SVI
Einstieg in die Verteidigungsindustrie
Unternehmen können sich um Ausschreibungen auf nationaler, EU- und NATO-Ebene bewerben. Die Ausschreibungen finden sich auf den jeweiligen Vergabeportalen. Beim Einstieg in die Verteidigungsindustrie handelt es sich um einen langwierigen Prozess, der viele Anforderungen an die Unternehmen stellt. Wesentliche Ansprechpartner auf nationaler Ebene sind das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw).
Marktzugang und Beschaffungsebenen
Der Zugang zur Verteidigungswirtschaft unterscheidet sich in wesentlichen Punkten vom zivilen Markt. Vergabeentscheidungen werden nicht ausschließlich durch wirtschaftliche Kriterien bestimmt, sondern orientieren sich maßgeblich an sicherheitspolitischen Erfordernissen, strategischen Partnerschaften sowie übergeordneten Programmen auf EU- oder NATO-Ebene.
Dabei ist ein zentrales Merkmal die Mehr-Ebenen-Struktur der Beschaffung: Sowohl auf nationaler Ebene als auch im Rahmen von EU- und NATO-Initiativen erfolgen eigenständige Ausschreibungen und Vergabeverfahren. Die jeweiligen Institutionen verfügen über eigene Budgets, Verfahren und Prioritäten. Dies erhöht die Komplexität der Beschaffungslandschaft. Die Beschaffung kann direkt durch nationale Verteidigungsministerien, im Rahmen von gemeinsamen EU-Projekten oder durch NATO-Strukturen wie die NATO Support and Procurement Agency (NSPA) erfolgen. Wenn ein Unternehmen in diesem Sektor tätig werden will, ist ein tiefergehendes Verständnis des politischen, rechtlichen und organisatorischen Rahmens unerlässlich. Dazu gehören u.a. Kenntnisse über relevante Institutionen, Förderprogramme, politische Entscheidungsprozesse sowie über verteidigungspolitische Prioritäten und internationale Kooperationsmechanismen.
Ausschreibungen sind u.a. auf folgenden Portalen zu finden:
- e-Vergabeplattform des Bundes
- TED - Ausschreibungen der EU
- NATO Support and Procurement Agency (NSPA)
Vergabeverfahren
In Abhängigkeit des Auftragswerts und der Komplexität der Aufträge werden für deren Beschaffung unterschiedliche Vergabeverfahren genutzt:
- Öffentliche Ausschreibungen, die für alle zugänglich sind
- Beschränkte Ausschreibungen mit einer Vorauswahl geeigneter Anbieter und Teilnahmewettbewerb
- Bei komplexen und sicherheitsrelevanten Projekten erfolgt die Vergabe über sogenannte Verhandlungsverfahren
- Bei besonders dringlichen Beschaffungen erfolgt die Auftragsvergabe im Direktverfahren
Beschaffungsprozess der Bundeswehr
Der Beschaffungsprozess der Bundeswehr beginnt mit der Bedarfsmeldung durch die Streitkräfte, basierend auf operativen Anforderungen der Truppe. Anschließend prüft und konkretisiert das BAAINBw diesen Bedarf und startet gegebenenfalls ein Vergabeverfahren. Je nach Projektgröße und Komplexität erfolgt die Beschaffung national oder im Rahmen von EU- oder NATO-Kooperationen. Nach Vertragsabschluss und – bei größeren Vorhaben - der Zustimmung des Bundestags begleitet das BAAINBw die Umsetzung und überwacht Qualität, Kosten und Zeitrahmen. Detaillierte Informationen zum Beschaffungsprozess sowie Ansprechpartner finden Sie auf der Webseite der Bundeswehr. Anschaffungen von Rüstungsgütern mit einem Wert von mehr als 25 Millionen Euro müssen vom Haushaltsauschuss des Parlaments freigegeben werden.
Zuständige Institutionen und Anlaufstellen
Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw)
Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) ist für die Planung, Entwicklung, Beschaffung und das Management von Wehrmaterial sowie für die Informationstechnik der Bundeswehr zuständig. Es stellt sicher, dass die Streitkräfte über einsatzfähige, moderne und wirtschaftlich betreibbare Ausrüstung verfügen.
Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw)
Das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) ist verantwortlich für die nichtmilitärische Infrastruktur der Bundeswehr, darunter Liegenschaften, Umweltschutz, Verpflegung, Bekleidung und weitere Dienstleistungen. Es gewährleistet die Bereitstellung und den Betrieb einer funktionierenden Infrastruktur zur Unterstützung des militärischen Kernauftrags.
Spezialisierte Dienstleister
Die Bundeswehr greift in verschiedenen Unterstützungsbereichen auf spezialisierte Dienstleister zurück. Die Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL GmbH) sorgt für die Instandhaltung von Fahrzeugen, während die BWI GmbH die IT-Infrastruktur betreibt und modernisiert. Die BwFuhrparkService GmbH stellt zivile Fahrzeuge bereit, und die BwBekleidungsmanagement GmbH organisiert die Versorgung mit Bekleidung und persönlicher Ausrüstung. Ergänzend übernehmen die Bundeswehr-Dienstleistungszentren (BwDLZ) als regionale Einrichtungen des BAIUDBw zahlreiche logistische und infrastrukturelle Aufgaben an den Standorten. Das Verpflegungsamt der Bundeswehr (VpflABw) stellt die bedarfs- und einsatzgerechte Verpflegung der Truppe sicher – sowohl im Inland als auch im Einsatz.
Hilfestellungen für Unternehmen
Sofern Sie in diesem Bereich tätigen werden möchten, sollten Sie sich frühzeitig auf den Ausschreibungsportalen informieren und sich dort zu registrieren, um an den Ausschreibungen teilnehmen zu können.
Besuchen Sie branchenspezifische Veranstaltungen und Messen und schließen Sie Kontakte. Einen Überblick über Messen im Bereich “Sicherheit und Verteidigung" im Rahmen des Bayerischen Messebeteiligungsprogramms finden Sie in unserem separaten Fachartikel.
Weitere relevante Messen finden Sie auf den Webseiten der Branchenverbände, beispielsweise beim Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie - BDSV e. V. oder dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie - BDLI e.V.. In Bayern können dies u.a. die Veranstaltungen der lokalen Industrie- und Handelskammer oder des TechHUB SVI der Bayern Innovativ sein.
Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) und der BDSV haben gemeinsam die Plattform “SVI-Connect” konzipiert. Interessierte Zulieferunternehmen können ihre Fähigkeiten und Angebote auf der Plattform einstellen. Unternehmen der SVI können diese Einträge einsehen und bei Interesse mit der “Matching-Funktion” Kontakt aufnehmen.
Zudem informiert und berät das Auftragsberatungszentrum Bayern e. V. (ABZ Bayern e. V.) Unternehmen sowie öffentliche Auftraggeber zum deutschen und europäischen öffentlichen Auftragswesen im Liefer- und Dienstleistungsbereich.