20. April 2026
IHK-Blitzumfrage vor Marschbahn-Gipfel: Zahlen und Handlungsempfehlungen
Vor dem morgigen Sylt-Gipfel zur Marschbahn mit Ministerpräsident Daniel Günther und DB-Chefin Evelyn Palla legt die IHK Flensburg die Ergebnisse einer Blitzumfrage unter 150 Sylter Unternehmerinnen und Unternehmern sowie ein Forderungspapier mit konkreten Lösungsvorschlägen vor.
Die Umfrageergebnisse sprechen eine klare Sprache: 72 Prozent der befragten Betriebe berichten von hoher oder sehr hoher wirtschaftlicher Beeinträchtigung durch Verspätungen, Zugausfälle und strukturelle Mängel der Marschbahn. Der Durchschnittswert über alle abgefragten Handlungsfelder liegt bei 7,6 von 10 Punkten. Besonders gravierend ist die Lage bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften: 88 Prozent der Unternehmen geben hier an, stark betroffen zu sein. „Die Marschbahn ist kein Freizeitvergnügen, sondern die Lebensader der Insel und für die Wirtschaft an der Westküste von größter Bedeutung. Ihr chronischer Ausfall bringt Betriebe und Arbeitnehmer an ihre Belastungsgrenzen und schreckt Gäste ab“, so Michael Lohmann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Nordfriesland.
Die IHK Flensburg hat vier konkrete Sofortmaßnahmen formuliert, die den Gipfel inhaltlich begleiten sollen:
- eine Anpassung des Fahrplans an den realen Streckenzustand zur Vermeidung von Störungskaskaden;
- den Einsatz von Doppelstockwagen zur Kapazitätssteigerung je Fahrt;
- die Stationierung eines Ersatzzuges für den Störungsfall nach Schweizer Vorbild in Niebüll sowie
- eine grundlegende Professionalisierung der Fahrgastinformation bei Ausfällen und Verspätungen. „Derzeit erfahren Pendlerinnen und Pendler schneller über private Messenger-Gruppen von Zugausfällen als über die offiziellen Kanäle der Bahn. Das ist für eine so wichtige Verkehrsachse nicht akzeptabel", erklärt Lohmann.
Die IHK Flensburg unterstützt ausdrücklich die langfristigen Ausbaupläne – darunter die Elektrifizierung der Strecke, den zweigleisigen Ausbau und die Optimierung der Autoverladung. Bis diese Projekte greifen, brauchen die Betriebe und die Beschäftigten an der Westküste sofort spürbare Verbesserungen im laufenden Betrieb. Die IHK wird den weiteren Prozess konstruktiv begleiten und steht für den Dialog mit allen Beteiligten bereit.
An der Blitzumfrage der IHK Flensburg haben 150 Sylter Unternehmerinnen und Unternehmer teilgenommen. Abgefragt wurden fünf Handlungsfelder auf einer Skala von 0 (keine Auswirkung) bis 10 (erhebliche Auswirkung): wirtschaftliche Beeinträchtigung, Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden, Mitarbeitergewinnung, betriebliche Anpassungen sowie Auswirkungen auf Gäste und Kunden. Die vollständige Auswertung sowie das Forderungspapier „Marschbahn: Verlässlichkeit kurzfristig verbessern" sind auf Anfrage erhältlich.
-
Marschbahn: Verlässlichkeit kurzfristig verbessern
(Nr. 7031354)
Für über 4.500 Pendlerinnen und Pendler, die täglich zwischen Festland und Insel verkehren, sowie für die Tourismuswirtschaft der Region ist eine verlässliche Bahnanbindung existenziell. Die regionale Wirtschaft begrüßt die laufenden Planungen zum Streckenausbau und zur Elektrifizierung.