Verkehrsinfrastruktur
Exkurs: Mobilität im Großraum Regensburg
Regensburg wächst kontinuierlich – sowohl in der Bevölkerungszahl als auch in Wirtschaftskraft und Pendlerströmen. Mit dem zunehmenden Verkehr steigen die Anforderungen an ein leistungsfähiges, vernetztes Mobilitätssystem. Die IHK Regensburg hat sich daher in mehreren Workshops intensiv mit den Herausforderungen und Chancen der städtischen und regionalen Mobilität auseinandergesetzt. In diesen Arbeitsgruppen wurden konkrete Vorschläge erarbeitet und beschlossen, um den Verkehr effizienter, nachhaltiger und vor allem attraktiver zu gestalten.
Regio-S-Bahn als Rückgrat des Nahverkehrs
Die geplante Regio-S-Bahn Regensburg soll den Schienenpersonennahverkehr in der Region grundlegend stärken und zu einem modernen, leistungsfähigen Rückgrat des öffentlichen Verkehrs werden. Kurzfristig sind die Möglichkeiten zu Taktverdichtungen aufgrund der bereits stark ausgelasteten Infrastruktur begrenzt, daher bedarf es umfassender infrastruktureller Maßnahmen, um ein S-Bahn-ähnliches Netz zu schaffen. Diese wurden bereits 2020 in einem Gutachten der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) beschrieben und vor dem Hintergrund eines geplanten Deutschlandtaktes aktualisiert. Notwendig sind u.a. der mehrgleisige Ausbau zentraler Streckenabschnitte (insbesondere zwischen Regensburg und Obertraubling), die Erweiterung des Regensburger Hauptbahnhofs und der Bau neuer Haltepunkte. Ziel ist ein durchgehender Halbstundentakt, der eine hohe Zuverlässigkeit und Planbarkeit für Pendlerinnen und Pendler sowie Gelegenheitsreisende garantiert.
In einem realisierten Endausbau könnte eine Regio-S-Bahn Regensburg Städte und Landkreise in der gesamten Oberpfalz und Teilen Niederbayern miteinander verbinden. Stadt und Landkreis Regensburg erhielten attraktive Bahnverbindungen zu den wichtigsten Pendlerquellen in den umliegenden Landkreisen.
Forderungen
Kurz-/mittelfristig
- Verdichtung von Takten und Ausweitung der Betriebszeiten im Rahmen der aktuellen infrastrukturellen Möglichkeiten
- Kontinuierliche Umsetzung der im BEG-Gutachten 2020 beschriebenen Infrastrukturmaßnahmen
- Umsetzung eines Halbstundentakts innerhalb der Regio-S-Bahn Regensburg zu Kernzeiten
Infrastruktur für Straßenverkehr und Umweltverbund
Die steigende Verkehrsbelastung in und um Regensburg macht auch zukünftig den Bau und die Erweiterung von Straßen und Brückenbauwerke notwendig. Neue Querungen wie die Sallerner Regenbrücke, die Kneitinger Brücke oder Parallelbrücken zur Pfaffensteiner Brücke sollten schnellstmöglich umgesetzt werden und dabei von Anfang an auch Rad- und ÖPNV-Infrastruktur integrieren.
Parallel dazu gilt es, den Rad- und Fußverkehr attraktiver und sicherer zu gestalten. Dazu gehören der Ausbau durchgängiger, sicherer Radwege, sichere und wettergeschützte Abstellanlagen sowie Ladepunkte für Fahrräder und E-Bikes. Barrierefreie Wege, gute Beleuchtung und ansprechend gestaltete öffentliche Räume erhöhen die Aufenthaltsqualität für Fußgängerinnen und Fußgänger und fördern die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel.
Forderungen
Kurz-/mittelfristig
- Schnellstmöglicher Bau der Regensburger Nordspange[5]
- Ausbau durchgängiger, sicherer Radwege zur Förderung des Alltagsradverkehrs
- Schaffung sicherer, wettergeschützter Abstellanlagen und Ladepunkte für Fahrräder und E-Bikes
- Verbesserung barrierefreier Wege, Beleuchtung und Gestaltung öffentlicher Räume zur Steigerung der Aufenthaltsqualität für Fußgängerinnen und Fußgänger
- Schnelle Umsetzung zusätzlicher Brückenbauwerke wie Kneitinger Brücke oder Parallelbrücken zur Pfaffensteiner Brücke
- Integration von Rad- und ÖPNV-Infrastruktur in alle neuen Querungen von Beginn an
Busverkehr priorisieren und beschleunigen
Ein leistungsfähiger Busverkehr ist ein zentraler Bestandteil urbaner Mobilität und trägt entscheidend dazu bei, den öffentlichen Nahverkehr in Regensburg als attraktive Alternative zum Auto zu etablieren. Neue Schnellbus- und Tangentiallinien schaffen direkte Verbindungen zwischen Stadtteilen und in umliegende Gemeinden, verkürzen die Fahrzeiten und erleichtern das Umsteigen zwischen verschiedenen Verkehrsträgern. Damit der Busverkehr zuverlässig funktioniert, insbesondere im Berufsverkehr, sollten Vorrangflächen wie Busspuren und Blue Lanes wo möglich und sinnvoll realisiert werden.
Forderungen
Kurz-/mittelfristig
- Einführung zusätzlicher Schnellbus- und Tangentiallinien
- Einrichtung von Busspuren und Blue Lanes wo sinnvoll und möglich
Digitale Mobilitätsplattform und Sharing-Angebote
Digitale Mobilitätsplattformen bündeln Informationen und Angebote unterschiedlicher Verkehrsträger an einer zentralen Stelle und ermöglichen so einen nahtlosen, digitalen Zugang zur regionalen Mobilität. Die RVV-App sollte zu einer solchen ganzheitlichen Mobilitätsplattform weiterentwickelt werden. Neben klassischen Fahrplänen und Ticketfunktionen sollten künftig beispielsweise auch Echtzeitinformationen zu Parkplätzen, Taxis und Gebühren integriert werden. Hierdurch können Fahrgäste auf einen Blick alle relevanten Informationen abrufen und ihre Wege effizient planen.
Ein zentrales Ziel ist zudem die flexible Einbindung von Sharing-Systemen für Fahrräder, E-Scooter und Autos, um die „letzte Meile“ zuverlässig abzudecken. Durch die Vernetzung verschiedener Verkehrsträger in einer App wird der Umstieg zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln, Sharing-Angeboten und individuellen Mobilitätslösungen erleichtert, die Nutzerfreundlichkeit steigt und nachhaltige Verkehrsmittel werden attraktiver.
Forderungen
Kurz-/mittelfristig
- Integration zusätzlicher Funktionen in die RVV-App, darunter Informationen zu Parkplätzen, Sharing-Angeboten, Taxis und Gebühren
- Ausbau der RVV-App zu einer umfassenden Plattform, die nicht nur Informationen bereitstellt, sondern auch Buchung und Bezahlung sämtlicher Verkehrsmittel ermöglicht
Mobilitätshubs und smarte Verkehrssteuerung
Um den Umstieg zwischen verschiedenen Verkehrsträgern in Regensburg zu erleichtern, müssen bestehende Mobilitätshubs besser ausgestattet und neue aufgebaut werden. Diese dienen als Knotenpunkte des städtischen und regionalen Verkehrs und erhöhen die Attraktivität des ÖPNV sowie nachhaltiger Mobilitätsformen. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die geplante Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd: Eine ausreichend große Anzahl von Stellplätzen ist hier unerlässlich, um die Regensburger Altstadt klimafreundlicher und lebenswerter zu machen, ohne die ansässigen Wirtschaftsbetriebe zu schädigen.
Die Altstadt ist das kulturelle und touristische Zentrum Regensburgs. Maßnahmen, die diesen öffentlichen Raum aufwerten und die Aufenthaltsqualität steigern, werden daher explizit begrüßt. Hierzu gehören die Reduzierung von unnötigem Parksuch- und Durchgangsverkehr oder die Entsiegelung und Begrünung öffentlicher Plätze. Der Erfolg dieser Maßnahmen hängt jedoch maßgeblich vom Erhalt der Erreichbarkeit der Altstadt ab. Die geplante Reduzierung öffentlicher Stellplätze stellt insbesondere Kunden, Gäste und Beschäftigte von Handel, Gastronomie und Dienstleistungsbetrieben sowie Anwohner vor große Herausforderungen. Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist kein Luxus, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Daher sollten auch weiterhin kostengünstige Stellplätze in ausreichender Zahl für Besucher vorgehalten werden. Ein ersatzloser Wegfall könnte Kaufkraftverluste, Frequenzrückgänge, Standortaufgaben und zusätzliche Belastungen beim Fachkräftemangel nach sich ziehen, da auch Beschäftigte auf bezahlbare Parkmöglichkeiten in Innenstadtnähe angewiesen sind.
Parallel dazu ermöglicht die Erhebung und intelligente Nutzung von Mobilitätsdaten eine dynamischere Verkehrssteuerung. Smart-City-Technologien, wie sie bereits im Reallabor am Galgenberg getestet werden, bilden die Grundlage, um Verkehrsflüsse flexibel zu steuern, Engpässe zu vermeiden und die Infrastruktur effizienter auszulasten. Darüber hinaus können Fahrgemeinschaften durch digitale Vermittlung und gezielte Anreize gefördert werden, was den Individualverkehr reduziert und zu einer nachhaltigeren Nutzung des Verkehrsnetzes beiträgt.
Forderungen
Kurz-/mittelfristig
- Bereitstellung einer ausreichend großen Anzahl von kostengünstigen Parkplätzen in Innenstadtnähe
- Bessere Ausstattung bestehender Mobilitätshubs und Aufbau neuer Hubs als zentrale Knotenpunkte für ÖPNV, Radverkehr und Sharing-Angebote
- Erhebung und Nutzung von Mobilitätsdaten zur dynamischen Verkehrssteuerung und effizienteren Auslastung der Infrastruktur
- Implementierung von Smart-City-Technologien, wie im Reallabor Galgenberg erprobt
- Förderung von Fahrgemeinschaften durch digitale Vermittlungssysteme und gezielte Anreize
- Integration smarter Mobilitätsdaten in eine umfassende Smart-City-Strategie
[5] Bau der Sallerner Regenbrücke in Verbindung mit dem Umbau des Lappersdorfer Kreisels sowie einem Ausbau und der Einhausung der Nordgaustraße