Azubi-Marketing (Mai 2016)

Was Bewerber erwarten

Beim Werben um Azubis wäre für Unternehmen ein Blick in die Köpfe der Jugendlichen hilfreich. Trendanalysen wie die Studien "Azubi-Recruiting-Trends" geben wertvolle Hinweise, wie die Bewerber ticken, und helfen Unternehmen, ihre Bemühungen um Azubis zu optimieren.
Die Studien der u-form Testsysteme GmbH & Co. KG sind die einzigen im deutschsprachigen Raum, die Ausbildungsverantwortliche und Azubis sowie Schüler gleichzeitig befragen, um Erkenntnisse über ihre Wünsche und Erwartungen zu gewinnen. Neben einem Kern gleicher Fragen setzt die Studie jährlich andere Schwerpunkte.
Daniela Eisele, Professorin für Personalmanagement an der Hamburg School of Business Administration, die die Studien wissenschaftlich begleitet hat, rät: "Unternehmen sollten sich intensiv mit den Schülern beschäftigen und insbesondere auch die eigenen Azubis mit einbeziehen." Die Studie habe etwa gezeigt, dass Beziehungen und Printanzeigen für potenzielle Bewerber wichtiger seien als betriebliche Aktionen wie etwa der "Girls' Day".
Zusatzqualifikationen
Auf das Betriebsklima legen sowohl Azubis und Schüler (3,5) als auch Ausbilder (3,1) viel Wert (Skala von eins: "gar keinen Wert" bis vier: "sehr viel Wert"). Die Arbeitsplatzsicherheit ist dem Nachwuchs deutlich wichtiger, als Unternehmen schätzen (Unternehmen: 2,6, Azubis/ Schüler: 3,6).
Für mehr als 90 Prozent der Bewerber ist ein entscheidendes Kriterium, ob sie Zusatzqualifikationen erwerben können. Nur für circa ein Drittel wäre es interessant, die Anforderungsprofile für die Berufe zu reduzieren.
"Letztlich sollten die Infos für die Jugendlichen auf das Wesentliche konzentriert sein. Außerdem muss man schon früh anfangen", so die Professorin. Ein Autohaus habe etwa ein Pixi-Buch über den Beruf des Autohändlers herausgebracht.
Anders als bei Unternehmen (53 Prozent) liegt bei den Jugendlichen das Augenmerk noch auf Papierbewerbungen (71 Prozent). Leicht überschätzt wird von den Betrieben die Akzeptanz von E-Mail-Bewerbungen beim Nachwuchs (70 zu 61 Prozent). Noch zu vernachlässigen sind mobile Bewerbungen per Smartphone.
Fallen für Betriebe sieht Eisele etwa in "flapsigen Slogans, schicken Models und einer aufgesetzten Kampagne einer hippen Werbeagentur, die null zum Unternehmen passt". Auch Azubis als billige Arbeitskräfte einzusetzen, sei nicht tragfähig. Vielmehr sollten sich die Verantwortlichen über Stärken und Schwächen des Unternehmens, insbesondere aber über dessen Werte klar werden.
Daniel Kappmeyer  
Veröffentlicht am 10. Mai 2016