Pressemeldung

Qualität und Nähe als Antwort auf globalen Billig-Wettbewerb

Die Frühjahrssitzung des Handelsausschusses der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim verdeutlichte den massiven Druck auf den regionalen Handel durch konjunkturelle Unsicherheiten und den aggressiven Wettbewerb durch internationale Drittstaaten-Plattformen. Während heimische Handelsunternehmen hohe Standards bei Produktsicherheit und Arbeitsbedingungen erfüllen müssen, verschaffen sich zahlreiche Drittstaatenhändler durch die Umgehung von Zoll- und Umweltvorgaben Wettbewerbsvorteile.
Zudem belasten neue regulatorische Anforderungen, wie die erweiterten Pflichten im Elektrogesetz und das kommende „Recht auf Reparatur“ mit verlängerten Gewährleistungsfristen, die mittelständischen Unternehmen. „Es ist daher dringend erforderlich, dass auf europäischer und nationaler Ebene für faire Wettbewerbsbedingungen gesorgt wird. Gleiche Regeln müssen für alle Marktteilnehmer gelten – unabhängig davon, wo sie ihren Sitz haben.“ betonte die stellvertretende Vorsitzende des Handelsausschusses, Frau Sandra Bachfischer.

Konsumverhalten und Marktrealitäten

Dr. Natalie Schmiede vom Mittelstand-Digital Zentrum Handel/ibi research an der Universität Regensburg analysierte die Auswirkungen dieser Entwicklung auf das Konsumverhalten. Trotz eines wachsenden Bewusstseins für problematische Produktionsbedingungen dominiert bei vielen Verbrauchern der niedrige Preis als Kaufargument. Verstärkt wird dieses Verhalten durch psychologisch optimierte Verkaufsmechanismen in den Apps. Dass dieser Preis oft zulasten der Sicherheit geht, belegten aktuelle Testkäufe: 96 % der geprüften Artikel wiesen formale Mängel auf, und knapp ein Drittel der Produkte – insbesondere im Kinderbereich – musste wegen technischer Defizite und Sicherheitsrisiken wie Strangulations- oder Verschluckgefahr offiziell gemeldet werden.
Heimische Händler können sich in diesem Umfeld als verlässliche Qualitätsgaranten positionieren. „Mit den Preisen internationaler Plattformen können viele Handelsbetriebe im klassischen Wettbewerb kaum mithalten. Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen ihre eigenen Stärken klar herausarbeiten und für sich eine tragfähige Strategie entwickeln“, betonte die stellvertretende Vorsitzende des Handelsausschusses, Sandra Bachfischer. „Der lokale Handel muss seine Nischen finden – etwa über Beratung, Qualität, Service oder besondere Einkaufserlebnisse. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass diese Plattformen inzwischen einen festen Platz im Markt haben. Sie sind gekommen, um zu bleiben.“

Digitale Sichtbarkeit, lokale Frequenz

Neben dem Wettbewerb durch internationale Plattformen beschäftigte sich der Ausschuss auch mit neuen Vertriebs- und Kommunikationsmöglichkeiten im digitalen Handel. Felix Wunnike von der Agentur TPA Media stellte aktuelle Entwicklungen im Bereich Social Commerce vor. Soziale Netzwerke entwickelten sich zunehmend zu wichtigen Kanälen für Produktpräsentation, Kundenansprache und direkte Verkäufe.
Gerade für kleinere und mittelständische Handelsunternehmen könnten Social-Media-Plattformen eine Chance sein, neue Zielgruppen zu erreichen und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Statt auf teure Hochglanz-Videos sollten Betriebe auf nahbare Einblicke durch die eigenen Mitarbeiter setzen. Diese authentische Kommunikation schafft eine persönliche Bindung und lokale Identität, die anonyme Weltkonzerne nicht bieten können. So wird digitale Aufmerksamkeit effektiv in reale Kundenfrequenz im stationären Geschäft der Oberpfalz umgewandelt.