Geflüchtete in Ausbildung (April 2021)

Gut vorbereitet starten

Sechs Jahre nach "Wir schaffen das" ist Deutschland für viele Geflüchtete ein Zuhause geworden. Mit Weiterbildung und Sprachkurs im Gepäck bereichern sie jetzt den Arbeitsmarkt. Und: So viele wie nie zuvor absolvieren derzeit eine Ausbildung.
“Viele Geflüchtete mussten sich erst eingewöhnen. Da viele minderjährig waren, gingen sie weiter zur Schule, lernten Deutsch, machten ihren Schulabschluss und starteten in den letzten Jahren eine Ausbildung oder ein Studium”, erklärt Özgür Yurteri, der sich als Willkommenslotse bei der IHK Flensburg für die Integration von Geflüchteten in Ausbildung und Beschäftigung engagiert und Betriebe hierzu berät. Fachinformatiker sei ein beliebter Ausbildungsberuf. “Auch hier helfen Azubis mit Fluchthintergrund, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken”, so Yurteri.
Bei der Zusammenarbeit von Geflüchteten und Unternehmen hat sich eine gründliche Vorbereitung und ausführliche Ausbildungsberatung bewährt. Es kommt vor, dass Geflüchtete zu früh eine Ausbildung beginnen und mit ihren Sprachdefiziten noch keine Abschlussprüfung bestehen können. “Mein Rat ist ein Einstieg nach dem Praktikum in Form einer Ausbildungsvorbereitung wie der Einstiegsqualifizierung oder zunächst als Aushilfe, damit ermittelt werden kann, wo noch Handlungsbedarf besteht”, sagt Yurteri. Die Geflüchteten werden nicht überfordert und treten vorbereitet die Ausbildung an; anschließend können die Fördermöglichkeiten ausgeschöpft werden.
Die Willkommenslotsen der IHKs bilden eine Schnittstelle sowohl zwischen Unternehmen und Geflüchteten als auch zwischen Jobcentern, Einwanderungsbehörden sowie Schulen. Sie beraten Geflüchtete bezüglich des Arbeitsmarkteinstiegs und unterstützen Unternehmen dabei, Geflüchtete zu integrieren. Yurteri: “Aufgrund von kulturellen Unterschieden ist es kein Selbstgänger, die Azubis mit Fluchthintergrund in die Belegschaft einzugliedern. Damit beide Seiten sich wohlfühlen, hilft es, die Mitarbeitenden in den Integrationsprozess einzubeziehen.”
Aenne Boye
Veröffentlicht am 30. April 2021