Jugendberufsagenturen (Mai 2015)

Alle ins Berufsleben mitnehmen

In Jugendberufsagenturen bilden mehrere Akteure eine gemeinsame Anlaufstelle für Jugendliche zur Orientierung während der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf. In Hamburg hat sich das Modell bereits etabliert. Jetzt sollen die Agenturen auch in Schleswig-Holstein entstehen.
Ich möchte, dass möglichst kein junger Mensch im Übergang von der Schule in den Beruf verloren geht und mehr Jugendliche direkt den Weg in eine Ausbildung finden", erklärt Bildungsministerin Britta Ernst. "Für viele sind die verschiedenen Zuständigkeiten undurchsichtig und unverständlich. In einer Jugendberufsagentur sind sie alle an einem Ort." Ernst liegt besonders am Herzen, dass in der oft schwierigen Orientierungsphase niemand verloren geht - gerade dann, wenn die jungen Menschen noch weitere Faktoren zu bedenken haben. "Viele Jugendliche suchen nicht nur einen Ausbildungsplatz, sondern auch eine Wohnung oder einen Kitaplatz. Hier soll die Hilfe an einem Ort angeboten werden." Fehlende Unterstützung führe nicht selten zu Umwegen. Darüber hinaus sollten alle Jugendlichen am Ende der Schulzeit eine realistische Berufswahl treffen können. "Das muss noch intensiver als bisher in der Berufsorientierung von Schulen und Wirtschaft verfolgt werden", betont Ernst.
Die Jugendberufsagenturen sollen Ansprechpartner für Menschen zwischen 15 und 25 Jahren sein, die Beratungsbedarf haben. "Am drängendsten sind die Probleme natürlich bei den Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen wenig Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben", ergänzt Ernst. Arbeitsagenturen, Jobcenter und Jugendhilfe sollen zusammen bestmögliche Unterstützung gewährleisten.
Beispiel Flensburg
Schon jetzt gibt es konkrete Ideen und Strategien - so etwa in Flensburg. Bereits Ende 2014 hatten das Jobcenter, die Arbeitsagentur und die Stadt als verantwortliche Leistungsträger einen Kooperationsvertrag geschlossen, um Leistungen nach SGB II, III und VIII besser zu verzahnen. In weitere Projektpläne, etwa zur Verbesserung der Berufsorientierung, sind auch Schulen sowie die IHK und die Handwerkskammer eingebunden.
"Den Übergang in den Beruf möglichst reibungslos zu gestalten, ist aus zwei Gründen wichtig", erklärt Hans-Martin Rump, Leiter der Arbeitsagentur Flensburg. "Auf dem Arbeitsmarkt sind überwiegend Fachkräfte gefragt. Im Agenturbezirk Flensburg beziehen sich beispielsweise rund 85 Prozent der eingegangenen Stellen auf Fachkraftniveau. Vor dem Hintergrund der demografischen Effekte wird es damit zunehmend wichtig, möglichst vielen Jugendlichen den Weg in Ausbildung und Arbeit zu ermöglichen, damit auch künftig ausreichend Fachkräftepotenzial vorhanden ist." Zum anderen gebe es Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), denen zufolge Fachkräfte im Laufe ihres Erwerbslebens etwa 250.000 Euro mehr verdienten als Ungelernte. Ein gelungener Start ins Berufsleben sei nicht nur die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, sondern habe auch Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Nun wollen die Partner die Kooperationsinhalte umsetzen. Das heißt vor allem, alle Leistungen für Jugendliche zu bündeln und die Berufsorientierung weiter zu verbessern. "Wenn wir gut arbeiten, haben wir am Ende die Beratung an einem Ort sichergestellt, ein bedarfsgerechtes Unterstützungsangebot für Jugendliche geschaffen, die den Übergang von der Schule in den Beruf oder in das Studium nicht direkt bewältigen, und eine wirksame Unterstützung von Jugendlichen und deren Eltern im Berufswahlprozess sichergestellt", so Rump.
Andrea Henkel
Veröffentlicht am 5. Mai 2015