Unternehmensübergabe (Juli 2015)

Nachfolge meistern lernen

Bei der Übergabe eines Betriebs an den Nachfolger gibt es viele Details zu beachten, wirtschaftlich wie emotional. Das Unternehmen Büge Autoteile aus Flensburg und Lübeck mit neun Standorten in Schleswig-Holstein zeigt, wie der Generationswechsel erfolgreich verläuft - aber auch, worauf zu achten ist.
Der übergebende Inhaber muss auf jeden Fall mit offenen Karten spielen, speziell bei den Unternehmenszahlen", sagt Holger Jensen, Referent für Existenzgründung und Unternehmensförderung bei der IHK Flensburg. Nur so könnten die potenziellen Nachfolger, insbesondere die externen, den Betrieb genau beurteilen. "Andernfalls springt der Interessent schnell ab."
Thorsten Zeidler, Mehrheitsinhaber von Büge Autoteile, kannte das Unternehmen seiner Familie von klein auf, hegte aber lange kein Interesse an einer Übernahme. Erst nach dem Studium fand er den Weg in die Firma. "Meinem Vater und mir war klar, dass ich noch einige Abteilungen durchlaufen sollte, um den Betrieb genau kennenzulernen", so Zeidler. Die enge Zusammenarbeit mit dem Vater sorgte allerdings auch für Konflikte. "Ich habe zum Beispiel eine Filiale mit neuem Konzept aufgebaut. Bei der Herangehens- und Arbeitsweise waren wir da häufig uneins", berichtet Zeidler.
Anders als die vorherige Generation überträgt der neue Inhaber seinen Mitarbeitern noch mehr Verantwortung. "Ich akzeptiere damit aber auch, dass manche Dinge anders geregelt werden, als ich sie selbst machen würde." Nach 35 Jahren als Geschäftsführer sei es dem Senior Detlef Zeidler spürbar schwergefallen, den Betrieb zu übergeben. "Mein Vater hat oft gesagt, in drei Jahren höre er auf. Nur beim Zeitpunkt, wann diese drei Jahre beginnen, musste ich nachhaken."
Auch Jensen weiß um die Bedeutung der emotionalen Bindung an das Unternehmen: "Der Ausstieg fällt den Senior- Unternehmern oft schwer. Das harmoniert im Übergang dann nicht immer." Der Erfahrungsschatz kann aber auch durch eine beratende Tätigkeit bewahrt werden. So sprachen Thorsten Zeidler und seine Eltern noch einige Jahre quartalsweise über die Unternehmensentwicklung.
IHK-Angebote
Doch nicht nur die Übergabe des operativen Geschäfts, auch die der Firmenanteile muss geregelt werden. "Sonst ist man selbst nur angestellter Geschäftsführer und hat weniger Bindung an die Firma", sagt Zeidler, der die Anteile schließlich von seiner Mutter Heide-Lore, Tochter des Firmengründers, gekauft hat. Der Generationenübergang müsse schon deshalb vollständig sein, damit die Mitarbeiter wüssten, woran sie seien.
Zudem ist eine unabhängige Beratung bei der Übergabe wichtig, sind sich der IHK-Fachmann und der Unternehmer einig. Inhaber können sich etwa im "Stabwechsel - Nachfolgedialog" informieren, Nachfolgern bieten die Existenzgründungsberatungen der IHKs umfassende Informationen. Außerdem gibt es neben der Nachfolge-Plattform nexxt-change eine neue interne Nachfolgedatenbank, bei der die IHK vermittelt. "Die Beratungen sollten Inhaber und Nachfolger getrennt voneinander wahrnehmen", merkt Jensen an. "Die Interessen sind einfach zu verschieden und das Konfliktpotenzial zu groß."
Allen Nachfolgern, auch familieninternen, empfehlen Zeidler und Jensen zudem, alle Schritte der Einarbeitung und den Ausstieg des Vorgängers schriftlich zu vereinbaren. "Wir haben das oft mehr neben dem Tagesgeschäft gemacht. Da wäre die Möglichkeit eines Soll-Ist-Vergleichs im Nachhinein hilfreich gewesen", sagt der Inhaber von Büge Autoteile.  
Daniel Kappmeyer 
Veröffentlicht am 13. Juli 2015