Digitalisierung

Leitfaden zu den Transparenzpflichten AI Act

AI Act: Kennzeichnungs- und Transparenzpflichten ab August 2026 – Das müssen Sie jetzt wissen: Praktischer Leitfaden für Unternehmen

Hintergrund: Was ändert sich ab August 2026?

Ab dem 2. August 2026 gelten in der Europäischen Union neue Transparenzpflichten für Künstliche Intelligenz. Der AI Act schreibt vor: Kunden müssen deutlich erkennen, wenn sie mit einer KI interagieren oder wenn Inhalte von einer KI stammen. Ziel ist der Schutz vor Täuschung und Manipulation durch KI-Systeme.

Wer ist konkret betroffen?

Wenn Ihr Unternehmen eines oder mehrere dieser Szenarien umsetzt, müssen Sie handeln:
  • KI-Chatbots und digitale Assistenten
    • Kundenservice-Chatbots auf der Website oder in Apps
  • KI-generierte Inhalte
    • Produktbeschreibungen, Werbebilder oder Videos, die von KI erstellt wurden (z.B. mit ChatGPT, Midjourney oder ähnlichen Tools)
  • Social-Media und Marketingkampagnen
    • KI-generierte Posts, Testimonials oder Influencer-Content auf Instagram, TikTok, LinkedIn oder anderen Plattformen
  • Deepfakes und realistische KI-Inhalte
    • Künstliche Kundenbewertungen, synthetische Stimmen, realistische KI-Videos mit Personen

Was müssen Sie konkret tun? Die vier wichtigsten Maßnahmen

1. Machen Sie KI-Interaktionen erkennbar

Das ist erforderlich für:
  • Chatbots im Onlineshop, KI-Telefonassistenten, virtuelle Verkaufsberater, KI-Avatare
Praktische Umsetzung:
  • Platzieren Sie einen deutlich sichtbaren Hinweis beim ersten Kontakt mit der KI, z.B.: "Sie kommunizieren mit einem KI-System. Wie kann ich Ihnen helfen?"
  • Nutzen Sie klare, verständliche Sprache, keine versteckten oder technischen Formulierungen
  • Achten Sie auf Barrierefreiheit: Der Hinweis muss auch für Menschen mit Beeinträchtigungen erkennbar sein (Farben, Schriftgröße, Screenreader-Kompatibilität)
  • Bieten Sie die Möglichkeit, mit einem Menschen zu sprechen – der Hinweis sollte auch einen Link zu menschlichem Support enthalten

2. Kennzeichnen Sie KI-generierte Inhalte technisch:

  • Produktbilder, Werbevideos, Marketingtexte, Social-Media-Beiträge, Audioinhalte, virtuelle Models oder Sprecher
Praktische Umsetzung:
  • Wasserzeichen: Versehen Sie KI-generierte Bilder und Videos mit deutlich sichtbaren Wasserzeichen (z.B. "KI-generiert")
  • Metadaten: Speichern Sie Informationen in den Dateieigenschaften, dass der Inhalt von einer KI stammt
  • Textliche Hinweise: Nutzen Sie Bildunterschriften wie "Produktabbildung (KI-generiert)" oder "Dieses Video wurde mit KI erstellt"
  • Plattformspezifische Funktionen: Nutzen Sie Labels auf Instagram, TikTok oder YouTube, wenn diese verfügbar sind

3. Offenbaren Sie täuschend echte KI-Inhalte (Deepfakes)

  • KI-generierte Kundenbewertungen, künstliche Influencer, synthetische Stimmen, realistische KI-Videos mit Personen
Praktische Umsetzung:
  • Verwenden Sie niemals KI-generierte Kundenbewertungen, um echte Bewertungen zu täuschen
  • Wenn Sie künstliche Influencer nutzen, kennzeichnen Sie diese deutlich als "virtueller Influencer" oder "KI-generiert"
  • Bei synthetischen Stimmen oder Videos mit realistischen Personen: Offenbaren Sie ausdrücklich, dass dies KI-generiert ist
  • Achten Sie darauf, dass der Hinweis nicht zu klein oder versteckt ist, er muss für jeden sofort erkennbar sein

4. Überprüfen Sie Ihre Compliance-Prozesse

Praktische Umsetzung:
  • Dokumentieren Sie, welche KI-Systeme in Ihrem Unternehmen eingesetzt werden
  • Erstellen Sie interne Richtlinien für die Kennzeichnung von KI-Inhalten
  • Schulen Sie Ihre Mitarbeiter, besonders im Marketing, Kundenservice und E-Commerce
  • Prüfen Sie regelmäßig, ob Ihre Website, Social-Media-Kanäle und Marketing-Materialien konform sind
Verstöße gegen die Transparenzpflichten können erhebliche Konsequenzen haben:
  • Bußgelder: Bis zu 3 % des weltweiten Jahresumsatzes
  • Abmahnungen: Durch Verbraucherschutzverbände und Konkurrenten (auch nach UWG)
  • Reputationsschäden: Verlust von Kundenvertrauen durch Skandale oder negative Presse
  • Weitere rechtliche Risiken: Verstöße gegen UWG (Unlautere Geschäftspraktiken), Verbraucherrecht, DSGVO und Plattformrichtlinien

Checkliste: Sind Sie bereit für August 2026?

Überprüfen Sie folgende Punkte in Ihrem Unternehmen:
  • Chatbots und digitale Assistenten sind deutlich als KI erkennbar
  • KI-generierte Produktbilder und Videos sind gekennzeichnet
  • Social-Media-Inhalte von KI sind mit Hinweisen versehen
  • Deepfakes und realistische KI-Inhalte sind offengelegt
  • Ihre Website und alle Plattformen sind überprüft
  • Ihre Mitarbeiter sind geschult
  • Interne Richtlinien und Prozesse sind dokumentiert

Fazit

Die neuen Kennzeichnungs- bzw. Transparenzpflichten des AI Act sind kein bürokratisches Hindernis, sie sind eine Chance, Kundenvertrauen zu stärken. Unternehmen, die jetzt handeln, sind am Markt klar im Vorteil. Beginnen Sie noch heute mit der Überprüfung Ihrer KI-Systeme und Inhalte.