Schutz vor Ladungsdiebstahl (Oktober 2014)

Vorsicht, Planenschlitzer!

Laut einer Umfrage der International Road Transport Union wurde bereits jeder sechste Lkw-Fahrer schon einmal Opfer eines Ladungsdiebstahls. Rund 8,5 Milliarden Euro Verlust muss die Transportwirtschaft in der Europäischen Union hierdurch verkraften, so eine EU-Studie.
Zum einen werden die Taten auf Speditionsgeländen begangen, zum anderen sind Lkw auf Parkund Rastplätzen, während der Fahrer seine Ruhezeiten in Anspruch nimmt, besonders betroffen", berichtet Dieter Kund vom Landeskriminalamt Schleswig-Holstein. Ein häufiges Vorgehen ist das sogenannte Planenschlitzen. "Die Planen werden meist sichelförmig eingeschnitten, um durch das entstandene Loch einen Blick auf die Ladung zu werfen. Mitunter entnehmen die Täter durch das Loch einen Teil der Waren, um zu sehen, ob sie von Interesse sind. Später öffnen die Diebe die Türen, fahren mit einem Kastenwagen an die Rückseite der Ladefläche und laden einen großen Teil der Waren um", so Kund. Auch gibt es Fälle, in denen der Diebstahl während der Fahrt begangen wird. In Schleswig-Holstein wurde dies bislang allerdings noch nie erfasst.
Frachtenbörsen
Eine weitere Gefahr stellen Frachtenbörsen dar. Hier geben sich Betrüger als Spediteure aus, unterbieten die seriösen Anbieter und lenken die Transporte später um, um die Fracht zu stehlen. Die Problematik hat sich durch das Internet verschärft. "Erst dadurch entsteht die Möglichkeit, sich mit einer fingierten Firma an der Börse zu beteiligen", betont Kund.
Begehrtes Diebesgut sind vor allem Güter mit einem gewissen Marktwert, die sich leicht transportieren und gut weiterverkaufen lassen. "Nach unseren Feststellungen kommt fast alles aus dem Non-Food-Bereich infrage. Zielgerichtete Diebstähle etwa von hochwertigen Mobiltelefonen oder anderen elektrischen Geräten sprechen für sehr gut vorbereitete Taten", so der Experte.
Wie können sich Fahrer und Unternehmen effektiv schützen? "Zum einen besteht die Möglichkeit, seinen Betrieb von Kollegen der polizeilichen Beratungsstelle im Landespolizeiamt Schleswig-Holstein begutachten zu lassen, um Empfehlungen zur Erhöhung der Sicherheit zu erhalten", rät Kund. "Zum andern können die Unternehmer durch den Einsatz von geschlossenen Sattelzügen verhindern, dass Täter die Plane einschneiden. Bei hochwertiger Fracht wäre der Einsatz von GPS-Trackern zu überlegen, die versteckt an der Ladung angebracht werden können. Wird diese entwendet, wäre die Verfolgung der Täter einfacher." Fahrern empfiehlt er, ihre Fahrzeuge nie unbeobachtet abzustellen. Bei Übernachtungen auf Park- und Rastplätzen habe es sich bewährt, die Lkws so dicht nebenoder hintereinander zu stellen, dass die Ladung nur schwer abgeladen werden kann.
Andrea Henkel
Veröffentlicht am 3. Oktober 2014