Pressemeldung
Standort gezielt weiterentwickeln
Die Mitglieder des IHK-Gremiums Cham tauschten sich gemeinsam mit Expertinnen der IHK über die aktuelle Entwicklung des Tourismus in der Region sowie über die Perspektiven und Herausforderungen des Wirtschaftsstandorts Cham aus.
Wie gut sind die Betriebe im Landkreis Cham aufgestellt, um künftige Herausforderungen zu meistern? Und welche Rahmenbedingungen sind seitens Politik und Verwaltung dafür nötig? Darüber diskutierten die Unternehmerinnen und Unternehmer des IHK-Gremiums Cham in ihrer jüngsten Sitzung in der Chamer Stadthalle. „Unser Landkreis steht national wie international vergleichsweise noch gut da – dank der hohen Innovationskraft der Betriebe und der großen Einsatzbereitschaft ihrer Mitarbeitenden“, betonte Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl.
Zugleich kritisierte er, dass politische Reformen bisher ausgeblieben seien: „Nicht einmal die milliardenschweren Investitionspakete aus dem Sondervermögen des Bundes generieren spürbare Impulse.“ Um den Status quo des Wirtschaftsstandorts Cham einzuordnen, begrüßte Plößl zur Sitzung IHK-Tourismusreferentin Silke Auer sowie Sibylle Aumer, IHK-Bereichsleiterin Regionalpolitik, Arbeitsmarkt und Statistik. Auer stellte die Ergebnisse der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ vor, Aumer präsentierte die aktuelle Standortzufriedenheitsanalyse der IHK.
Wirtschaftsmotor Tourismus
Bereits zum dritten Mal wurde die Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) im Auftrag der IHK in Regensburg, der IHK Niederbayern sowie des Tourismusverbandes Ostbayern durchgeführt. Ziel der Untersuchung sei es, die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus anhand belastbarer Zahlen zu untermauern. „Die Branche trägt in unserer Region maßgeblich zu Einkommen, Beschäftigung und regionaler Entwicklung bei“, sagte Silke Auer.
Die Studie zeige, wie wichtig der Tourismus für Ostbayern sei: Der Bruttoumsatz in der Branche stieg von 4,4 Milliarden Euro (2014) auf 5,2 Milliarden Euro (2024). Der Tourismus schaffe in Ostbayern rund 82.000 Arbeitsplätze und generiere Einkommenseffekte von etwa 2,5 Milliarden Euro. „Wesentlich für die Region ist der Tagestourismus, der mit 45,4 Prozent des Umsatzes einen Großteil des wirtschaftlichen Beitrags leistet“, so die Tourismusexpertin. Die Branche profitiere zudem von den Übernachtungen, die 2024 rund 19,8 Millionen erreichten. Im Bayerischen Wald stiegen diese um 3,5 Prozent im Vergleich zu 2019.
Dabei variiere die Übernachtungsdauer in Stadt und Land: Gäste im Bayerischen Wald blieben mit 3,5 Übernachtungen im Schnitt fast doppelt so lange wie zum Beispiel in Regensburg. Die durchschnittlichen Ausgaben der Touristen lägen bei 144 Euro pro Tag. Die kommunalen Steuereinnahmen aus den touristischen Umsätzen beliefen sich in Ostbayern auf etwa 481 Millionen Euro, so Auer. Der Bayerische Wald sei dabei eine Vorzeigeregion – Oberbayern oder das Allgäu blickten derzeit mit Anerkennung auf die Entwicklung, bestätigte auch Hotelier und DEHOGA-Vizepräsident Andreas Brunner. Vor Ort habe sich ein sanfter Naturtourismus etabliert, von dem Kommunen und weitere Wirtschaftsbereiche erheblich profitierten. Ziel müsse daher sein, die intakte Natur als Grundlage für Tourismus und Lebensqualität vor Ort zu erhalten.
Wirtschaftsregion auf dem Prüfstand
Ob Firmen sich ansiedeln oder langfristig an einem Standort bleiben, hängt maßgeblich von wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen vor Ort ab. Die IHK befragt alle fünf Jahre Unternehmen aus verschiedenen Branchen, wie zufrieden sie mit ihrem Standort sind. „Ziel ist es, die Stärken und Schwächen des Wirtschaftsraums im Standortwettbewerb sichtbar zu machen. Die Rückmeldungen zeigen sowohl wirtschaftspolitische Gestaltungsmöglichkeiten als auch notwendige Handlungsfelder auf“, erklärte Sibylle Aumer, die für die Standortumfrage 2025 der IHK verantwortlich ist.
Der Landkreis Cham erhält von den ansässigen Unternehmen insgesamt die Schulnote 2,7 und bleibt damit ein solider Wirtschaftsstandort. Positiv wird die Qualität und Zuverlässigkeit der Energieversorgung bewertet, auch wenn hohe Strompreise als Standortnachteil angesehen werden. Für die Betriebe haben vor allem die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter eine herausragende Bedeutung. Als weiteren klaren Vorteil des Standorts sehen viele Unternehmen zudem das akademische Bildungsangebot vor Ort, das zur Fachkräftegewinnung beiträgt. Auch ausländische Beschäftigte spielen eine wichtige Rolle im regionalen Arbeitsmarkt und sind für viele Betriebe unverzichtbar.
Rund 27 Prozent der befragten Betriebe planen in den kommenden fünf Jahren eine Erweiterung vor Ort. „Bei der Standortumfrage 2020 gaben allerdings noch 35,4 Prozent der Betriebe im Landkreis Cham an, ihren bestehenden Standort erweitern zu wollen. Das wären wichtige Investitionen, die dann ausbleiben“, gab Aumer zu bedenken. Die Angaben zu geplanten Schließungen stiegen seitdem um zehn Prozentpunkte. Gleichzeitig zeigt die Umfrage deutlichen Handlungsbedarf bei der Verfügbarkeit von Fachkräften, der Dauer von Genehmigungsverfahren sowie bei digitalen Verwaltungsverfahren. „Insgesamt macht die Befragung deutlich, wo der Wirtschaftsstandort Cham bereits stark ist – und an welchen Stellen auch seitens der politischen Entscheidungsträger nachjustiert werden muss“, fasste Aumer zusammen.
Wirtschaftsgespräch zur Landratswahl
Im Anschluss fand unter dem Titel „Klartext für den Landkreis Cham“ eine Podiumsdiskussion zur Landratswahl 2026 statt. Die Wirtschaftsjunioren Cham und die IHK, die das Wirtschaftsgespräch gemeinsam organisierten, begrüßten dazu in der Stadthalle die Landratskandidaten des Landkreises Cham. Zu mehreren wirtschaftspolitischen Themengebieten könnten sich die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Überblick über die Motivation und Ziele der sechs anwesenden Kandidaten machen.
Diskutierten gemeinsam mit den Mitgliedern des IHK-Gremiums Cham über Tourismus und Standortentwicklung (v.l.): Gremiumsvorsitzender Dr. Alois Plößl, IHK-Tourismusexpertin Silke Auer, IHK-Bereichsleiterin Sibylle Aumer und IHK-Geschäftsstellenleiter in Cham Richard Brunner.