Umwelt-Regulatorik als Wettbewerbsfaktor
Die bayerische Wirtschaft steht hinter dem Schutz der Umwelt und sieht diesen als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Jedoch hemmen eine zunehmend komplexe Regulatorik, wachsender Dokumentationsaufwand und fehlende Planungssicherheit die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Firmen – das zeigt eine neue Umfrage der IHK.
Die IHK-Organisation hat 2025 erstmals die Unternehmensbefragung „IHK-Umweltbarometer“ durchgeführt und damit ein Stimmungsbild zur aktuellen Umweltpolitik eingeholt. Die bayerische Auswertung zeigt, dass rund ein Drittel der Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die komplexe Umwelt-Regulatorik negativ beeinflusst sieht. Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, mahnt: „Unseren Mitgliedsunternehmen liegt der Umweltschutz am Herzen. Es darf allerdings nicht sein, dass komplizierte Anforderungen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe negativ beeinflussen.“
Für etwa ein Drittel der Unternehmen hat laut Umfrage die Kreislaufwirtschaft – branchen- und größenunabhängig – den größten Einfluss auf ihre Wettbewerbsfähigkeit. Parallel zu den betrieblichen Umweltschutzvorgaben gewinnen die produktspezifischen Anforderungen bei rund 44 Prozent der Betriebe zunehmend mehr Gewicht.
Hoher Dokumentationsaufwand
Neben der eigentlichen technischen Umsetzung der Umweltvorgaben stellen Dokumentationspflichten einen großen Bestandteil der Auflagenerfüllung dar. Bei rund einem Viertel der Unternehmen erfordert der Dokumentationsaufwand für die Umwelt-Regulatorik mehr als acht Stunden Zeitaufwand pro Woche. Knapp 90 Prozent der befragten Betriebe sind sich einig: Sie wünschen sich einen Abbau unnötiger bürokratischer Regularien. „Die IHK setzt sich seit jeher für den Abbau bürokratischer Hürden ein – besonders im Umweltbereich sehen wir enormen Bedarf. Daher appellieren wir an die Politik, unsere heimische Wirtschaft mit einer Verschlankung der Berichts- und Dokumentationspflichten endlich spürbar zu entlasten“, betont Helmes.
Als größte Herausforderungen für die Umsetzung der Umweltregularien werden der laufende Aufwand an Sach- und Personalkosten sowie die Vielzahl an Berichtspflichten genannt. Beide Faktoren sind eng miteinander verknüpft und bedingen sich gegenseitig. Darüber hinaus beanstanden 43 Prozent der Unternehmen die fehlende Planungssicherheit sowie ein Drittel zu lange Genehmigungsverfahren.
EU-Vorgaben harmonisieren
Mit dem Abbau bürokratischer Belastungen und einer praxisgerechten Gestaltung der Rahmenbedingungen sei es aber noch nicht getan. „Oft werden europarechtliche Vorgaben in den EU-Mitgliedstaaten unterschiedlich umgesetzt. EU-weit einheitliche Spielregeln würden den Binnenmarkt deutlich stärken und rechtliche Unsicherheiten abbauen“, sagt Tobias Hornauer, Umweltreferent bei der IHK.
Um den Umweltschutz im Betrieb noch besser voranbringen zu können, fordert rund ein Drittel der Unternehmen einen einfacheren Zugang zu öffentlichen Fördermitteln. Auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Umweltbehörden gibt es aus Sicht der Wirtschaft Verbesserungsdarf. Hier sieht rund jedes vierte Unternehmen Herausforderungen aufgrund unzureichender Qualifikation der Behördenvertreter.
Im IHK-Umweltbarometer wurden 2025 bundesweit IHK-Mitgliedsunternehmen befragt, wie sich die Umweltpolitik auf ihre Wettbewerbsfähigkeit auswirkt. An der Umfrage beteiligten sich deutschlandweit 1.674 Firmen aller Branchen, davon 312 aus Bayern.
Hier finden Sie die gesamte Auswertung für Bayern als Download (PDF-Datei · 1588 KB).