Berufsschulen (Mai 2015)

Positive Effekte für die Region

Einige Ausbildungsberufe werden in Schleswig-Holstein nur noch an zentralen Berufsschulstandorten angeboten. Der wirtschaftliche Erfolg einer Region ist aber eng mit der Lage der Schulen verknüpft. Das Problem der Berufsschulen wie der Unternehmen ist die zunehmende schulische Zentralisierung in einigen Lehrberufen.
Als Beispiel nennt Finn Brandt, Leiter der Berufsschule Niebüll, den Beruf des Bäckers. Die Azubis müssen selbst bei einer Anstellung auf Sylt zur überbetrieblichen Ausbildung nach Lübeck. Um dieser Entwicklung Herr zu werden, bietet die Niebüller Schule einzelne Berufe nur noch in Zusammenarbeit mit den Husumer Kollegen an. So gehen die Azubis jährlich wechselnd in Niebüll und Husum zur Schule, um den Lehrberuf in der Region zu erhalten.
Die Zentralisierung ist aber nicht nur für ländliche Berufsschulen und Betriebe eine Herausforderung. Wenn bei Floristen zentraler Blockunterricht eingeführt wird, haben die oft kleinen Unternehmen das Problem, dass die eingeplante Arbeitskraft finanziell nicht durch eine Aushilfe ersetzt werden kann, berichtet Sven Mohr, Leiter der Eckener-Schule in Flensburg. "Durch Ausbildung vor Ort lässt sich eine Region zum Positiven entwickeln", ergänzt Finn Brandt. "Zentralisierung forciert aber eine Spirale, die ins Gegenteil läuft."
Das Thema ist an der nordfriesischen Schule derzeit besonders präsent. Durch den Abzug der Bundeswehr aus Leck bis 2019 könnten in Niebüll rund 50 Ausbildungsplätze wegfallen, indirekt hängen sogar bis zu 200 Lehrstellen am Bundeswehrstandort. "Berufe wie Elektroniker für Geräte- und Systemtechnik würden dann nicht mehr bei uns ausgebildet", sagt Brandt. Gerade aus diesen rekrutieren sich aber viele Fachkräfte für die lokale Windenergiebranche.
Um eine hohe Ausbildungsqualität zu halten, die nicht vom Abzug großer Betriebe beeinträchtigt werde, müsse eine Schule den Standard auch durch hohe Investitionen sichern, erklärt Sven Mohr. Die Eckener-Schule investierte darum rund 300.000 Euro allein in die Ausbildung im Bereich Produktionstechnik. "Fällt ein Berufszweig weg, ist es umso schwerer, ihn wieder aufzubauen."
Organisationsform
Ein feiner Unterschied im Berufsschulwesen betrifft die Organisationsform. Auf der einen Seite stehen die klassischen Berufsschulen, etwa die Schule in Niebüll, auf der anderen die seit 2008 zunehmend verbreiteten regionalen Berufsbildungszentren (RBZ) wie die Eckener-Schule. Wesentlicher Unterschied ist die rechtliche Selbstständigkeit der RBZ. "Auch die Schulkultur verändert sich, da wir beispielsweise einen Rechenschaftsbericht vorlegen müssen und vom Ministerium über Zielvereinbarungen gesteuert werden", sagt Mohr. Der Sicht, erst die RBZ hätten tatsächliche Hoheit über ihre Budgetplanungen erhalten, widerspricht hingegen Brandt. "Schon vor über 25 Jahren haben wir uns in Niebüll die Budgethoheit gesichert." Den Beginn der zunehmenden Selbstständigkeit sieht Brandt daher nicht erst am Anfang des RBZ-Prozesses.
Die Kontroverse bezieht sich unter anderem auf eine Studie von 2014 über die Arbeit der RBZ. Die fehlenden gravierenden Unterschiede der RBZ zur ursprünglichen Organisationsform einer Berufsschule wurden von der durchführenden Unternehmensberatung mit der Windschattentheorie erklärt. So seien auch die Berufsschulen in ihrer Eigenständigkeit gestärkt worden, etwa bei der Personalauswahl.
Daniel Kappmeyer
Veröffentlicht am 5. Mai 2015