Unternehmensförderung

Von der Finanzbranche in die Welt der Schokolade

Früher hat sich in Christian Sattlers Leben alles um Finanzen und Versicherungen gedreht. Heute beschäftigt ihn vor allem Schokolade. Der 56-​Jährige wird Nachfolger von Ullrich Deprie. Ende des Jahres soll die Übergabe voraussichtlich abgeschlossen sein. „So ein Prozess dauert seine Zeit. Diese nutze ich, um das Unternehmen genau kennenzulernen“, sagt Christian Sattler.
Den ersten Kontakt gab es bereits im Herbst 2020. Zustande kam dieser durch die Nachfolgezentrale MV. Sattler, der 31 Jahre lang in der Finanzdienstleistungsbranche tätig war, wollte sich zu dieser Zeit beruflich umorientieren. Und so schrieb er eine Initiativbewerbung an die Nachfolgezentrale, in der er sein Interesse an der Übernahme eines Unternehmens – Branche damals noch unbestimmt – deutlich machte.
Die Nachfolgezentrale stellte schließlich den Kontakt zu Ullrich Deprie her und nach einigen Treffen war klar, dass der Nachfolgeprozess offiziell starten kann. Seitdem bringt sich Christian Sattler schon aktiv im Unternehmen ein, zunächst als Angestellter, seit 1. Januar als angestellter Geschäftsführer an der Seite des Seniorchefs.

Erster Schokoladen-​Sommelier Rostocks

Betriebswirtschaftliche Expertise und Erfahrungen im Personalbereich bringt Christian Sattler zur Genüge mit. Um auch im Umgang mit Schokolade fit zu sein, machte er im vergangenen Jahr eine Fortbildung zum Schokoladen-​Sommelier – in Mecklenburg-​Vorpommern bislang einzigartig.
„Ich wollte Fachkenntnisse haben“, sagt der Rostocker und erklärt: „Ein Sommelier ist jemand, der sein Produkt genau beschreibt, haptisch, optisch, geschmacklich und mehr.“ Das mache ihm sehr viel Spaß. Früher habe er abstrakte Finanzprodukte verkauft, heute könne er Schokolade anpreisen und verkaufen. „Es gibt nichts Besseres.“
Mit diesen neu gewonnenen Kenntnissen gehören das Verkosten, die Geschmacks- und die Produktentwicklung zu den Kernaufgaben von Christian Sattler. Mit der Einführung der sogenannten Airbrush-​Dekoration, die Schokoladenprodukten bunten Glanz verleiht, konnte der zukünftige Chef schon einen Impuls geben. So ist zum Beispiel die neue MV-​Praline mit den offiziellen Farben des Bundeslandes gestaltet. „Ich hoffe, das wird ein großer Erfolg“, sagt Sattler.

Zusammenarbeit mit dem ­Seniorchef

Darüber hinaus hat Christian Sattler noch weitere Pläne für die Zukunft. Eine räumliche Erweiterung der Produktion, die aktuell am Standort in Schmarl stattfindet, wäre so ein Vorhaben. Das sehe er aber als langfristiges Projekt, sagt Sattler. Die Pandemie habe der Schokoladerie sehr zugesetzt. Das sei zwar überwunden und nun stehe das Unternehmen sehr gut da, aber niemand wisse, was der nächste Herbst bringt und so stelle er dieses Vorhaben erst einmal etwas nach hinten.
Auch personell möchte Christian Sattler Veränderungen sehen. Er sei aktuell auf der Suche nach festem Personal für die Gastronomie. „Das ist in diesen Zeiten wirklich nicht so einfach.“ Außerdem möchte er die Digitalisierung im Unternehmen voranbringen. So soll unter anderem der Bestellprozess in den insgesamt fünf Filialen automatisiert, die Mitarbeitenden dafür mit Tablets ausgestattet werden. Auch die Homepage, der Onlineshop und die Social-​Media-​Kanäle sollen einen neuen Anstrich bekommen.
Bei all diesen Veränderungen arbeitet der zukünftige Chef eng mit Ullrich Deprie zusammen. Alle Prozesse werden miteinander abgesprochen. Auch in Zukunft wollen die beiden das so beibehalten. „Ich lege natürlich auch in Zukunft viel Wert auf Herrn Depries Expertise. Er hat mir angeboten, in Zukunft weiter als Seniorpartner dabei zu sein und ich freue mich auf weitere kollegiale Zusammenarbeit“, betont Christian Sattler.

Positiv überrascht

Mittlerweile ist der 56-​Jährige tief in das Unternehmen eingetaucht. Sein bisheriges Fazit: „Die Arbeit ist sehr vielschichtig. Davon bin ich nach wie vor positiv überrascht.“ Der Verantwortungsbereich sei groß, aber er sei wirklich mit Leidenschaft dabei. Sein für eine Übernahme etwas überdurchschnittliches Alter spiele für ihn dabei auch keine Rolle. „Ich habe nicht die Rente mit 65 im Blick, sondern möchte auf jeden Fall noch 15 Jahre arbeiten. Deswegen war das für mich von Anfang an kein Hinderungsgrund. Ich bereue den Schritt nicht und kann nur jedem empfehlen, der auch mit einer Übernahme liebäugelt, einfach aktiv auf die Nachfolgezentrale zuzugehen, so wie ich es gemacht habe.“
Das Unternehmen
Die Schokoladerie gibt es seit 2005 und hat ihren Ursprung im heutigen Hauptsitz am Stadthafen. Mittlerweile gibt es vier weitere Filialen: die Produktionsstätte im Fährhaus in Schmarl, ein Ladengeschäft im Rostocker KTC, eines in den Stralsunder Rathausarkaden und eines in Güstrow. Insgesamt sind 30 feste Mitarbeiter angestellt, hinzu kommen Aushilfen.