Pressemeldung

Neue Märkte und Rohstoffsicherheit im Fokus

Die geopolitischen Spannungen und anhaltenden Unsicherheiten in den globalen Lieferketten stellen die regionale Wirtschaft vor große Herausforderungen. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses International der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim stand daher die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern und Abhängigkeiten reduzieren können. Klar wurde: Die Erschließung neuer Märkte und eine strategische Rohstoffsicherung sind zentrale Hebel für eine resiliente Wirtschaftsstruktur.
Thomas Hanauer, Vorsitzender des Ausschusses, betonte, dass viele Unternehmen im IHK-Bezirk derzeit gezwungen seien, ihre globalen Strategien neu auszurichten. Rückläufige Auftragseingänge aus der Eurozone und aus China erhöhten den Handlungsdruck zusätzlich. Bereits jeder vierte Industriebetrieb ziehe in Betracht, Teilkapazitäten ins Ausland zu verlagern, um Risiken zu streuen und näher an neuen Absatzmärkten zu sein.

Wachstumsmarkt Philippinen rückt in den Fokus

Ein Schwerpunkt der Beratungen war die Erschließung alternativer Wachstumsmärkte für den bayerischen Mittelstand. Charlotte Bandelow, stellvertretende Geschäftsführerin der AHK Philippinen, hob in ihrem Gastvortrag das Potenzial der Philippinen hervor. Mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von über fünf Prozent, einer jungen Bevölkerung mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren und einer klaren pro-westlichen Ausrichtung positioniert sich der Inselstaat zunehmend als strategischer Partner in der ASEAN-Region. Insbesondere für Unternehmen aus den Bereichen Elektronik und erneuerbare Energien eröffnen sich hier vielversprechende Perspektiven.

Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen stärken

Neben neuen Marktchancen beschäftigt die Unternehmen vor allem die Frage der Rohstoffversorgung. Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist Deutschland in hohem Maße auf eine stabile und bezahlbare Versorgung angewiesen. Edda Wolf, Bereichsleiterin Rohstoffe bei Germany Trade & Invest (GTAI), zeigte auf: „Über 90 Prozent der metallischen Rohstoffe werden importiert. Exportbeschränkungen – etwa bei seltenen Erden – und geopolitische Spannungen verdeutlichen die Verwundbarkeit der deutschen Industrie.“
Weltweite Rohstoffpartnerschaften der Europäischen Union und Deutschland sind erste wichtige Schritte auf dem Weg zur resilienten Rohstoffversorgung. Mit Initiativen wie dem „Critical Raw Materials Act“ soll zusätzlich der heimische Abbau, die Verarbeitung und das Recycling strategisch wichtiger Rohstoffe innerhalb der EU gestärkt und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. „Trotz hoher Importquoten ist beispielsweise Deutschland nicht per se ein rohstoffarmes Land,“ betont Edda Wolf. Diese Potenziale müssen aus ihrer Sicht stärker genutzt werden.
Gleichzeitig wurden die Ausschussmitglieder von Edda Wolf dazu aufgerufen, die Beschaffung kritischer Rohstoffe als geoökonomische Schlüsselaufgabe in ihren Unternehmen zu verankern. Resiliente Lieferketten seien künftig ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Freihandel als strategisches Instrument

Positiv bewertet wurde zum Abschluss der Sitzung von Dominique Mommers, IHK-Abteilungsleiterin International, die zunehmende Dynamik der EU in der Handelspolitik. Neue Handelsabkommen – unter anderem mit Indien sowie den Staaten des südamerikanischen Wirtschaftsbündnisses – eröffneten zusätzliche Absatzchancen. Aus Sicht der IHK kommt es nun darauf an, insbesondere das EU-MERCOSUR-Handelsabkommen rasch in eine vorläufige Anwendung zu überführen.
Fazit der Sitzung: Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Phase grundlegender Umbrüche. Geopolitische Risiken und globale Schocks werden auch künftig internationale Lieferketten beeinflussen. Umso wichtiger ist es für die regionale Wirtschaft, strategisch zu diversifizieren, neue Partnerschaften aufzubauen und die eigene Rohstoffbasis nachhaltig zu stärken.