Teammanagement (Juli 2020)

Eine Firma, mehrere Generationen

Traditionalisten, Babyboomer, X, Y und Z: Bis zu fünf Generationen arbeiten in Unternehmen zusammen. Sie nach ihren Bedürfnissen zu unterscheiden und sich auf ihre Perspektiven einzustellen, ist entscheidend, um altersgemischte Teams als wirtschaftliche Chance zu sehen.
Führungskräfte sind herausgefordert, alle Generationen ihres Betriebs wertzuschätzen und zusammenzuhalten. Sich dabei nur an fachlichen Qualifikationen zu orientieren, würde zu kurz greifen. Sie müssen Loyalität, Respekt und Vertrauen gewährleisten und beidseitige Ansprüche berücksichtigen.
Kommen etwa neben Mitarbeitern in den Fünfzigern Auszubildende ins Team, hilft es, Generationscharakteristika zu kennen. Dr. Beke Sinjen, Projektleiterin im Bereich Berufsorientierung beim Institut für Talententwicklung in Kiel, spricht regelmäßig mit Klassen aus 45 weiterführenden Schulen in Kiel und im Kreis Plön. Sie weiß um die Besonderheiten, die es in Generationskonstellationen im Arbeitsleben zu beachten gilt: "Die heutigen Schulabgänger gehören zur Generation Z, den Digital Natives", sagt sie. "Sie leben in ihrer virtuellen Parallelwelt andere Werte und orientieren sich an Vorbildern aus Social Media."
Oft fehle Schulabgängern daher ein Bezug zu Berufsbildern aus dem gewerblich-technischen oder kaufmännischen Bereich. Trotzdem wollen sie nicht per se Influencer werden oder ein Start-up gründen: "Viele setzen auf Berufe bei der Polizei oder beim Zoll, solche also, die für Sicherheit und Anerkennung stehen", so Sinjen. "Gleichzeitig sind kreative Wege im Design oder im Marketing interessant."
Die Wünsche der jungen Arbeitnehmer zeigen, dass neben Freiheit und dem Kreativitätsfaktor auch Sicherheit und Struktur wieder gefragte Aspekte bei der Jobsuche sind.

Potenzial erkennen

Als Führungskraft müsse man sich die Vorzüge junger Generationen bewusst machen. "Multitasking, hypervernetzte Kommunikation, Ideenreichtum, Mut zum Scheitern - all das macht die Zs zu bereichernden Mitarbeitern", sagt Sinjen. Trotzdem solle man einen differenzierten Umgang mit der Mehrgenerationenbelegschaft finden.
Der Blick auf unternehmenseigene Werte und Grenzen dürfe hierbei betont werden: "Ein Arbeitgeber muss nicht alles von Social Recruitment via Instagram bis YouTube-Clips der Azubis mitmachen. Vielleicht reicht eine Marketingaktion, eine Website, ein Kommunikationskanal, um für die Zielgruppe attraktiv zu sein, die auch zum Unternehmen passt."


Sieben Tipps für Ihr Generationen-Team

Was können Unternehmer tun, damit alle Generationen im Betrieb gut miteinander arbeiten? Sieben Tipps für Führungskräfte.

Belegschaft kennen
Welche Menschen und Generationen arbeiten bei Ihnen? Zeigen Sie Interesse, agieren Sie individuell, nachforschend und neugierig.

Unternehmenswerte leben
Kennt das Team die Unternehmenswerte? Verstehen alle, was die Werte für die spezifische Rolle im Unternehmen bedeuten? Was ist unklar? Finden Sie gemeinsam Regelungen dafür, wie alle zusammenarbeiten können.

Mut zu Diversität
Erfahren und bedacht trifft auf kreativ und sorglos? Arbeiten gemischte Altersgruppen zusammen, fördert das den Innovationsgeist, da Meinungen und Ansätze aufeinandertreffen und Wissen zwischen Generationen ausgetauscht wird. Zugleich lernt man gegenseitig Stärken und Schwächen kennen. Auch potenzielle Kundenstämme kann man durch gemischte Teams simulieren.

Aufstiegs- und Weiterbildungschancen
Zeigen Sie auf, welche Chancen Sie bieten. Karriereaussichten planen vor allem die Babyboomer und die Generation Z frühzeitig, während die Generationen X und Y sich auf ihre persönliche Weiterentwicklung konzentrieren.

Flexibles Gestalten
Ob Arbeitszeit, eigener Arbeitsplatz oder Homeoffice: Bieten Sie den zum Workaholictum tendierenden und Struktur liebenden Babyboomern andere Optionen als X und Z, die sich weniger für Überstunden begeistern und viel Wert auf Work-Life-Balance legen.

Kommunikationskanäle
Mehrere Kanäle machen es leichter, aber sie müssen einander ergänzen. Klare Regeln helfen, wenn neben Telefonaten und E-Mails auch Collaboration-Tools oder Social Media genutzt werden. So nehmen Sie vor allem Y und Z mit, die als hypervernetzt gelten und sich über Projekte dauerhaft austauschen wollen. Bei Neueinstellungen gilt: Bewerbungen niedrigschwellig halten! Y und Z schätzen Online-Verfahren.

Mentoring-Programm
Bilden Sie Mentoring-Paare und besprechen Sie sich regelmäßig mit den Generationspaaren, was sie voneinander lernen können. Für Betriebe, die weiterhin auf das Wissen ihrer Traditionalisten setzen, auch wenn diese bereits im Ruhestand sind oder kurz davor, ist der Erfahrungsaustausch bereichernd. Auch Generationsworkshops können hilfreich sein, um die Belegschaft zusammenzubringen.
Julia Königs
Veröffentlicht am 2. Juli 2020