, selbst aktiv in widerstandsfähige Lieferketten und Risikostreuung zu investieren.
Ministerpräsident Daniel Günther unterstrich die Bedeutung von Resilienz als Standortfaktor für Schleswig-Holstein: „Resilienz entscheidet zunehmend auch über Wettbewerbsfähigkeit. Sicherheit und wirtschaftliche Dynamik sind kein Widerspruch – im Gegenteil: Sicherheit ist Grundlage für unternehmerisches Vertrauen. Schleswig-Holstein hat sich frühzeitig auf den Weg gemacht, gemeinsam mit Wirtschaft und Kommunen die Krisenfestigkeit unseres Landes zu stärken. Mit der Taskforce Zivile Verteidigung bauen wir unsere zivile Handlungsfähigkeit des Landes systematisch aus und stimmen staatliche Vorsorge eng mit Unternehmen, Kommunen und Einsatzkräften ab. Der Austausch mit unserer ukrainischen Partnerregion Cherson bei der Sicherheitskonferenz Mitte Februar hat deutlich gemacht: Resilienz entsteht nicht auf dem Papier, sondern durch Vorbereitung, Kooperation und klare Verantwortlichkeiten.
Der Staat sorgt für Schutz und verlässliche Rahmenbedingungen – die Unternehmen investieren und stärken die Wertschöpfung. Gerade für Schleswig-Holstein als Land zwischen den Meeren und Drehscheibe im Ostseeraum gilt das in besonderer Weise für die maritime Wirtschaft, unsere Werften, die Wehrtechnik und die innovativen Zulieferbetriebe. Angesichts der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Europa wächst ihre Rolle weiter, für die europäische Sicherheitsarchitektur ebenso wie für hochwertige Arbeitsplätze und technologische Kompetenz im Land. Wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, wird Resilienz zum echten Standortvorteil für Schleswig-Holstein.“
Wissenschaftliche Rückendeckung für mehr Resilienz
Warum diese strategische Neuausrichtung keine Option, sondern eine ökonomische Notwendigkeit ist, ordnet Prof. Moritz Schularick, Präsident des Kiel Institut für Weltwirtschaft, in seiner Keynote ein. Er machte deutlich, dass Resilienz zur Sicherung von Wohlstand und Arbeitsplätzen notwendig sei und stützt damit die Position der IHK zu Kiel: „Schleswig-Holstein ist für das kommende Jahrzehnt gut aufgestellt. Viele weltwirtschaftliche Verwerfungen treffen das Land weniger stark als klassische Industrieregionen, zugleich bildet die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie einen wichtigen Standortanker. Hinzu kommen große Chancen bei Energieinfrastruktur und Rechenzentren. Entscheidend ist, diese Potenziale konsequent zu nutzen: Es braucht mehr Tempo bei Genehmigungen und Investitionen, gezielte Innovationsförderung und einen spürbaren Bürokratieabbau. Ebenso notwendig sind Veränderungsbereitschaft in Politik und Gesellschaft sowie eine klare europäische Perspektive. So kann Schleswig-Holstein seine Stärken in dauerhaftes Wachstum und gute Arbeitsplätze übersetzen.“
Praktische Hilfe für den Mittelstand
Damit die Unternehmen die geforderte Wende einleiten können, belässt es die IHK nicht bei politischen Forderungen. Am Abend stellte sie einen neuen IHK-Krisenleitfaden vor – ein praktisches Werkzeug, mit dem Betriebe ihre eigene Resilienz prüfen und gezielt stärken können. „Wir liefern nicht nur die Analyse, sondern auch das Handwerkszeug für den Ernstfall“, so Hansen. www.ihk.de/sh/krisenfit
Fotos von der Veranstaltung finden Sie im Laufe des Abends (ab circa 19 Uhr) unter diesem Link: https://fabianfruehling.de/picdrop/NXgQBrWGg4
Über HORIZONT
Horizont ist der Jahresempfang der IHK zu Kiel. Mit mehr als 1.000 Gästen, darunter Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, ist Horizont die wichtigste wirtschaftspolitische Veranstaltung zwischen Ostsee und Elbe und Anschubgeber für den Diskurs in Schleswig-Holstein. Die Titelthemen setzen Impulse zu komplexen wirtschaftspolitischen Debatten, zeigen Lösungsansätze und adressieren Forderung wie Angebot an Politik und Verwaltung.
Horizont ist der Jahresempfang der IHK zu Kiel. Mit mehr als 1.000 Gästen, darunter Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, ist Horizont die wichtigste wirtschaftspolitische Veranstaltung zwischen Ostsee und Elbe und Anschubgeber für den Diskurs in Schleswig-Holstein. Die Titelthemen setzen Impulse zu komplexen wirtschaftspolitischen Debatten, zeigen Lösungsansätze und adressieren Forderung wie Angebot an Politik und Verwaltung.
Medieninformation der IHK zu Kiel vom 4. März 2026