Verkehrsinfrastruktur

Handlungsfeld Ländlicher Raum

Der ländliche Raum steht vor besonderen Herausforderungen in der Mobilität. Während städtische Regionen von dichten Netzen, kurzen Distanzen und hohen Fahrgastzahlen profitieren, sind in dünner besiedelten Gebieten viele Menschen auf das Auto angewiesen. Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist auch hier unverzichtbar – für die sichere Versorgung mit Waren, die Erreichbarkeit von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Angesichts steigender Pendlerzahlen, wachsender Wirtschaftsaktivitäten und des demografischen Wandels müssen maßgeschneiderte Lösungen entwickelt werden, die sowohl die Lebensqualität sichern als auch eine weitere wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen.

Integration und Taktung: Ländlichen ÖPNV effizient gestalten

Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist im ländlichen Raum von zentraler Bedeutung, stößt jedoch an deutliche Grenzen. Steigende Kosten, geringere Fahrgastzahlen in den Nebenverkehrszeiten und der Mangel an Fahrpersonal erschweren den Aufgabenträgern die Einführung effizienter Angebote. Klassische Konzepte reichen allein oft nicht mehr aus. Gleichzeitig müssen die Angebote stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt werden: höhere Taktfrequenzen, kleinere Fahrzeuge, die gezielte Anbindung von Gewerbegebieten, insbesondere zu Schichtzeiten sowie kreisübergreifende Verbindungen sind entscheidend. Auch der Deutschlandtakt bietet Potenzial, um eine bessere Vernetzung zwischen ländlichen Regionen und Ballungszentren zu erreichen. An Bahnlinien ist die integrale Verknüpfung von Bus- und Bahnhalten entscheidend.
Innovative Mobilitätskonzepte wie On-Demand-Verkehre, Car-Sharing, Fahrgemeinschafts-Apps und perspektivisch autonomes Fahren bieten die Chance, den ländlichen Raum effizienter zu erschließen. Fahrgemeinschaften vernetzen Pendler mit ähnlichen Arbeitswegen, reduzieren Kosten und entlasten Straßen. Reallabore ermöglichen praxisnahe Tests, KMU sollten hierbei frühzeitig eingebunden werden. Rechtliche Rahmenbedingungen müssen innovationsfreundlich gestaltet werden, damit solche Konzepte erfolgreich umgesetzt werden können.
Kurz-/mittelfristig
  • Förderung rechtlicher und finanzieller Rahmenbedingungen für neue Mobilitätsformen und Bedarfsverkehre
  • Unterstützung von Reallaboren zur Erprobung innovativer Konzepte
  • Einbindung von KMU in die Entwicklung und Umsetzung von Mobilitätsprojekten
Längerfristig
  • Einführung des Realbetriebs von autonom fahrendem ÖPNV im ländlichen Raum

Bedarfsgerechte Mobilität zwischen Stadt und Land

In ländlichen Regionen bleibt das Auto für viele Menschen das zentrale Verkehrsmittel, da alternative Angebote wie Bus, Bahn oder Fahrrad oft nur eingeschränkt zur Verfügung stehen. Langfristig muss es Ziel sein, die Dominanz des Pkw zu verringern, indem attraktive Alternativen im Umweltverbund geschaffen und schrittweise ausgebaut werden. Um Mobilität, soziale Teilhabe und wirtschaftliche Entwicklung zu sichern, ist eine moderne und bedarfsgerechte Infrastruktur unerlässlich. Dazu gehören beispielsweise leistungsfähige Straßen oder Ladeeinrichtungen für E-Fahrzeuge. Klimaschutzmaßnahmen wie City-Maut oder hohe Parkgebühren dürfen die Mobilität des städtischen Umlands nicht unverhältnismäßig einschränken, solange praktikable Alternativen fehlen. Vor der Umsetzung lokaler Durchfahrtsbeschränkungen sollte die Politik gezielt Anreize setzen, um nachhaltige Mobilität zu fördern. Weiterhin müssen regionale Abhängigkeiten zwischen Stadt und Land angemessen berücksichtigt werden – beispielsweise in Form von Pendelbeziehungen, kulturellem oder Warenangebot. Der Ausbau der Infrastruktur muss daher strategisch geplant, flexibel umsetzbar und auf die spezifischen Bedürfnisse des ländlichen Raums zugeschnitten sein.
Kurz-/mittelfristig
  • Verringerung der Dominanz des Pkw durch Ausbau attraktiver Alternativen im Umweltverbund (Bus, Bahn, Fahrrad etc.)
  • Klimaschutzmaßnahmen (z. B. City-Maut, Parkgebühren) dürfen Mobilität aus dem Umland nicht unverhältnismäßig einschränken, solange keine praktikablen Alternativen bestehen

Potential aus Mobilitätsdaten nutzen

Die systematische Nutzung von Mobilitätsdaten eröffnet neue Chancen, Verkehrsangebote effizienter zu planen, zu vernetzen und an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Besonders in ländlichen Räumen, wo Verkehrsangebote oft weniger gut abgestimmt sind, kann eine solide Datengrundlage helfen, Engpässe zu erkennen und neue Mobilitätskonzepte zielgerichtet umzusetzen. Die Umsetzung muss dabei zügig und unbürokratisch erfolgen. Kommunen benötigen Unterstützung beim Aufbau der notwendigen Dateninfrastruktur und beim Umgang mit Mobilitätsinformationen, da viele kleinere Gemeinden nicht über die erforderlichen Ressourcen verfügen. Bundes- und Landesinitiativen wie Mobilithek oder MobiDrom.NRW bieten hier wertvolle Hilfestellungen und dienen als Beispiel für eine bayerische oder bundesweite Umsetzung. Eine einheitliche, gemeinsame Datenstrategie ist entscheidend, um die Zukunft der Mobilität nachhaltig und digital zu gestalten.
Kurz-/mittelfristig
  • Schnelle und unbürokratische Umsetzung des Mobilitätsdatengesetzes auf kommunaler Ebene
  • Aufbau und Betrieb einer standardisierten Dateninfrastruktur, insbesondere für kleinere Gemeinden
Längerfristig
  • Förderung und Vernetzung von Bundes- und Landesinitiativen zur systematischen Nutzung und Auswertung von Mobilitätsdaten für Planung, Steuerung und Optimierung von Verkehrsangeboten