IHK-Energiewendebarometer 2026 für Baden-Württemberg

Die Wirtschaft in Baden-Württemberg sieht nach wie vor deutlich mehr Risiken als Chancen für die eigene Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende. Die Unternehmen bleiben weiterhin skeptisch.

Viele Unternehmen halten eigene Klimaneutralität bis 2045 für wenig realistisch

Die Unternehmen optimieren seit Jahren ihre Energieversorgung und den Energieverbrauch – insbesondere durch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz oder den Aufbau eigener Energieerzeugungskapazitäten. Darüber hinaus beschäftigen sich Betriebe in Baden-Württemberg auch zahlreich und in steigendem Maße mit dem Umbau ihrer Wärmeversorgung. Und dennoch: Die Zahl derer, welche erwarten, bis spätestens 2045 klimaneutral sein zu können, ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen markant von 80 Prozent in 2025 auf 43 Prozent in 2026 zurückgegangen. Gleichzeitig stieg der Anteil an Unternehmen, die sich gar kein Ziel (mehr) gesetzt haben, sprunghaft von 12 auf 44 Prozent an.

Fehlende Planbarkeit und Bürokratie hemmen Transformation

Zu viel Bürokratie ist aus Sicht von 66 Prozent der baden-württembergischen Betriebe das größte Hemmnis für mehr und schnellere betriebliche Maßnahmen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Hinzu kommen fehlende Informationen bzw. Planbarkeit und Verlässlichkeit der Energiepolitik (62 Prozent) sowie nach wie vor zu langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren (48 Prozent). Beide Werte haben gegenüber der Umfrage von 2025 wieder zugenommen. Bei Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten kommen zunehmende Schwierigkeiten bei der Finanzierung bzw. fehlendes Kapital hinzu.
“Die Unternehmen leisteten und leisten gerne ihren Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende. Wenn Bürokratie und fehlende Planbarkeit die wirtschaftliche Grundlage für Investitionen gefährden, können viele Betriebe keine verlässlichen und zeitlich fixen Klimaneutralitätsziele festlegen. Das ist kein Rückzug aus der Verantwortung, sondern Ausdruck der schwierigen Rahmenbedingungen”, betont der BWIHK-Präsident.

Energiekosten sind ein Standortproblem

Hinzu kommt: Nach wie vor liegen die Preise für Gas und Strom höher als das Vorkrisenniveau. Die Energiepreise verbleiben zudem auf einem im internationalen Vergleich hohen Niveau. Durch die globalen Konflikte kommt hinzu, dass teils starke Preisschwankungen auftreten – für mehr als die Hälfte der Unternehmen ist die Bedeutung von Energiepreisschwankungen auf das eigene Geschäft in den letzten 12 Monaten auch gestiegen.
Die hohen Energiepreise drücken dabei genauso auf die Investitionsfähigkeit. So geben gut drei von zehn Betrieben an, Investitionen in wichtige Kernprozesse zurückzustellen. Ein Viertel kann sich nach eigenen Angaben mit weniger Mitteln im Klimaschutz engagieren. In der Industrie fallen die Werte teils spürbar höher aus. "Dies unterstreicht, wie wichtig wirksame Entlastungen bei den Energiekosten sind, damit notwendige Transformations- und Zukunftsinvestitionen nicht ausbleiben", sagt Roell.

Immer häufiger Verlagerungen ins Ausland

Für immer mehr Firmen ist zudem die Verlagerung von Kapazitäten ins Ausland bzw. die Einschränkung der Produktion im Inland das Mittel der Wahl. Über alle Betriebe hinweg denkt fast jedes fünfte Unternehmen daran. Etwa 13 Prozent der Unternehmen haben eine solche Maßnahme inzwischen bereits realisiert oder in Umsetzung. In der Industrie – gerade den Betrieben mit 500 oder mehr Beschäftigten – liegen die Anteile sogar noch erheblich höher. Insgesamt nehmen die Werte seit Jahren zu – eben auch bei bereits laufenden oder sogar schon umgesetzten Maßnahmen.

Informationen zur BW-Auswertung zum IHK-Energiewende-Barometer

Der BWIHK veröffentlicht die Auswertung des Energiewende-Barometers für Baden-Württemberg. Dieses fasst – zum 15. Mal seit Start 2012 – verschiedene Ergebnisse einer Online-Unternehmensbefragung zusammen, an der sich IHK-Unternehmerinnen und -Unternehmer bundesweit beteiligt haben. Ziel des Barometers ist, jährlich eine umfassende Bewertung von Wirtschaftsakteuren hinsichtlich Fortschritten bei Energiewende und aktueller Klima- und Energiewendepolitik in Deutschland und Baden-Württemberg zu erhalten.
Der Befragungszeitraum erstreckte sich vom 8. bis zum 26. Juni 2026. Deutschlandweit haben 3.085 Unternehmen auf die Befragung geantwortet. Davon stammen 489 Betriebe aus Baden-Württemberg; 224 der Antwortgeber aus dem Land sind der Industrie zugehörig.
Quelle: BWIHK