Feststellungsverfahren bestanden: Interview mit Muhammad
Muhammad Mubeen Zafar war im Februar 2025 die erste Person, die bundesweit das IHK-Feststellungsverfahren abgeschlossen hat. Für den Koch eine Bestätigung seines Könnens.
Mit dem Feststellungsverfahren kann ich nun meine Kompetenz als Koch mit einem Zeugnis belegen.
Der Weg zum Koch war für Muhammad Mubeen Zafar ein steiniger. 2019 war der heute 30-Jährige aus Pakistan nach Heidelberg gekommen, um am Programm “Cook your Future” teilzunehmen. Dieses Qualifizierungsprojekt der Jugendagentur Heidelberg für Geflüchtete und Migranten im Hotel-, Gastronomie- und Hauswirtschaftsgewerbe unterstützte zwischen 2017 und 2023 zahlreiche Personen in ihrem Sprach- und Berufserwerb. Doch Muhammad Mubeen Zafar, der im Heidelberger Schloss eine Ausbildung zum Koch machen wollte, hatte mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Während seine Leistungen von seinem Chef Martin Scharff und dem ganzen Küchenteam sehr geschätzt wurden, bildete sich dies bei den Prüfungen nicht ab. Dreimal scheiterte er beim Examen – nicht etwa im praktischen Teil, sondern in der schriftlichen Theorie-Prüfung. Grund waren aus Sicht von Personalreferentin Asma Ouanasse in erster Linie Defizite bei den Deutschkenntnissen, trotz Mubeen Zafars hoher fachlicher Qualifikation. “Die Enttäuschung unseres angehenden jungen Kochs war riesig, und unsere auch”, erinnert sich Martin Scharff.
Der Geschäftsführer der Heidelberger Schloss Restaurants & Events GmbH & Co. KG wollte Muhammad Mubeen Zafar aber unbedingt die Chance eröffnen, seinen beruflichen Werdegang und seine Erfahrung in einem Zeugnis zu dokumentieren. Die Möglichkeit dazu fand er in Zusammenarbeit mit Martje Hoekmeijer, der Spezialistin bei der IHK Rhein-Neckar für Validierungsverfahren von beruflichen Kompetenzen. Seit Januar 2025 bietet die IHK das sogenannte Berufliche Feststellungsverfahren nach Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz (BVaDiG) in allen dualen Ausbildungsberufen an. “Damit können Menschen ohne Berufsabschluss ihre beruflichen Kompetenzen anhand der Ausbildungsordnung eines Referenzberufs offiziell validieren lassen“, erklärt sie. Hoekmeijer hatte bereits sechs Jahre lang das Vorgänger-Verfahren ”ValiKom Transfer" betreut, mit dem das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Verfahren vor der Verabschiedung des neuen Gesetzes testen wollte. Die IHK Rhein-Neckar hatte dabei als Pilotkammer rund 200 Validierungsverfahren durchgeführt und in 180 Fällen eine Gleichwertigkeit feststellen können.
Nach der erfolgreichen Prüfung: Muhammad Mubeen Zafar (links) mit Martin Scharff.
Mit dem neuen Feststellungsverfahren habe es das Berufsanerkennungsverfahren endlich in die deutsche Gesetzgebung geschafft, sagt Hoekmeijer. “Ein erfolgreiches Feststellungsverfahren mündet in einem Zertifikat, das die Vergleichbarkeit mit einem formalen Berufsabschluss bescheinigt. Das kann die beruflichen Perspektiven erheblich verbessern”, erläutert die IHK-Expertin. Geholfen werde einerseits den Menschen, die viel Berufserfahrung, aber keinen anerkannten Abschluss haben. “Oft haben sie zu wenige Deutschkenntnisse, sind aber beruflich topfit. Mit dem Feststellungsverfahren haben sie ein offizielles Zeugnis in der Tasche, mit dem sie sich einfacher bewerben können”, schildert Hoekmeijer. Diese Anerkennung ihrer Fähigkeiten sei für viele Betroffenen aber nicht nur für den weiteren Berufsweg nützlich. Es stärke vielmals auch das Selbstwertgefühl.
Geholfen werde aber auch den Unternehmen, die teilweise händeringend nach Fachkräften suchen, gerade – wie im vorliegenden Fall – in der Gastronomie und Hotellerie, aber eben auch in anderen Branchen. Neben dem Beitrag zur Fachkräftesicherung seien auch die Stärkung der Mitarbeiterbindung und die Motivation zur Weiterentwicklung wichtige Argumente für die offizielle Feststellung von Kompetenzen.
Das bestätigt auch Martin Scharff, der vom Feststellungsverfahren und den damit verbundenen Möglichkeiten für Mitarbeiter und Unternehmen begeistert ist: “Das Ergebnis ist für uns alle unglaublich motivierend. Wir werden weiter alle Mitarbeiter unterstützen, die den Willen haben, auf diesem Weg einen Abschluss zu erzielen.” Die Heidelberger Schloss Restaurants & Events GmbH hat zur Prüfung die Räume und die Küche zur Verfügung gestellt, den Wareneinkauf ermöglicht, die Prüfungsgebühr übernommen und Muhammad Mubeen Zafar bei Bedarf freigestellt. Dafür ist der junge Mann “seinen tollen Chefs und den Kollegen” sehr dankbar: “Ich habe lange in der Küche gearbeitet. Mit dem Feststellungsverfahren kann ich nun meine Kompetenz als Koch mit einem Zeugnis belegen. Darauf bin ich sehr stolz.”
“Und stolz darf er auch sein, denn er hat unglaublich hart dafür gearbeitet”, bestätigt Personalreferentin Asma Ouanasse. "Es hat uns alle – auch die Kollegen, die feststellenden Prüfer und mich – ein bisschen emotional mitgenommen, nach der erfolgreichen Prüfung mitzuerleben, wie wichtig diesem jungen Koch der Nachweis seiner Fähigkeiten war“, freut sich auch Martje Hoekmeijer.
Autorin: Kira Hinderfeld
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