22. Mai 2026

Marschbahn-Ausbau: Jetzt ist der Bund am Zug

Der Deutsche Bundestag hat gestern Abend grünes Licht für die weitere Planung des zweigleisigen Ausbaus der Marschbahn zwischen Niebüll, Klanxbüll und Westerland gegeben. Aus Sicht der IHK Schleswig-Holstein ein entscheidender Schritt. Zugleich bleibt aber die entscheidende Frage nach der verbindlichen Finanzierung durch den Bund weiterhin offen.
Da die gestern beschlossene Realisierungsperspektive lang ist, wiegt dies umso schwerer: Der von der bundeseigenen DB InfraGO genannte Baubeginn liegt bei Sommer 2032, die Inbetriebnahme erst Ende 2039. Besorgniserregend ist dabei, dass der Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums auf dem Marschbahn-Gipfel im April noch einen Baubeginn für 2029 in Aussicht gestellt hatte – nun wird seitens der DB InfraGO bereits von 2032 gesprochen. Die IHK erwartet, dass der Bund an dem ursprünglich genannten Zeitplan festhält und eine weitere Verschiebung des Baubeginns ausschließt.
"Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Bundestag den Weg für die nächsten Planungsstufen freimacht. Das ist ein wichtiges Signal an die Wirtschaft an der Westküste und auf Sylt", sagt Franziska Leupelt, Vizepräsidentin der IHK Schleswig-Holstein. "Der Beschluss bleibt aber unvollständig, solange die Finanzierung nicht verbindlich hinterlegt ist – zumal das Land Schleswig-Holstein seit Jahren in Vorleistung geht." Beim Bahngipfel im April 2026 wurde vereinbart, dass das Land erneut die Vorfinanzierung der nächsten Planungsphase für den Abschnitt Niebüll–Westerland übernimmt; allein für die Planungsleistungen der kommenden zwei Jahre stellt das Land rund 45 Millionen Euro bereit. "Bei einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,32 ist die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens längst nachgewiesen. Der Bund muss jetzt eine verbindliche Finanzierungszusage liefern – und das Land aus dem Risiko nehmen", so Leupelt.
Eine Blitzumfrage der IHK Flensburg unter 150 Unternehmen aus Sylt und Nordfriesland hatte zuvor gezeigt, dass die Marschbahn als Standortfaktor erheblich an Vertrauen verloren hat. Die im IHK-Forderungspapier formulierten kurzfristigen Maßnahmen – darunter eine belastbare Zusage zur Sommersaison 2026, die Beschleunigung des ESTW Niebüll und ein klarer Finanzierungspfad – bleiben angesichts dieser Zeitachse hochaktuell.
"Der heutige Beschluss muss als Auftrag verstanden werden, jetzt die haushaltsseitige Untersetzung sicherzustellen – und parallel an den kurzfristig wirksamen Verbesserungen festzuhalten. Beides gehört zusammen", betont die Vizepräsidentin.
Medieninformation der IHK Schleswig-Holstein vom 22. Mai 2026