Patente
WIPO-Report: Patentboom bei generativer KI - Deutschland führt in Europa
Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) hat 2026 eine Analyse der weltweiten Patentaktivität im Bereich generativer Künstlicher Intelligenz (GenAI) veröffentlicht. Allein in den Jahren 2024 und 2025 wurden mehr als 56.000 neue GenAI-Patentfamilien weltweit veröffentlicht - mehr als in den zehn Jahren von 2014 bis 2023 zusammen.
Die Zahl der veröffentlichten Patentfamilien stieg von rund 14.000 im Jahr 2023 auf über 37.000 im Jahr 2025. Als wesentlicher Treiber dieses Anstiegs gilt der Durchbruch von Sprachmodellen wie ChatGPT (Ende 2022), dessen Entwicklungsimpuls sich mit dem typischen 18-monatigen Verzug zwischen Patentanmeldung und Veröffentlichung nun in den Patentdaten niederschlägt. GenAI macht inzwischen 8,7 % aller KI-Patentveröffentlichungen aus - nach 6,1 % im Jahr 2023 und 4,2 % im Jahr 2017.
Deutschland als führender Erfinderstandort in Europa
Im internationalen Vergleich belegt Deutschland Platz 6 weltweit und ist damit der führende europäische Standort für GenKI-Patente - vor dem Vereinigten Königreich (Platz 8). Mit einem jährlichen Wachstum von 85 % zwischen 2023 und 2025 zählt Deutschland zu den Ländern mit hohen relativen Wachstumsraten, vergleichbar mit den USA (92 %), Kanada (109 %), Japan (210 %) und der Schweiz (124 %). Großbritannien kommt auf 69%.
In absoluten Zahlen dominiert weiterhin China mit mehr als 43.000 veröffentlichten Patentfamilien allein 2024 und 2025. Die USA halten Platz zwei, Japan ist auf Platz drei vorgerückt und hat damit Südkorea überholt - maßgeblich getrieben durch die Patentaktivität von SoftBank.
Die größten Patentinhaber: SoftBank an der Spitze
An der Spitze der Patentinhaber steht der japanische Konzern SoftBank mit knapp 3.000 Patentfamilien, die nahezu ausschließlich im Jahr 2025 veröffentlicht wurden. Das Unternehmen verfolgt eine vertikal integrierte KI-Strategie - von der GPU-Infrastruktur bis hin zu eigenen Sprachmodellen - und ist zugleich einer der größten Investoren in OpenAI.
Die chinesischen Unternehmen Tencent, Ping An und Baidu zählen weiterhin zu den größten Patentinhabern in der Gesamtbetrachtung. Unter den US-amerikanischen Unternehmen hat sich Alphabet (Google) mit 1.083 Patentfamilien als führender amerikanischer GenAI-Patentinhaber etabliert, gefolgt von Microsoft (865) und IBM (821). Neu in den Top 25 vertreten sind unter anderem Nvidia (497 Patentfamilien) sowie der deutsche Industriekonzern Bosch (368 Patentfamilien).
Ausblick
Der WIPO-Report stellt fest, dass sich die GenKI-Patentlandschaft in einem anhaltenden Wandel befindet. Neben klassischen Software- und Internetunternehmen treten zunehmend Telekommunikationskonzerne, Infrastrukturanbieter, Industrieunternehmen und Versorgungsunternehmen als Patentanmelder auf. Als künftige Wachstumsfelder identifiziert der Report multimodale Systeme, sogenannte „Reasoning Models" sowie Agentic AI - KI-Systeme, die eigenständig mehrstufige Aufgaben planen und ausführen können.
Für Unternehmen und IP-Fachleute empfiehlt der Report, die Entwicklungen im GenKI-Patentbereich systematisch zu beobachten, da die strategischen Entscheidungen zur Patentanmeldung und zum Schutz von Innovationen langfristige Auswirkungen auf Wettbewerbspositionen haben.
Der vollständige WIPO Technology SPARK Report „Patent Trends Update in GenAI" (2026) steht auf der Website der WIPO zum Download bereit unter Patent Trends Update in GenAI.