Arbeitsmarktanalyse

Die stille Erosion des Arbeitsmarktes

Eine Sonderauswertung der IHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr 2026 und der Blick in die amtliche Arbeitsmarktstatistik zeigen: Hohe Arbeitskosten und schwache Perspektiven zwingen die bayerischen Unternehmen in vielen Branchen zum Beschäftigungsabbau. Die Arbeitslosigkeit in
Bayern nimmt seit 2023 kontinuierlich zu. Das tatsächliche Ausmaß wird jedoch durch den demografischen Effekt verschleiert. Die in der politischen Diskussion stehenden Maßnahmen werden absehbar weiter steigende Lohnnebenkosten zur Folge haben. Dies kann den Beschäftigungsabbau zusätzlich weiter verschärfen.
Die Rückmeldungen der bayerischen Unternehmen aus Industrie, Dienstleistung und Handel machen klar: Die Beschäftigungssituation ist so angespannt wie seit über 20 Jahren nicht mehr: Sie nähert sich dem Niveau der Strukturkrise Mitte der 2000er Jahre an. Diese Entwicklung ist eine gesamtwirtschaftliche Belastung. Sinkende Beschäftigtenzahlen führen zu einer geringeren Zahl von Beitragszahlern und erhöhen die finanzielle Belastung der sozialen Sicherungssysteme zusätzlich. Auch das langfristige Wirtschaftswachstum wird durch die Entwicklungen spürbar gedämpft.
Mit Blick auf die anstehenden politischen Weichenstellungen fordern die bayerischen Industrie- und Handelskammern:
  • Arbeitsmarkt realistisch beurteilen
    Stellenabbau führt nicht automatisch zu hoher Arbeitslosigkeit. Entscheidend ist die Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumens
    (Arbeitsstunden).
  • Arbeitskosten entschärfen
    Hohe Arbeitskosten sind ein zentrales Investitionshemmnis. Sozialversicherungsbeiträge sollten dauerhaft auf maximal 40 % der Bruttolöhne begrenzt werden.
  • Arbeitsvolumen heben
    Anreize für ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben sind abzubauen, insbesondere bei Frührente, „Rente mit 63“ und anderen Übergangsregelungen.
  • Institutionelle Glaubwürdigkeit sichern
    Die Unabhängigkeit der Mindestlohnkommission ist zu wahren; politische Vorgaben oder Eingriffe sind zu unterlassen.
  • Anpassungsfähigkeit erhöhen
    Beschäftigte müssen befähigt werden, sich eigenverantwortlich an veränderte Anforderungen am Arbeitsmarkt anzupassen. Dafür sind die Kosten und Hürden von beruflicher Neuorientierung strukturell zu senken.
  • Arbeitsmarktregulierungen abbauen
    Flexibilisierung der Arbeitszeitregelungen ermöglichen.
In der vollständige Arbeitsmarktanalyse (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 819 KB) finden Sie die detaillierten Ergebnisse für den bayerischen Arbeitsmarkt.