Interview: Holger Stürck (November 2015)

"Auflagen sind zu restriktiv"

Genehmigungsverfahren stellen oft ein großes Hindernis bei Schwertransporten dar. Holger Stürck, Geschäftsführer der Sleepy Yachttransport- und Winterlagerungsgesellschaft mbH in Heikendorf, weiß das aus eigener Erfahrung. Der Wirtschaft erläutert er die Probleme und notwendigen Maßnahmen.
Welche sind für ihr Unternehmen die größten Hindernisse bei Transporten?
Holger Stürck: Es gibt keine Planungssicherheit. Die Schwerlastbranche kann dadurch nur schlecht Investitionen für Personal, Gebäude, Maschinen, Krane oder Fahrzeuge umsetzen. Vorhandene Infrastruktur wurde zu lange nicht saniert - und neue Infrastruktur wie Kreisverkehre und Verkehrsberuhigung wurde oft nicht vorausschauend genug gebaut! Die Auflagen bei Genehmigungen werden zum Teil nicht bedarfsgerecht im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten genutzt. Sperrzeiten und Begleitfahrzeuge werden pauschal vorgeschrieben.
Wie könnte eine Lösung aussehen?
Stürck: Bundesweit sollten lange, festgelegte Strecken ausgewiesen werden, die jederzeit mit definierten Schwertransporten zu befahren sind. EU-Länder wie Frankreich, Belgien und die Niederlande haben damit positive Erfahrungen gemacht. Aus umweltpolitischen Gründen - nämlich um Leerfahrten zu vermeiden - sollten bauartähnliche Fahrzeuge und Toleranzen in den technischen Parametern per Genehmigung zulässig sein. Auf parallelen Strecken sollten Baustellen vermieden werden.
Was kann das Land Schleswig-Holstein für seine Unternehmen tun?
Stürck: Die Genehmigungen nach Paragraf 70 werden in Schleswig-Holstein sehr restriktiv gehandhabt. Es gibt einige Unternehmen, die schon einen Weggang aus Schleswig-Holstein planen. Eine Ausnutzung des Ermessensspielraums in einigen Punkten würde sehr helfen und könnte die Behörden zusätzlich entlasten.
Ist das ein alleiniges Problem Schleswig-Holsteins? Und was bedeutet es für unsere Unternehmen?
Stürck: Durch die unterschiedliche Auslegung der Bundesländer bei Paragrafen und Genehmigungsauflagen gibt es teilweise Wettbewerbsverzerrungen. Zum Beispiel gibt es bundesweit zum Teil deutliche Unterschiede bei den Kosten für Polizeibegleitungen.
Viele Brücken sind ja bereits sanierungsbedürftig. Befürchten Sie eine Verschärfung im Genehmigungswesen?
Stürck: Ja. Windkraftanlagen oder ganze Krankenhäuser werden in Modulbauweise konstruiert, um kurze und ökonomische Bauzeiten einzuhalten. Wenn diese Waren aufgrund von Genehmigungsverschärfungen nicht mehr transportiert werden können, sind ökonomische Folgen unvermeidlich, etwa der Abbau von industriellen Arbeitsplätzen. Es sollten möglichst bald viele der oben genannten Probleme gelöst werden, um eine unbürokratische, effektive und nutzerfreundliche Wende im Genehmigungswesen herbeizuführen.
Interview: Birte Christophers
Veröffentlicht am 2. November 2015