CSR im Pflegebereich (Juli 2015)

Faktor Mensch fördern

Europa wird älter, völlig neue soziale Wirklichkeiten stehen bevor. Unternehmen des Pflegebereichs stehen in Zeiten des demografischen Wandels vor besonders großen Herausforderungen. Der Wettbewerb um die besten Talente hat längst begonnen.
In den ländlichen Regionen Schleswig- Holsteins verstärkt sich der Wettbewerb noch durch die Abwanderung von Azubis und Fachkräften in Richtung der städtischen Ballungszentren. Wie können sich Aktivitäten im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR) bei der Bewältigung des drohenden Fachkräftemangels in Pflegeeinrichtungen positiv auswirken? Wie ist ein mitarbeiter- und gemeinwohlorientiertes Engagement im anspruchsvollen Pflegealltag umsetzbar?
Diese Fragen griffen in Itzehoe die Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe (AGS) - ein Tochterunternehmen der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein GmbH - und sieben kooperierende ambulante sowie stationäre Steinburger Pflegeunternehmen mit dem Projekt "Soziale Pflege Steinburg" (SPS) auf. Drei Jahre lang wurde es im Rahmen des Bundesprogramms "CSR - Gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand" mit Mitteln des Bundesarbeitsministeriums und des Europäischen Sozialfonds gefördert.
Ziel des Projekts war, die beteiligten Pflegeunternehmen dabei zu unterstützen und zu beraten, eine verantwortungsvolle Unternehmensführung in den Handlungsfeldern "Mitarbeiter" und "Gemeinwesen" umzusetzen, um das Abwandern von Fachkräften aus der Region zu reduzieren.
Experten binden
Dafür wurden von der AGS und den Betrieben beispielsweise Qualifizierungs- und Coachingpläne entwickelt und im Berufsalltag erprobt. Neben individuellen Weiterbildungskomponenten oder Angeboten zur Gesundheitsförderung rückten auch die in den Pflegeeinrichtungen ehrenamtlich engagierten Helferinnen und Helfer sowie pflegende Angehörige als Unterstützer der hauptamtlichen Mitarbeiter in den Fokus.
Die Projektaktivitäten führten zu wahrnehmbaren positiven Veränderungen in den Unternehmen. Nach Aussagen der Beschäftigten nahm insbesondere die persönliche Zufriedenheit deutlich zu. Die Unternehmen wiederum berichteten, dass die Mitarbeiter viel besser als zuvor bestehende Strukturen und Prozesse analysieren und optimieren konnten.
Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigten, dass mitarbeiterorientiertes, gezieltes gesellschaftliches Handeln nicht nur dem Mitarbeiter zugutekomme, sondern insbesondere auch für die Einrichtungen von wirtschaftlichem Nutzen sei und regionale Wettbewerbsvorteile mit sich bringe, betont Dr. Maria Meiners-Gefken, Leiterin des Projekts bei der AGS. "Der Erfolg eines Unternehmens in der Pflege hängt maßgeblich vom Faktor Mensch ab. Diesen gilt es gut zu ‚pflegen‘, damit er Fähigkeiten wie Wertschätzung, Kreativität, visionäres Denken, Tatkraft und intelligentes emotionales Handeln für die Bewältigung des Arbeitsalltags und zur Entwicklung von neuen Ansätzen zur Verbesserung der Arbeitsprozesse nutzen kann", sagt Meiners-Gefken. "Das aktive Engagement für die Beschäftigten und für das lokale Umfeld der Pflegeunternehmen erhöht die Identifikation der Region mit dem Unternehmen. Das gute Image des Unternehmens trägt zur Gewinnung und Bindung von Pflegeexperten bei. Und gleichzeitig erhöht sich dadurch die Bewohner- und Angehörigenzufriedenheit, die Außenwirkung der Einrichtung und damit die Belegung und Wirtschaftlichkeit des Unternehmens", so die Bilanz der Projektleiterin.
Veröffentlicht am 13. Juli 2015