Verkehrsinfrastruktur

Handlungsfeld Innenstadt

Innenstädte sind die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Zentren unserer Städte. Ihre Attraktivität und Funktion hängen entscheidend von Mobilität und Erreichbarkeit ab. Damit sie zukunftsfähig bleiben, braucht es klare Rahmenbedingungen, innovative Lösungen und eine enge Zusammenarbeit aller Akteure.

Strategien für eine erfolgreiche Verkehrsverlagerung

Erfolgreiche Verkehrsverlagerung und Innenstadtentwicklung erfordern klare Strategien, die Aufenthaltsqualität, Klimaschutz und wirtschaftliche Nutzbarkeit gleichermaßen berücksichtigen. Aufgrund begrenzter räumlicher Möglichkeiten führt die notwendige Abwägung unausweichlich zu Nutzungs- und Zielkonflikten. Die Altstadt profitiert von Maßnahmen wie der Reduzierung von unnötigem Durchgangs- und Parksuchverkehr, der Entsiegelung und Begrünung öffentlicher Plätze sowie der Förderung umweltschonender Verkehrsträger. Fußgänger, Handel und Gastronomie gewinnen dadurch, während gleichzeitig die Erreichbarkeit der Innenstadt soweit wie möglich und sinnvoll für alle Verkehrsmittel gewährleistet bleiben muss.
Ein Umstieg auf den Umweltverbund (ÖPNV, Fuß- und Radverkehr) wird nur durch attraktive Alternativen zum Auto gelingen. Alleinige Verbote führen zu Verweigerungsverhalten und schaden den Innenstädten als Wirtschaftsstandorten. Einschränkungen im motorisierten Individualverkehr sollten daher nur eingeführt werden, wenn praktikable Lösungen für Beschäftigte, Besucher, Anwohner und Lieferverkehre vorhanden sind. Dazu zählen ausreichend dimensionierte innenstadtnahe Ersatzparkflächen, Park- und Umsteigemöglichkeiten an Mobilitätshubs, ein leistungsfähiger ÖPNV, flexible Parkraummodelle und Sharing-Angebote.
Kurz-/mittelfristig
  • Ausbau von Radwegen, P+R- und Sharing-Angeboten zur Verbesserung der Innenstadt-Erreichbarkeit
  • Verdichtung der Takte im ÖPNV und Einführung attraktiver Shuttle-Verbindungen von und zu Mobilitätshubs
  • Informationskampagnen zur Förderung des Umstiegs auf attraktive Mobilitätsangebote
  • Sicherstellung ausreichender Stellplatzkapazitäten und Übergangslösungen zur Wahrung der wirtschaftlichen Funktionsfähigkeit von Innenstädten

Effizienter Wirtschaftsverkehr für attraktive Innenstädte

Ein effizient organisierter Wirtschaftsverkehr ist entscheidend für die Attraktivität und Funktionsfähigkeit von Innenstädten. Er sichert die Versorgung von Handel, Dienstleistungen und Gewerbe und muss daher in der Verkehrsplanung gezielt berücksichtigt werden. Dazu gehört der Aufbau von Fachexpertise bei Verkehrsplanern, damit die besonderen Anforderungen des Wirtschaftsverkehrs verstanden und integriert werden können. Ebenso wichtig ist eine frühzeitige und kontinuierliche Abstimmung zwischen Kommunen und Landkreisen, um widersprüchliche Regelungen zu vermeiden und effiziente Lösungen zu ermöglichen. Industrie- und Handelskammern sowie weitere Wirtschaftsakteure sollten aktiv eingebunden werden, beispielsweise über runde Tische oder vergleichbare Beteiligungsformate.
Die Sicherstellung der Erreichbarkeit von Innenstädten für den Lieferverkehr bleibt unverzichtbar, auch wenn steigende Verkehrsaufkommen, enge Straßenräume oder Umweltauflagen besondere Herausforderungen darstellen. Lösungen wie Mikro-Depots in zentralen Lagen können helfen, Lieferverkehre zu bündeln und die Feinverteilung emissionsarm, etwa durch Lastenräder, zu organisieren. Kommunen spielen hierbei eine wichtige Rolle, indem sie geeignete Flächen bereitstellen, Genehmigungen anpassen und innovative Konzepte unterstützen. Modellprojekte zeigen, dass Sonderregelungen – etwa die Nutzung von Fußgängerzonen oder Einbahnstraßen durch Lastenräder – die städtische Logistik spürbar erleichtern können. Längerfristig gilt es, stadtverträgliche Logistikkonzepte zu entwickeln, die eng mit digitalen Steuerungssystemen und Smart-City-Strategien verzahnt sind. Anbieterneutrale oder von mehreren Anbietern gemeinsam genutzte Abholstationen sind in anderen Ländern bereits üblich, in Deutschland aber noch wenig genutzt. Förderungen oder andere politische Impulse könnten eine solche Entwicklung fördern.
Kurz-/mittelfristig
  • Sicherstellung der Erreichbarkeit von Innenstädten für den Lieferverkehr
  • Einrichtung und Förderung von Mikro-Depots zur Feinverteilung durch emissionsarme Fahrzeuge
  • Unterstützung kommunaler Planung und Standortvermittlung für urbane Logistiklösungen
  • Einführung von Sondergenehmigungen für Lastenräder in Fußgängerzonen und Einbahnstraßen
  • Einbeziehung von Wirtschaftsakteuren bei Beteiligungsformaten wie runden Tischen
Längerfristig
  • Entwicklung eines stadtverträglichen und wirtschaftlich darstellbaren Logistikkonzepts mit Fokus auf gebündelte Lieferverkehre
  • Integration urbaner Logistik in Smart-City-Strategien und digitale Verkehrssteuerung
  • Förderung von Kooperationsmodellen zwischen Logistikdienstleistern zur Bündelung der „letzten Meile“ und der Nutzung neutraler oder gemeinsamer Abholstationen