Pressemeldung

Energiefrage wird Produktionsfrage

Während die Corona-Beschränkungen nun langsam abklingen, steigen die auf historisch hohem Niveau liegenden Energiekosten nahezu ungebremst weiter und werden zum drängenden Risiko für die Wirtschaft. „Dabei geht es für die Unternehmen nicht mehr nur um das Zusammenspiel von Ökonomie und Ökologie, sondern auch um Verfügbarkeit“, betonte Bernd Fürbringer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Nordoberpfalz, bei dessen Sitzung vergangene Woche. Das Gelingen des Dreiklangs aus Klimaschutz, Energiepreis und Versorgungssicherheit sei für die Betriebe existenziell.

Im Preisgalopp

In seinem Gastvortrag erläuterte Matthias Rösch, Geschäftsführer des Energietechnologischen Zentrums Nordoberpfalz, die Hintergründe zur aktuellen Energiepreisentwicklung. Neben den hohen Beschaffungskosten für Energieversorger ließen Netzentgelte, Mehrwertsteuer und der im letzten Jahr eingeführte CO2-Preis die Kosten für Gas, Öl und Strom die Energiepreise weiter nach oben klettern. Rösch sieht ebenso wie die Gremiumsmitglieder die Politik am Hebel, um die Kosten mittels verminderter EEG-Umlage und Steuern auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken. „Neben dem Importgeschäft hängt die Preisentwicklung auch am Anteil der fossilen Energien. Je höher dieser ist, desto höher ist auch der Börsenstrompreis. Erneuerbare Energien hingegen senken die Kosten u. a. aufgrund der CO2-Bepreisung“, erklärt Rösch. Doch um die bestehende Ökostromlücke zu schließen, brauche es neben dem Netzausbau mehr regionale Quellen erneuerbarer Energien.

Energiefrage kocht hoch

Viele Betriebe nutzen bereits grünen Strom aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen, zahlen mit Maßnahmen wie nachhaltigem Fuhrparkmanagement oder der Umstellung ihrer Produktionsabläufe auf die Klimaziele ein. Doch die Politik unterschätze die Komplexität der Transformation in den Unternehmen, waren sich die Nordoberpfälzer Wirtschaftsvertreter einig.
„Erdgas können wir nicht von heute auf morgen durch Wasserstoff substituieren“, sagte Josef Kallmeier, Geschäftsführer der Porzellanfabriken Christian Seltmann GmbH. Bei der Herstellung von Porzellan sei das Erdgas nicht nur Energielieferant für thermische Prozesse, sondern auch für chemische Reaktionen im Produktionsverfahren verantwortlich. Dieses lasse aktuell nur die Verwendung von Erdgas zu, eine Umstellung dauere mitunter Jahre. „Kein Gas heißt kein Betrieb“, mahnte Kallmeier. Die Öfen für den Verzinkungsprozess der Einhäupl-Feuerverzinkerei GmbH könnten zwar mit Wasserstoff als alternativer Energie beheizt werden, doch sowohl Menge als auch Wirtschaftlichkeit sieht Geschäftsführer Franz Josef Einhäupl nicht als gesichert. Die Umstellung der Energieversorgung gestalte sich langwierig, während ihr Einsatz hingegen sofort notwendig wäre. „Die Energiefrage wird für Betriebe zur Produktionsfrage“, appellierte Einhäupl eindringlich.  
Neben der Industrie ist auch die Transportbranche unmittelbar von den steigenden Energiepreisen betroffen. „Nach dem Personal ist das der zweitgrößte Kostenfaktor“, sagte Katharina Weber von der Weber Transport- und Beteiligungs GmbH. Klimafreundliche Antriebe amortisierten sich erst ab 100.000 Kilometer und die Infrastruktur dafür sei aktuell noch lückenhaft ausgebaut. Wer als Transportunternehmer kürzlich seine Flotte auf umweltfreundliche LNG Lkw umstellte, dem würden die aktuellen Gaspreise Sorgen bereiten. „Der Ausbau der Infrastruktur ist für bezahlbare, alternative Antriebe zwingend erforderlich“, unterstrich Weber.
Dass Klimaschutz nur gemeinsam von Wirtschaft und Politik umgesetzt werden kann, wird die IHK Regensburg gemeinsam mit dem etz Nordoberpfalz am 25. Mai 2022 in der Stadthalle Neustadt mit einer Podiumsdiskussion verdeutlichen. An dieser werden sich Vertreter von Unternehmen sowie der Regional- und Bundespolitik beteiligen.

Gemeinsame Ziele

Thema wird dort sicher auch sein, dass der Landkreis Neustadt als Modellregion im bundesweiten Wasserstoff-Projekt „HyExpert“ versucht, die neue und grüne Technologie im ländlichen Raum zu verankern. Barbara Mädl, Sachgebietsleiterin Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung beim Landkreis Neustadt, stellte den Gremiumsmitgliedern aktuelle Aktivitäten vor. Neben Projekten für eine bessere Energieversorgung und digitale Infrastruktur ist ein weiterer Baustein ihrer Arbeit die Imagekampagne zur Ansprache von Fach- und Arbeitskräften. „Wir wollen Arbeitnehmer auf den Landkreis als Arbeits- und Lebensort aufmerksam machen“, sagte Mädl. Fachkräfte- und Regionalmarketing seien unabdingbar, so der Konsens. Die Unternehmerinnen und Unternehmer sahen dazu allerdings einen Zusammenschluss der zwei Landkreise Neustadt und Tirschenreuth sowie der kreisfreien Stadt Weide nicht nur auf Arbeitsebene, sondern auch in der Außenwirkung als erfolgsentscheidend für die gesamte Nordoberpfalz.
(23.02.2022)