Geplante Gewerbesteuererhöhung
IHK warnt vor "Gefährdung unseres Wohlstands"
Mannheim, 21. Oktober 2026. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar hat erfahren, dass die Stadt Mannheim eine Gewerbesteuererhöhung um 40 Punkte ab 2027 plant. IHK-Präsident Manfred Schnabel hat sich an den Oberbürgermeister, die Bürgermeister sowie Gemeinderäte gewandt und eindringlich vor diesem Schritt gewarnt. “Kurzfristige Mehreinnahmen dürfen nicht zu Lasten der langfristigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gehen. Denn die Gewerbesteuer ist keine beliebig ausweitbare Einnahmequelle. Eine höhere Steuerbelastung gefährdet die Einnahmebasis der Stadt. Wer den Wirtschaftsstandort schwächt, riskiert das Problem zu verschärfen, das eigentlich gelöst werden soll.”
Mit der geplanten Erhöhung wäre Mannheim der mit Abstand teuerste Standort in Baden-Württemberg und der Region. Die zusätzliche Belastung für Mannheimer Unternehmen läge bei rund 30 Millionen jährlich.
Der Vergleich mit anderen deutschen Großstädten mit noch höheren Sätzen greift zu kurz, da sich die Rahmenbedingungen und das Leistungsangebot für Unternehmen deutlich unterscheiden. Maßgeblich für die Wettbewerbsfähigkeit Mannheims ist insbesondere der Vergleich mit den Standorten in der Metropolregion Rhein-Neckar und im Süden Deutschlands. Ein konkretes Beispiel: Eine Kapitalgesellschaft mit einem Gewerbeertrag von einer Million Euro würde zukünftig in Mannheim 164.000 Euro Gewerbesteuer zahlen, 66.000 Euro mehr als in Walldorf. Insgesamt läge der Gewerbesteuersatz ab Jahreswechsel in Mannheim 68 Prozent höher als in Walldorf. Die Gesamtsteuerbelastung im vorliegenden Beispiel erreicht bei ausgeschütteten Gewinnen im Übrigen annährend eine halbe Million Euro.
Besonders kritisch wirkt sich ein hoher Gewerbesteuersatz auf Neuansiedlungen und wachsende Unternehmen aus. Diese reagieren sensibel auf steuerliche Standortnachteile bzw. zusätzliche Kosten. Mannheim hat sich in den vergangenen Jahren ein vielversprechendes Innovations- und Gründungsökosystem aufgebaut. “Dieses Potenzial darf nicht durch eine zusätzliche steuerliche Belastung gefährdet werden. Wenn sich Start-ups in der entscheidenden Wachstumsphase wettbewerbsfähigere Standorte in der Region oder außerhalb suchen, ist Mannheim nicht geholfen", mahnt der IHK-Präsident. "Mannheim braucht einen Haushalt, der die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt sichert, ohne die Grundlage ihres Wohlstands zu gefährden”, so Schnabel abschließend.
