IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

Reisen in Zeiten von Corona und Auswirkungen auf das Beschäftigungsverhältnis

Hinweis: Zum 1. August 2021 entfällt die RKI-Klassifizierung “Risikogebiet”, unterschieden werden Länder ohne Klassifizierung, Hochinzidenzgebiete und Virusvariantengebiete. Im nachfolgenden Text dient der Begriff “Risikogebiet” als Sammelbegriff für Hochinzidenz- und Virusvariantengebiete.

Coronavirus-Einreiseverordnung

nach der aktuellen Coronavirus-Einreiseverordnung können in einigen Fäklllen Quarantänepflichten gelten. Die genaue Regelungen, Möglichkeiten zur Verkürzung und Ausnahmen finden Sie in dieser Übersicht.
Häusliche Quarantäne
Wer sich absondern muss, ergibt sich aus der Einreiseverordnung.
  • Die eigene Wohnung darf in diesem Zeitraum nicht verlassen werden.
  • Es ist außerdem untersagt, Besuch von Personen zu empfangen, die nicht dem eigenen Hausstand angehören.

Auswirkungen auf das Beschäftigungsverhältnis

Muss ich meine Arbeitnehmer über die Vorschriften zur Einreise-Quarantäne informieren?‎

Eine rechtliche Verpflichtung, als Arbeitgeber über die Quarantäne-Vorschriften zu informieren, ist nicht ersichtlich. Es ist aber dennoch sehr sinnvoll, Arbeitnehmer auf die geltenden Vorschriften und die Konsequenzen eines Aufenthaltes im Risikogebiet hinzuweisen. Dies gilt insbesondere dann, wenn erfahrungsgemäß zu erwarten ist, dass Arbeitnehmer ihren Urlaub in Gegenden verbringen, die aktuell vom RKI als Risikogebiet eingestuft sind.
Reist der Arbeitnehmer dennoch wissentlich in ein Risikogebiet und nimmt damit in Kauf, nach seiner Rückkehr aufgrund der Quarantänevorschriften an der Arbeitsleistung gehindert zu sein, erhält er keine Bezahlung für den Quarantänezeitraum. Näheres finden Sie unter Entgelt nach Reise ins Risikogebiet.

Kann ich meinen Arbeitnehmern verbieten, in ein Risikogebiet zu reisen?‎

Nein, die Wahl des Urlaubsortes liegt grundsätzlich beim Arbeitnehmer. Auch die Einstufung als Risikogebiet durch das RKI führt nicht zu einem Reiseverbot.

Kann ich als Arbeitgeber Auskunft darüber verlangen, wo mein Arbeitnehmer seinen Urlaub ‎verbracht hat?‎

Arbeitgeber sind berechtigt, aus dem Ausland zurückkehrende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dazu zu befragen, ob sie ich in einer Region mit deutlich erhöhtem Ansteckungsrisiko aufgehalten haben. Der Anspruch ist dabei regelmäßig auf eine Negativauskunft beschränkt.
Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers umfasst in jedem Fall die Bewertung der jeweiligen Situation, um mögliche Ansteckungen zu vermeiden. In Zweifelfällen ist zu prüfen, ob eine betriebsärztliche Untersuchung angeordnet oder die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer freigestellt werden soll.
Praxistipp: Besteht grundsätzlich die Möglichkeit mobiler Arbeit, sollte vorab eine einvernehmliche Lösung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer angestrebt werden, wenn er nach dem Aufenthalt nicht im Betrieb beschäftigt werden soll.

Bekommt ein Arbeitnehmer Entgelt, solange er wegen der Einreise-Quarantäne nicht arbeiten ‎kann, wenn er bewusst in ein Risikogebiet gereist ist?‎

Es gilt der allgemeine Grundsatz: Ohne Arbeit kein Lohn.
Allerdings besteht in bestimmten Konstellationen dennoch ein Anspruch auf Vergütung. In Betracht kommt zum Beispiel § 616 BGB. Demnach behält ein Arbeitnehmer den Anspruch auf Vergütung, wenn er „für verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden“ an der Arbeitsleistung gehindert wird. Die Vorschrift greift allerdings nur ein, wenn den Arbeitnehmer keine Schuld an dem Verhindern trifft. Bei bewussten Reisen in ein Risikogebiet scheidet der Anspruch nach § 616 BGB entsprechend aus, weil es sich dann nicht um ein unverschuldetes Leistungshindernis handelt.
Achtung: In dieser Konstellation besteht auch voraussichtlich kein Anspruch auf staatliche Entschädigung gemäß § 56 Infektionsschutzgesetz für Verdienstausfall wegen der Quarantäne.
Aktuell ist davon auszugehen, dass Personen, die in ein Risikogebiet reisen, obwohl sie wissen oder grob fahrlässig nicht wissen, dass sie sich bei Wiedereinreise in Quarantäne begeben müssen, keine Entschädigung für einen durch die Quarantäne entstehenden Verdienstausfall erhalten.
Es empfiehlt sich daher, Arbeitnehmer darauf hinzuweisen, dass während einer Quarantäne nach einer bewussten Reise in ein Risikogebiet keinerlei Entgeltanspruch besteht.

Was gilt bei einer Corona-Infektion in einem Risikogebiet?‎

Arbeitnehmer, die tatsächlich an Covid-19 erkranken, haben grundsätzlich Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz.
Allerdings scheidet der Anspruch nach dem Entgeltfortzahlungsanspruch aus, wenn den Arbeitnehmer ein Verschulden an seiner Erkrankung trifft.
Ob bei einer bewussten Reise in ein Risikogebiet ein Verschulden zu bejahen und damit die Entgeltfortzahlung ausgeschlossen ist, ist eine Frage des Einzelfalls.
Während die Quarantäne gemäß der Einreise-Quarantäne-Verordnung mit der Reise in ein offizielles Risikogebiet feststeht, besteht diese Gewissheit im Vorhinein für eine Erkrankung nicht. Und so dürfte zumindest bei Reisen in wenig betroffene Regionen und vorsichtiger Herangehensweise (Einhaltung von Abstandsregeln) eher kein Verschulden vorliegen.

Der Arbeitnehmer kehrt aus einem Risikogebiet zurück und zeigt keine Anzeichen für eine Infektion

Nach unserer Einschätzung ist der Arbeitgeber berechtigt, den Arbeitnehmer einseitig frei zu stellen. Der Aufenthalt in einem Risikogebiet des RKI dürfte zur Begründung eines konkreten Infektionsverdachts genügen. Dies gilt auch, wenn der Arbeitnehmer durch einen Ausnahmefall nach §2 CoronaVO Einreise-Quarantäne keiner Quarantänepflicht unterliegt. Hier sollten die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens genutzt werden.

Wie kann der Arbeitnehmer sich vertragsgerecht verhalten?‎

Arbeitnehmer, die – etwa aufgrund familiärer Bindungen – absolut nicht auf eine Reise in ein Risikogebiet verzichten möchten, sollten die Konsequenzen bei den Urlaubs-Planungen berücksichtigen:
Wenn ausreichend lange Erholungsurlaub in Anspruch genommen wird, so dass auch ein Quarantäne-Zeit, zumindest aber die Zeit bis zum Vorliegen eines anerkannten Corona-Tests abgedeckt wird, bestehen keine arbeitsrechtlichen Probleme.

Wer muss sich um den Corona-Test kümmern, um der Quarantäne zu entgehen? ‎

Die Vorlage eines anerkannten, negativen Corona-Tests zur Umgehung der Quarantäne nach Aufenthalt in einem Risikogebiet obliegt dem betroffenen Reise-Rückkehrer selbst; auch mögliche Kosten hat er im Regelfall selbst zu tragen.
Hinweis: Reiserückkehrer können sich künftig bei ihrer Ankunft an deutschen Flughäfen auf eigenen Wunsch auf das Coronavirus hin getestet werde – und auch bei Einreise auf dem Landweg sollen Testzentren eingerichtet werden. Ausführliche Informationen für Reiserückkehrer stellt das Gesundheitsministerium auf seiner Website zur Verfügung.
Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen sich seit dem 8. August 2020 auf das Coronavirus testen lassen. Die Tests sind für die Reisenden kostenfrei.
Bis die Ergebnisse bekannt sind, müssen sich Reisende aus Risikogebieten in Quarantäne begeben. Wenn das Testergebnis negativ ist, entfällt die sonst vorgeschriebene 14-tägige Quarantäne.

Darf ein Arbeitnehmer die Zusammenarbeit mit Kollegen, die aus Risikogebieten zurückkommen, verweigern?

Nach unserer Auffassung kommt ein Zurückbehaltungsrecht gemäß § 273 Abs. 1 BGB für in Deutschland tätige Arbeitnehmer allenfalls bei der Rückkehr eines Mitarbeiters aus einem Risikogebiet in Betracht. Dies gilt auch, wenn bei dem zurückkehrenden Mitarbeiter weitere Umstände, z.B. akute respiratorische Symptome hinzutreten und der Arbeitgeber keine Maßnahmen zum Schutz seiner Beschäftigten ergreift. Auch wenn ein Arbeitnehmer engen Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatte und aus diesem Grund als Kontaktperson einzustufen ist, kann ein Zurückbehaltungsrecht für die anderen Arbeitnehmer in Betracht kommen.

Empfohlene Checkliste zur Mitarbeiterinformation

  • Hinweis auf Urlaubsrückkehrermanagement (Sensibilisierung für Quarantänezeitraum, Option mobiles Arbeiten, Einplanung zusätzlicher Urlaubstage nach Rückkehr für mögliche Testergebnisse)
  • Hinweis auf eine bestehende Quarantänepflicht bei Rückkehraus einem Risiko-gebiet
  • Hinweis auf die als Risikogebiete definierte Länderübersicht nach RKI
  • Hinweis, dass während der Quarantäne kein Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht
  • Hinweis auf Fragerecht des Arbeitgebers nach Aufenthalt im Risikogebiet


Die Zusammenstellung der Informationen auf dieser Seite erfolgen nach besten Wissen und sorfältiger Abwägung. Dennoch besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit und Aktualität. Die Informationen ersetzen keine Beratung im Einzelfall. Stand: 9. Mai 2022