Vorbereitung Krisenfall
Phishing, Ausfall von Infrastruktur oder größere Bedrohungsszenarien: Betriebe können sich schützen – indem sie rechtzeitig vorsorgen. Auch wenn Sicherheit Geld kostet und hoffentlich nie gebraucht wird, so rettet die vorsorgliche Beschäftigung mit Schwachstellen oft den Fortbestand eines Unternehmens.
Unternehmenscheck Resilienz
Unsere folgenden Tipps sollen Ihnen einen ersten Überblick geben, wo Sie bei Ihrer internen Krisenvorbeugung anfangen können. Die Aufzählung ist nicht abschließend.
- Cyberangriffe: Checken Sie regelmäßig Ihre IT-Systeme. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter, weisen Sie auf mögliche Einfalltore für Kriminelle hin.
- Spionage oder Sabotage: Ihr Unternehmen stellt sicherheitsrelevante Produkte her oder ist Ansprechpartner für Dienstleistungen rund um kritische Infrastrukturen? Überprüfen Sie Ihre internen Informationskanäle. Setzen Sie sich bei Verdachtsfällen unverzüglich mit dem Amt für Verfassungsschutz in Verbindung.
- Personalausfälle: Wissen Sie, wer in Ihrem Unternehmen Reservist bei der Bundeswehr oder ehrenamtliches Mitglied von Rettungsdiensten oder anderen Organisationen ist – und damit im Krisenfall möglicherweise nicht zur Verfügung stünde? Informieren Sie sich, legen Sie entsprechende Listen an und erstellen Sie Notpläne, damit die wichtigsten Abläufe im Betrieb nicht gefährdet sind.
- Wegfall von Kraft- und Betriebsstoffen: Im Ernstfall können Lieferketten gestört sein und damit auch der Zugang zu Benzin und Co. Überprüfen Sie, ob Sie einen Vorrat anlegen können. Lagern Sie Gefahrstoffe sicher, damit es nicht zur nächsten Bedrohung kommt.
- Störungen bei der Stromversorgung: Es muss nicht gleich Krieg sein. Ein Baum, der auf einen Strommasten fällt, kann den gleichen Effekt haben – der Strom ist weg. Haben Sie Notstromaggregate zur Verfügung? Gibt es Eigenversorgungsanlagen, die Sie im sogenannten Inselbetrieb laufen lassen können?
- Lahmlegung der Kommunikation: Vieles ist miteinander vernetzt. Mobilfunk, Internet und Co. Wenn ein System ausfällt, kann gleich alles betroffen sein. Dann schlägt die Stunde analoger Meldeketten. Vereinbaren Sie möglicherweise Treffpunkte und -zeiten in Notsituationen.
- Einschränkung von Lieferketten: Die Corona-Pandemie hat es gezeigt. Keine Lieferkette ist sicher. Auch Lieferanten innerhalb Deutschlands können ausfallen – und dann steht Ihr Geschäft still. Streuen Sie Aufträge und überlegen Sie sich Alternativen für den Notfall. Denn auch hier gilt: Es muss nicht gleich eine Pandemie oder eine andere große Bedrohung sein. Wenn einer Ihrer Geschäftspartner einen Unfall hat und Produkte nicht mehr geliefert werden können, haben Sie ebenfalls ein Problem.
Die IHK Bodensee-Oberschwaben hat einen ausführlichen Leitfaden und Checkliste Gesamtverteidigung erstellt. Dort finden Sie weitere und noch ausführlichere Hinweise. Um ein koordiniertes Vorgehen beim Themenfeld “Sicherheit und Verteidigung“ auf Landesebene sicherzustellen, wurde bei der IHK Bodensee-Oberschwaben die Koordinierungsstelle ”Gesamtverteidigung“ der baden-württembergischen IHKs eingerichtet.
Norm als Leitfaden zur physischen Unternehmenssicherheit
Im Rahmen der Initiative Wirtschaftsschutz des Bundesministeriums des Innern (BMI) wurde die Erstellung einer „DIN SPEC“ zur Unternehmenssicherheit gefördert. Die DIN SPEC 14027 „Corporate Security – Anforderungen zur Stärkung physischer Resilienz von Organisationen“ (kostenfrei) enthält Schritte zur Stärkung der physischen Resilienz von Organisationen und legt Anforderungen an die baulichen, technischen, personellen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor Schadensereignissen fest. Das Dokument ist unabhängig von der Organisationsgröße und -branche anwendbar. Mit Blick auf die Steigerung der unternehmenseigenen Resilienz kann die Vorlage komplett als auch nur in Teilbereichen zum Einsatz kommen, selbst wenn man sie nur als Leitfaden / Checkliste verwendet. Es werden verschiedene Sicherheitslevels bzw. Schutzniveaus, die in Abhängigkeit von der jeweiligen Asset-Kritikalität und Risiko-Exposition stehen, definiert.
Eine DIN SPEC (Specification) ist ein anerkannter Standard, der im Vergleich zu einer klassischen DIN-Norm deutlich schneller und in kleineren Gruppen (Konsortien) erarbeitet wird. Sie dient dazu, neue Technologien, Produkte oder Dienstleistungen schnell und unkompliziert zu standardisieren, für die es noch keine offizielle Norm gibt.
Zentrale Handlungsfelder der vorbeugenden Corporate Security
Die DIN SPEC 14027 definiert erstmals einen umfassenden, strukturieren Standard für Corporate Security in Organisationen. Ziel ist es, die physische Resilienz systematisch zu stärken und einen standardisierten, prüfbaren Rahmen für Sicherheitsmaßnahmen bereitzustellen. Die Norm richtet sich bewusst an alle Unternehmen und Organisationen unabhängig von Größe, Branche und Komplexität und dient insbesondere dem Aufbau einer Sicherheitsfunktion (z. B. für KMUs), der Weiterentwicklung bestehender Sicherheitsstrukturen, sowie als Benchmarking- und Audit-Grundlage für große Organisationen. Dabei schließt sie eine Lücke zwischen etablierten Standards (z. B. IT Sicherheit) und physischer Sicherheit.
Die Norm deckt insbesondere folgende Aspekte ab:
Die Norm deckt insbesondere folgende Aspekte ab:
- Störungs-, Notfall- und Krisenmanagement
- Business Continuity Management
- Standortsicherheit
- Personenschutz
- Veranstaltungsschutz
- Bedrohungsmanagement
- Reisesicherheit
- Integritätsprüfung
- Know-how-Schutz
- Lieferkettensicherheit
- Auswahl und Steuerung von sicherheitsbezogenen Dienstleistungen
- Aufbau und Betrieb eines Sicherheitsmanagementsystems
Die DIN SPEC 14027 ergänzt das Business Continuity Management nicht, sondern verschiebt den Fokus nach vorne – von der Reaktion auf Störungen hin zur präventiven Sicherung der physischen Resilienz.
- ISO 22301 / BSI 200-4 = “Wie halte ich den Betrieb aufrecht?”
- ISO 22361 = “Wie führe ich durch die Krise?”
- DIN SPEC 14027 = “Wie verhindere ich, dass ich überhaupt in die Krise komme?”
Die IHK für die Pfalz, Ludwigshafen, bietet einen Weiterbildungskurs zum Krisenmanagement-Beauftragten (IHK) an, welcher den Aufbau und Weiterentwicklung eines wirksamen Krisenmanagementsystem nach ISO 22361 ermöglicht, Krisenstabsarbeit trainieren und das Führen in Ausnahmesituationen aufzeigt.
Das BMI fasst mit dem Papier zur Nationalen Wirtschaftsschutzstrategie aktuelle Ansätze der Resilienzstrategie der Wirtschaft und die Ziele der Bundesregierung zusammen.
Links und Downloads
- VSW Bundesverband – Leitblätter und Leitfaden (Link: https://www.vsw-bundesverband.de/downloads/leitblaetter-leitfaeden/)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe – Zivile Verteidigung (Link: https://www.bbk.bund.de/DE/Das-BBK/Zivile-Verteidigung/zivile-verteidigung_node.html)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe – Notfallvorsorge-Konzepte (Link: https://www.bbk.bund.de/DE/Themen/Risikomanagement/Notfallvorsorge/notfallvorsorge_node.html)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz – Warnmeldungen in der Übersicht (Link: https://warnung.bund.de/meldungen)
- BMI – Initiative Wirtschaftsschutz (Link: https://wirtschaftsschutz.info/)
- BMI – Spionageabwehr, Wirtschafts- und Geheimschutz (Link: https://www.bmi.bund.de/DE/themen/sicherheit/spionageabwehr-wirtschafts-und-geheimschutz/spionageabwehr-wirtschafts-und-geheimschutz-node.html)
