Starke Binnenhäfen für einen leistungsfähigen Logistik und Industriestandort

Die Region Rhein‑Neckar ist ein zentraler Industrie‑ und Logistikstandort in Südwestdeutschland. Ihre besondere Stärke ergibt sich aus der engen Verknüpfung leistungsfähiger Industriecluster mit trimodalen Binnenhäfen in Mannheim und Ludwigshafen sowie einer dichten Anbindung an nationale und europäische Verkehrsnetze.

Ausgangssituation

Die Stärkung der Metropolregion Rhein‑Neckar als Logistik‑ und Industriestandort ist untrennbar mit der Stärkung ihrer Häfen und Verkehrsinfrastrukturen verbunden. Erforderlich ist kein Nebeneinander einzelner Maßnahmen, sondern ein integrierter, regionaler Ansatz, der Häfen, Verkehrsträger, Flächenpolitik und Transformation gemeinsam denkt.
Das zeigte auch die von der IHK Rhein-Neckar gemeinsam mit der IHK Pfalz im April 2026 veröffentlichte “Potenzialstudie Binnenhäfen Ludwigshafen und Mannheim”. Die Ergebnisse der Studie sind, gemeinsam mit dem Austausch in IHK-Gremien und einer Vielzahl von Unternehmens-Gesprächen, die Grundlage für die folgenden Forderungen, die von dem Verkehrsausschuss mitentwickelt und der Vollversammlung der IHK Rhein-Neckar beschlossen wurden.

Häfen als strategische Infrastruktur sichern und weiterentwickeln

Die Binnenhäfen Mannheim und Ludwigshafen sind kritische Infrastruktur. Nicht nur für unsere Industrie, Handel und Bevölkerung, sondern auch für die Versorgungssicherheit und (militärische) Transporte im Krisenfall. Die langfristige Leistungsfähigkeit unserer Häfen erfordert einen klaren politischen Konsens, Hafenflächen konsequent zu sichern und planungsrechtlich hafenaffine Nutzungen zu priorisieren. Ein einmaliger Verlust geeigneter Hafenareale ist nicht reversibel und schwächt die Standortqualität der gesamten Region dauerhaft.
Was gebraucht wird:
  • Hafenflächen in zentraler Lage langfristig für hafenwirtschaftliche und industrieaffine Nutzungen vorhalten. Konkurrierende Stadt‑ und Wohnnutzungen, wie zum Beispiel im Mannheimer Handelshafen, räumlich zugunsten hafenaffiner Nutzungen steuern
  • Die strategische Rolle der Häfen in der kommunalen, regionalen sowie überregionalen Raumplanung berücksichtigen

Trimodale Verknüpfung konsequent stärken

Die besondere Stärke unserer beiden Binnenhäfen liegt in der Trimodalität aus Wasserstraße, Schiene und Straße. Dies ist eine optimale Voraussetzung für wettbewerbsfähige, resiliente und klimafreundliche Transporte. Kein Verkehrsträger kann diese Anforderungen allein erfüllen, entscheidend ist das funktionierende Zusammenspiel.
Was gebraucht wird:
  • Leistungsfähige Anbindungen der Häfen sind konsequent durch den bedarfsgerechten Erhalt und Ausbau aller drei Verkehrsträger zu sichern
  • Ausbau- und Erweiterungsmaßnahmen der trimodalen Terminals (insbesondere im Wachstumssegment der Containertransporte) auf den Hafenflächen sind, auch im Hinblick auf die Lagerung und den Umschlag von Gefahrgut, vorausschauend zu prüfen und bei entsprechendem Nachfragebedarf umzusetzen. Planungsrechtliche und betriebliche Spielräume sind dafür notwendig.
  • Trimodale Terminals sind konsequent auszubauen und zu modernisieren. Hierzu braucht es auch die Unterstützung des Bundes.

Wasserstraßen zukunftsfähig machen

Unsere Wasserstraßen Rhein und Neckar sind die zentrale Lebensader der Region. Ihre verlässliche Nutzbarkeit ist Grundvoraussetzung für die Versorgung der Industrie, insbesondere für Grundstoff‑ und energieintensive Branchen.
Was gebraucht wird:
  • Die prioritäre Verbesserung der Befahrbarkeit der internationalen Wasserstraße Rhein, insbesondere durch Erhöhung der Abladetiefen am Mittelrhein
  • Eine Einigung von Land und Bund beim Thema der Sanierung und Verlängerung der Neckarschleusen, um den Neckar zukunftsfähig aufzustellen. Der Fokus sollte dabei auf einer schnellstmöglichen Optimierung der Schleusenlänge auf 110 Meter liegen, ohne das langfristige Ziel des Ausbaus auf 135 Meter aus den Augen zu verlieren.
  • Die Gleichbehandlung von Binnenwasserstraßen mit anderen Verkehrsträgern bei Finanzierung und politischer Prioritätensetzung

Leistungsfähige Zu- und Ablaufstrecken als regionale Gemeinschaftsaufgabe

Häfen können ihre Funktion nur erfüllen, wenn ihre Zu- und Ablaufstrecken leistungsfähig sind. Dies ist keine lokalpolitische Frage, sondern infrastrukturelle Voraussetzung für Wertschöpfung, Beschäftigung und Versorgung in der gesamten Region. Deshalb ist der Blick bewusst über kommunale und Landesgrenzen hinaus auf die großen Korridore zu richten.
Was gebraucht wird:
  • Ein abgestimmtes, verkehrsträgerübergreifendes Baustellen‑ und Engpassmanagement für Schiene und Straße, vor allem bei Sanierungen und Bauarbeiten an Hochstraßen, Rheinbrücken und Tunnelbauwerken in der Region
  • Die Beseitigung struktureller Engpässe in Schienenknoten und auf Güterverkehrskorridoren wie dem Schienenknoten Rhein-Neckar, der Studernheimer Kurve sowie den Neubaustrecken Frankfurt – Mannheim und Mannheim – Karlsruhe
  • Leistungsfähige Fluss-Querungen als Teil eines robusten Gesamtsystems. Vor allem die Rheinquerungen müssen als kritische Infrastruktur betrachtet und der Bund bei der Finanzierung in die Pflicht genommen werden.

Transformation, Energie und neue Anforderungen integrieren

Die Häfen der Region Rhein‑Neckar entwickeln sich zunehmend zu Schnittstellen der Energie‑ und Industrietransformation, etwa bei alternativen Energieträgern, Rohstoffen der Kreislaufwirtschaft, Großraum- und Schwertransporten und neuen Logistikanforderungen. Diese Entwicklung bietet Chancen, die systematisch erschlossen werden müssen. Was gebraucht wird:
  • Eine systematische Erfassung, Bewertung und planungsrechtliche Sicherung aller verfügbaren Flächen hinsichtlich ihrer rechtlichen und regulatorischen Entwicklungsfähigkeit sowie das Vorhalten geeigneter Areale für zukünftige Potenziale
  • Gezielter Aufbau wasser- sowie landseitiger Infrastruktur für künftige Nutzungen in strategischen Zukunftsfeldern

Akzeptanz stärken, Kommunikation forcieren

Die gesellschaftliche Akzeptanz leistungsfähiger Infrastruktur ist eine zentrale Voraussetzung für deren Weiterentwicklung. Häfen, Industrie und Logistik müssen stärker als Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge und des Wohlstands verstanden werden.
Was gebraucht wird:
  • Die wirtschaftliche Bedeutung der Häfen muss transparent, positiv und öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden. Ein gutes Beispiel: Allein von den Häfen Mannheim und Ludwigshafen sind 33.000 Beschäftigte abhängig.
  • Wo nötig müssen Dialogformate etabliert werden, um frühzeitig Einigungen bei Themen rund um die Hafenstandorte zu erarbeiten. Der „Zukunftsdialog Hafen Mannheim 2050" zwischen Stadt Mannheim, Hafen Mannheim, Verkehrsministerium und Finanzministerium Baden-Württemberg ist so ein Format, das ergebnisorientiert fortgeführt werden muss.
Mannheim, 29. Juni 2026