Industrie

In der Industrie verschlechtern sich die Lagebeurteilungen im Vergleich zum Jahresbeginn um fünf Prozentpunkte. In der Vorumfrage zeichnete sich noch eine Aufwärtstendenz bei den Lageeinschätzungen ab, der Saldo lag mit sechs Punkten im positiven Bereich. Dieser Aufwärtstrend setzt sich im Frühsommer aufgrund der Eskalation im Nahen Osten und den darauffolgenden Energiepreisschocks und Lieferkettenprobleme nicht weiter fort. Der Lagesaldo ist aktuell noch mit einem Punkt im positiven Bereich.
Die Industriekapazitäten sind aktuell zu 79 Prozent ausgelastet, was gegenüber Januar einem Zuwachs von drei Prozentpunkten entspricht. Bei den Umsätzen melden per saldo 16 Prozent der Industriebetriebe eine rückläufige Entwicklung, im Januar waren es elf Prozent.
Und auch die Auftragseingänge gehen tendenziell weiter zurück. Meldeten im Januar per saldo sechs Prozent der Unternehmen einen Rückgang bei den Aufträgen so sind es aktuell 19 Prozent. Vor allem bei den Auftragseingängen aus dem Ausland zeigt sich eine klar negative Entwicklung. Der Wert sinkt seit der Vorumfrage von +1 auf aktuell -27 Punkte.
Diese Entwicklungen wirken sich auf die Geschäftserwartungen der Branche aus. Die Aufhellung zum Jahresanfang wird auch hier gestoppt, der Erwartungssaldo sinkt von -3 auf -11 Punkte. Die Umsatzerwartungen sinken per saldo von +3 auf -15 Punkte.
Derzeit bereiten die hohen Energiepreise den Industriebetrieben mit Abstand die größten Sorgen. Knapp 70 Prozent der Betriebe sehen hierin die größte Gefahr für ihre wirtschaftliche Entwicklung (Mehrfachnennungen möglich). Sechs von zehn Unternehmen sehen zudem die gestiegenen Rohstoffpreise als bedrohlich an. Die hohen Arbeitskosten stellen für 57 Prozent der Industrieunternehmen eine große Herausforderung dar, die zunehmenden geopolitischen Spannungen und die schwache Inlandsnachfrage nennen jeweils 55 Prozent als Risiko. Und auch die schwache Auslandsnachfrage wird mit 40 Prozent zunehmend als Hemmschuh betrachtet, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (35 Prozent), Lieferkettenengpässen (34 Prozent) und dem Fachkräftemangel (30 Prozent).
Die Investitionsabsichten der Industriebetriebe gehen wieder deutlich zurück, der Wert sinkt per saldo von +3 Punkten im Januar auf aktuell -12 Punkte. Wenn investiert wird, dann ist der Ersatzbedarf mit 75 Prozent unverändert Investitionsmotiv Nummer eins (Mehrfachnennungen möglich). Rationalisierungen sind mit 42 Prozent das am zweithäufigste genannte Investitionsmotiv, gefolgt von Digitalisierungsplänen, welche mit 38 Prozent auf Platz drei liegen. Investitionen in Umweltschutz- und Energieeffizienzmaßnahmen planen 31 Prozent der investierenden Industrieunternehmen, in Verfahrens- und Produktinnovationen möchte jedes vierte Unternehmen investieren und nur mehr jeder fünfte Betrieb plant Kapazitätserweiterungen oder Expansionen. Die Beschäftigungspläne in der Industrie sind weiterhin rückläufig. Der Saldo liegt mit aktuell -15 Punkten weiterhin deutlich im negativen Bereich.