Pressemeldung
Wirtschaft fordert mehr Tempo
Wie kann der Wirtschaftsstandort Cham in einer Phase globaler Unsicherheit wettbewerbsfähig bleiben? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Sitzung des IHK-Gremiums Cham zu Gast bei der Sparkasse im Landkreis Cham. Diskutiert wurden die Folgen geopolitischer Spannungen für Unternehmen ebenso wie konkrete Herausforderungen vor Ort, von Infrastruktur und Energie bis hin zum Fachkräftemangel.
Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl begrüßte zur Sitzung Christian Volkmer, Präsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, den neuen Chamer Landrat Christian Schindler, Volkswirt Dr. Andreas Scheuerle von der DekaBank in Frankfurt sowie Susanne Stauber, neue Leiterin der Agentur für Arbeit in Cham. „Die Unternehmen in unserer Region brauchen in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen vor allem Verlässlichkeit, Tempo und bessere Rahmenbedingungen“, betonte Plößl.
Weltwirtschaft im Wandel
Volkswirt Dr. Andreas Scheuerle zeichnete ein nüchternes Bild der internationalen Lage. Deutschland investiere seit Jahren zu wenig, das Wachstum bleibe schwach und die Weltwirtschaft werde zunehmend von geopolitischen Interessen geprägt. Die Phase einer stark globalisierten und effizienzorientierten Produktion gehe zu Ende. Stattdessen gewännen protektionistische Maßnahmen und staatliche Eingriffe an Bedeutung. Die Produktion werde zunehmend in die Nähe von Absatzmärkten verlagert oder in „befreundete“ Länder verlegt, Lieferketten würden strategisch abgesichert.
Für Deutschland und Europa bedeute das eine schwierige Position zwischen den wirtschaftlichen Machtzentren USA und China. Internationale Krisen, Handelskonflikte, Subventionen und neue Wettbewerber verschärften den Druck zusätzlich. Deutschland stehe vor einem grundlegenden wirtschaftlichen Umbruch, auf den das Land bislang nur unzureichend vorbereitet sei. Besonders die Industrie – traditionell Rückgrat der deutschen Wirtschaft – sieht sich mit großen Herausforderungen konfrontiert, etwa durch eine veränderte Nachfrage und die zunehmende Konkurrenz aus China.
Scheuerle machte deutlich, dass die notwendigen Reformansätze bekannt seien, es jedoch bislang an der konsequenten und zügigen Umsetzung fehlte. Dazu zählen insbesondere Bürokratieabbau, Investitionen in Infrastruktur, Reformen am Arbeitsmarkt sowie eine zukunftsfähige Steuer- und Sozialpolitik. Mit den jüngsten Beschlüssen der Bundesregierung wurde immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung getan.
Pragmatische Lösungen gefragt
Im Austausch mit Landrat Christian Schindler rückten konkrete Zukunftsfragen für die Region in den Fokus. Als zentrale Aufgaben nannte Schindler den Ausbau der Infrastruktur, schnellere Fortschritte beim Thema Schiene, die Stärkung der regionalen Energieversorgung und den Abbau bürokratischer Hürden. Viele Unternehmen kämpften derzeit weniger mit fehlenden Ideen und Innovationskraft als mit hohen Energiepreisen und langwierigen Genehmigungsverfahren. Hier brauche es aus Sicht des Landrats schnellere und pragmatischere Lösungen.
Auch beim Thema Fachkräftemangel seien neue Wege gefragt – von einer starken Ausbildung vor Ort bis hin zu gezielter Zuwanderung und einfacheren Anerkennungsverfahren. Gleichzeitig betonte Schindler die Rolle einer leistungsfähigen Verwaltung, die Unternehmen voranbringe statt bremse. Einigkeit bestand darin, dass der Standort nur dann stark bleibe, wenn alle Akteure weiterhin effizient und vertrauensvoll zusammenarbeiten. „Wirtschaft, Kommunalpolitik und Verwaltung – das hat im Landkreis Cham immer gut funktioniert und hat unsere Region sehr erfolgreich gemacht“, sagte Gremiumsvorsitzender Plößl.
Diskutierten über die geopolitische Lage und regionale Zukunftsaufgaben (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes, IHK-Präsident Christian Volkmer, Dr. Andreas Scheuerle von der DekaBank, der Chamer Landrat Christian Schindler, Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl, Gremiumsgeschäftsführer Richard Brunner sowie Gastgeber und langjähriger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Cham Franz Wittmann, der als jahrzehntelanges, engagiertes Mitglied in IHK-Gremien verabschiedet wurde.