Kreatives Azubimarketing (Mai 2017)

Die Initiative ergreifen

Geeignete Auszubildende zu finden, wird für Unternehmen immer schwieriger. Das liegt zum Teil an der demografischen Entwicklung, zum Teil auch daran, dass immer mehr Schulabgänger studieren. Für die Rekrutierung des Nachwuchses lassen sich viele Firmen heute einiges einfallen. Und Betriebe, die die Initiative ergreifen, haben damit Erfolg: Sie können ihre Ausbildungsplätze mit ihren Wunschkandidaten besetzen.
Marketing, offene Firmenpolitik und Projektarbeit sind drei Gründe für den Erfolg, den die Bäckerei Balzer aus Marne bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze hat. Sie bildet in den Berufen Bäcker, Fachverkäufer, Systemgastronom und Büromanagement aus. Wer Abitur oder Fachhochschulreife hat, kann an der Berufsakademie Hamburg dual studieren. "Wir bilden für die Zukunft unseres Betriebs aus. Herausragende Auszubildende können ihre Karriere bis zum Meister fortsetzen", sagt Alexandra Werner, Beauftragte für die Azubis der Firma Olaf Balzer e. K. In den 18 Filialen sind 320 Mitarbeiter tätig, darunter 64 Lehrlinge.
"Es ist wichtig, auf Schüler zuzugehen. Wir sprechen sie direkt an", so Werner. In Zusammenarbeit mit der IHK Flensburg sind bisher elf Kooperationen mit Schulen entstanden. Mitarbeiter gehen in den Unterricht hinein, stellen das Unternehmen und die Berufschancen vor und führen mit den Schülern kleine Projekte wie die Entwicklung eines Snacks durch. Auch Betriebsbesichtigungen und Bewerbungstrainings sind Teil des Programms. Der Betrieb ist auf 14 Berufsorientierungsmessen vertreten. Einen weiteren Anreiz bieten Führerscheinprämien beziehungsweise -darlehen. Dazu werden Kompetenzen in den Workshops BalzerAzubifit und BalzerAzubiclever vermittelt, bei denen kreiert, erarbeitet und präsentiert wird.
Die Qualität der Ausbildung spreche sich auch im Freundeskreis der Mitarbeiter herum. Das sei ein wichtiger Faktor. "Wir machen eine gute Ausbildung", sagt Werner. Am Begrüßungstag würden "den Neuen" Unternehmenswerte wie Teamgeist und Zusammenhalt vermittelt. "Wir bieten ein offenes Klima, in dem die Azubis und ihre Arbeit wertgeschätzt werden." Die Lehrlinge werden in Projektarbeit einbezogen und beteiligen sich an Produktentwicklungen, auch Schulungen gehören zum Programm. Von der Arbeitsagentur Dithmarschen hat Balzer das Zertifikat "Exzellente Ausbildung 2017" erhalten.
Azubis als Mentoren
In Bad Segeberg bei Möbel Kraft erlernen 42 Auszubildende ihre Berufe als Einzelhandels- oder Veranstaltungskaufleute, in der Lagerlogistik oder der Gestaltung für visuelles Marketing. Andere absolvieren ein duales Studium zum Bachelor of Arts, Fachrichtung Handel. "Durch eine praxisorientierte Einarbeitung können Auszubildende rasch in ihre Aufgaben hineinwachsen und sich weiterentwickeln", sagt Ausbildungsleiter Matthias Osbahr. Neben Schulungen und praxisnahem Training finden regelmäßige Treffen statt, bei denen das Erlernte im betrieblichen und schulischen Bereich reflektiert wird.
Als großer Arbeitgeber mit rund 450 Mitarbeitern am Standort und weiteren Filialen biete man eine gute Ausbildung mit Zukunftschancen. Das spreche sich herum, und so würden auch Mitarbeiter und Azubis zu Botschaftern. Mit drei Schulen werden Kooperationen unterhalten. "Bei den Schulbesuchen nehmen wir Auszubildende als Mentoren mit. Auch Praktikanten werden im Betrieb von sogenannten Paten begleitet", sagt Osbahr. "Es ist wichtig, dass Auszubildende ihre eigenen Erfahrungen und Eindrücke weitergeben."
Schüler können den Betrieb auf verschiedene Art kennenlernen. Einmal jährlich findet der Job-Talk in den achten Klassen der Schulen statt. Im Herbst beteiligt sich das Unternehmen an der Backstage-Jobtour, bei der Schüler hinter die Kulissen von Betrieben schauen. Einen tieferen Einblick bieten Praktika. "Wir haben einen strukturierten Plan für unsere Praktikanten und lassen sie in allen Betriebsbereichen an den Tätigkeiten teilhaben", so Osbahr. Man ist auch auf Jobmessen und Jobbörsen präsent und nutzt Medien wie Facebook, einen Blog und den Newsletter zur Rekrutierung von Nachwuchs.
Ausbildungswerkstatt
Die Raytheon Anschütz GmbH beschäftigt an ihrem Standort in Kiel 561 Mitarbeiter. Hinzu kommen 29 Auszubildende: fünf Industriekaufleute, ein Fachinformatiker, elf Elektroniker/- innen für Geräte und Systeme, elf Industriemechaniker/-innen Fachrichtung Drehtechnik und ein Zerspanungsmechaniker.
"Um Azubis zu werben, sind wir vornehmlich auf Schulmessen vertreten und bieten vor allem im technischen Bereich regelmäßig Schülerpraktika an. Aus diesen Praktika ergeben sich oft Ausbildungsverhältnisse", sagt Daniela Gödker, HR Business Partner bei Raytheon Anschütz. Des Weiteren sei man auf den größeren Ausbildungsmessen in Kiel vertreten.
„Unsere Ausbilder unterstützen unsere Azubis mit Herzblut.“
Ein herausragender Pluspunkt ist die eigene Ausbildungswerkstatt mit Schulungsräumen. Die Auszubildenden haben eigene Computerarbeitsplätze, an denen sie Themen aus dem Berufsschulunterricht vor- und nachbereiten können. In der Werkstatt können Inhalte auf praktischer Ebene umgesetzt werden. "Unsere Ausbilder unterstützen unsere Azubis mit Herzblut", so Gödker. Durch zwei technische Vollzeitausbilder erhalten die technischen Auszubildenden zunächst fast zwölf Monate lang eine umfassende praktische und theoretische Einarbeitung, bevor sie in den Ausbildungsabteilungen eingesetzt werden. "Eine weitere Besonderheit, die wir anbieten, ist das fundierte und breite Spektrum der Ausbildungsinhalte", sagt Gödker. So erwerben die Industriemechaniker im Zuge ihrer Ausbildung elektronische Kenntnisse, die Elektroniker mechanische Kompetenzen.
Die eigenen Auszubildenden sind ein wesentlicher Faktor im Rahmen des Marketings, da sie das Unternehmen innerhalb ihres Freundeskreises gerne weiterempfehlen. Die Raytheon Anschütz GmbH ist 2015 von der IHK zu Kiel als Top-Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet worden.
Hilke Ohrt
Veröffentlicht am 5. Mai 2017