Pressemitteilung

IHKs in MV: Enttäuschte Hoffnungen und gebremste Nachfrage lassen Stimmung in der Wirtschaft zum Sommerbeginn kippen

Neubrandenburg, Rostock, Schwerin. Die Gesamtstimmung in der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns hat sich kurz vor Sommerbeginn deutlich verschlechtert. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfragen der Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern (IHKs in MV). Über nahezu alle Branchen hinweg verschlechtern sich sowohl die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen an die kommenden Monate spürbar. Die Folge: Der Konjunkturklimaindex in den Bezirken der Industrie- und Handelskammern in Mecklenburg-Vorpommern ist während der vergangenen Wochen auf Talfahrt gegangen und liegt nun unter 90 Indexpunkten.
Das Grundvertrauen der Unternehmerinnen und Unternehmer in einen baldigen Aufwärtstrend sinkt kontinuierlich. Demzufolge sind die Bewertungen der Geschäftslage der Unternehmen im Vergleich zum Jahresbeginn 2026 – als der Krieg der USA und Israels gegen den Iran und dessen Reaktionen noch kein Thema war – deutlich eingetrübt: Nur 27 Prozent (Jahresbeginn: 31) bezeichnen ihre Geschäftslage als gut, 22 Prozent als schlecht (Jahresbeginn 19 Prozent). Die globalen Krisenherde schlagen auch auf die Exporterwartungen der Unternehmen durch: Zehn Prozent der Unternehmen wollen mehr exportieren (Jahresbeginn 2026: 15 Prozent).
„Der nach der Bundestagswahl erkennbare Hoffnungsstreif am Horizont ist einer spürbaren Desillusionierung gewichen: Die Geschäftserwartungen der Unternehmen haben sich zum Frühsommer 2026 eingetrübt: Nur neun Prozent (Jahresbeginn: zwölf Prozent) rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, während 41 Prozent (Jahresbeginn: 31 Prozent) von einer Verschlechterung ausgehen“, so Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock.

Dünne Kapitaldecke und Cashflow-Druck vereiteln Innovationen

Folgen hat die spürbare Unsicherheit auch auf Investitionsabsichten der Unternehmen: 20 Prozent (Jahresbeginn: 21 Prozent) wollen dieses Jahr mehr investieren, 43 Prozent weniger (Jahresbeginn: 37 Prozent), oft gehe es dabei nur um den Substanzerhalt. Das sei keine gute Voraussetzung für eine Innovationssteigerung. Auch verdeutlicht die Investitionszurückhaltung, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer an die Substanz gehen müssen und die unternehmerische Kapitaldecke im Nordosten der Republik mehr als 35 Jahre nach der Wende oftmals noch recht dünn ist. Der Druck auf den Cashflow resultiert daraus, dass Liquiditätsengpässe verstärkt zum Sorgenfaktor werden und die befragten Firmen zunehmend mit Forderungsausfällen umgehen müssen. In der Folge steigt der Anteil der von Insolvenz bedrohten Betriebe um vier Prozentpunkte auf sechs Prozent und erreicht damit den negativen Höchstwert der Coronapandemie von Januar 2021.
Besonders deutlich stellt sich die Lage im Handel sowie im Verkehrs- und Logistikgewerbe dar. Der Handel leidet massiv unter Konsumzurückhaltung und fehlender Planungssicherheit. Die Erwartungen erreichen teilweise wieder ein Niveau wie während der Pandemiezeit. Die Unternehmen reagieren besonders sensibel auf hohe Energie- und Kraftstoffpreise, schwache Nachfrage sowie geopolitische Risiken. Auch im Gastgewerbe trübt sich der Ausblick ein. Zwar stabilisiert sich die aktuelle Geschäftslage leicht, viele Betriebe rechnen jedoch nicht mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung.
68 Prozent (Jahresbeginn: 67 Prozent) der Unternehmen planen ihre Beschäftigtenzahl stabil zu halten, sieben Prozent (Jahresbeginn: neun Prozent) wollen sie erhöhen und 25 Prozent (Jahresbeginn: 24 Prozent) senken.
Die größten Risiken sehen die Unternehmen in
  • stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen (73 Prozent))
  • hohen Arbeitskosten (63 Prozent)
  • unattraktiven wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (59 Prozent)
  • schwacher Inlandsnachfrage (49 Prozent)
Das macht sich besonders auch in der Industrie bemerkbar, wie Mirko Bröcker, Geschäftsführer Möwe Teigwaren GmbH aus Waren (Müritz), bestätigt:
„Ohne Entlastung auf der Kostenseite können es sich die Unternehmen schlicht nicht mehr leisten zu investieren und ohne beherzte und zeitnahe Reformen fehlt ihnen jegliche Perspektive.“
Auch wenn sich Industrie und Dienstleistungswirtschaft trotz rückläufiger Bewertungen weiterhin vergleichsweise widerstandsfähig zeigen, nehmen auch dort Investitions- und Nachfrage-Unsicherheit deutlich zu.
„Selbst tragende Säulen der Wirtschaft verlieren zunehmend an Zuversicht. Es besteht die Gefahr, dass durch den Kostenüberwälzungseffekt die Inflation spürbar an Kraft gewinnt“, so Matthias Belke, Präsident der IHK zu Schwerin.
Die schlechtere Lage der gewerblichen Wirtschaft zeigt sich ebenfalls in merklich rückläufigen Auftragsbeständen: 33 Prozent der betreffenden Befragten bewerteten ihren aktuellen Auftragsbestand als „eher zu gering“. Sieben Prozentpunkte mehr als noch zu Jahresbeginn.
Was viele Unternehmerinnen und Unternehmer umtreibt: Eine Bundesregierung, die – nach einem Jahr im Amt – den Erwartungen der Unternehmerinnen und Unternehmer häufig nicht gerecht wird und die außenpolitischen Kriegs- und Krisenherde, deren Eindämmung auch die deutsche Politik nicht immer beeinflussen kann.
Worauf es jetzt ankommt, machten, Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der geschäftsführenden IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern der IHKs in MV, und seine Amtskollegin Melanie Wicht, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Rostock deutlich und wiesen in diesem Kontext auf die Forderungen der Industrie- und Handelskammern in MV zur Landtagswahl hin:
  • Unternehmen brauchen Planbarkeit und Sicherheit, um in einem zunehmend angespannten wirtschaftlichen Umfeld bestehen zu können.
  • Sie brauchen bessere wettbewerbsfähige Bedingungen.
  • Sie brauchen keine hemmende Bürokratie.
  • Sie brauchen weiterhin guten Zugang zur Fremdfinanzierung.
„Die Unternehmen in der Region brauchen spürbare Entlastungen und konkrete Verbesserungen im Alltag. Entscheidend ist jetzt eine konsequente Umsetzung statt weiterer Ankündigungen“, so der Hauptgeschäftsführer und die Hauptgeschäftsführerin.
Die Industrie- und Handelskammern fordern wirtschaftspolitische Impulse. Dazu gehören besonders die Senkung von Energie- und Standortkosten, schnellere Genehmigungs- und Planungsverfahren, ein konsequenter Bürokratieabbau sowie verlässliche und planbare wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen.

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Die Industrie- und Handelskammern in MV
Unter dem Namen „IHKs in MV“ haben sich die drei IHKs in Neubrandenburg, Rostock und Schwerin als Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie vertreten rund 85.000 Unternehmen, die etwa 500.000 Mitarbeiter beschäftigen.