Berufsbildungswerk (Mai 2015)

Begehrte Nachwuchskräfte

Berufliche Bildung ist ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung und den Erfolg von Unternehmen. Das Theodor-Schäfer- Berufsbildungswerk (TSBW) in Husum trägt als moderner Ausbildungsbetrieb mit der Spezialisierung auf Menschen mit Behinderung dazu bei, qualifizierte Nachwuchskräfte in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.
Das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk ist eine kleine Stadt in der Stadt: Auf knapp 20 Hektar Grund arbeiten 320 Menschen mit rund 650 Auszubildenden in 70 Ausbildungsberufen in einer Vielzahl von Werkstätten und Büros, verbunden über verwinkelte Wege entlang von Grünanlagen. Zudem wohnt das Gros der Teilnehmer in den TSBW-eigenen Internaten auf dem Gelände oder Wohnungen in der Nähe. Neben dem Komplex in Husum gibt es weitere Niederlassungen in Heide, Itzehoe, Pinneberg und Hamburg, sodass insgesamt 900 Teilnehmer in unterschiedlichsten Maßnahmen von 440 Mitarbeitern betreut werden.
Im Mittelpunkt der Arbeit von Einrichtungsleiter Hans-Jürgen Vollrath- Naumann und seinem Team stehen Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen. Dies kann etwa ein junger Mensch im Rollstuhl oder ein hörgeschädigter Auszubildender sein. Alle Maßnahmen zielen letztlich auf die Integration in den ersten Arbeitsmarkt. "Unser Leitbild wird durch ein Dreieck bestimmt", sagt Vollrath-Naumann. "Die Eckpunkte sind, was die Jugendlichen möchten, was sie können und wie die Rückmeldung vom Arbeitsmarkt ist."
Im Sozialgesetzbuch wird das gesellschaftliche Teilhaberecht der Menschen mit Behinderung beschrieben. Hinzu kommt die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die eine inklusive Gesellschaft zum Ziel hat. Berufsbildungswerke wie das TSBW setzen diese Vorgaben um. Das beginnt bereits im vorberuflichen Bereich. "Den Jugendlichen fällt es häufig schwer, einen Beruf auszuwählen, da sie sich die Tätigkeiten oft noch nicht vorstellen können", erklärt Vollrath-Naumann. Anschließend stehen ihnen aber alle Berufe, vom Raumausstatter über den Maler bis zum IT-Fachmann, offen. Zum Konzept gehört auch die Teilnahme am regulären Berufsschulunterricht, wo die Azubis ganz selbstverständlich mit anderen Lehrlingen aus Husumer Unternehmen zusammentreffen.
Selbstständigkeit
Zur Vertiefung der Kenntnisse absolvieren alle Auszubildenden bis zu einjährige Betriebspraktika, in denen sie auch ein Auto gestellt bekommen. "Wir wollen den Berufsalltag so realitätsnah wie möglich darstellen", so Vollrath-Naumann. Die Praxis erproben die Azubis darüber hinaus unter anderem im SchlossCafé in Husum und in einem barrierefreien Hotel in Sankt Peter-Ording.
Zur Arbeitsmarktintegration, die bei über 50 Prozent der Absolventen schnell gelinge, sei es im Interesse beider Seiten notwendig, nicht alles für die Jugendlichen zu regeln. "Die maximale Verselbstständigung der jungen Leute ist unser Ziel", sagt der erfahrene Pädagoge. Doch auch die Sicht der Betriebe auf die Absolventen des TSBW habe sich gewandelt. "Waren es früher noch über 20, bekommen die Firmen heute teils nur zwei Bewerbungen", erklärt Vollrath-Naumann. Dies trage dazu bei, dass die Betriebe zunehmend offener für die Praktikanten und Absolventen des TSBW seien und sie als vollwertige Arbeitskraft integrieren könnten. So werden jedes Jahr bis zu 150 gut ausgebildete Nachwuchskräfte entlassen.
Daniel Kappmeyer
Veröffentlicht am 5. Mai 2015