Digitalisierung

IHK-Digitalisierungsumfrage 2026

Die aktuelle BIHK‑Digitalisierungsumfrage 2026 zeigt ein klares Bild: Die Digitalisierung in bayerischen Unternehmen tritt weiter auf der Stelle – trotz einzelner Fortschritte und eines steigenden Bewusstseins für digitale Notwendigkeiten. Die jährliche Befragung der IHK‑Organisation macht deutlich, wo Bayerns Wirtschaft im digitalen Wandel steht, welche Hürden Unternehmen bremsen und welche Chancen insbesondere Technologien wie Künstliche Intelligenz eröffnen.

Digitalisierungsgrad: Leichter Fortschritt, aber keine echte Trendwende

Mit der durchschnittlichen Schulnote von 2,7 bewerten die bayerischen Unternehmen ihren eigenen Digitalisierungsgrad minimal besser als im Vorjahr (2024: 2,8). Seit 2020 ist die Verbesserung mit lediglich 0,2 Notenpunkten jedoch marginal – ein Zeichen für stagnierende Entwicklungen. Damit zeigt sich ein geteiltes Bild: Während einige Branchen und Betriebe erfolgreich digitalisieren, bleibt ein Großteil strukturell hinter den Anforderungen zurück.

Treiber der Digitalisierung: Effizienz steht im Vordergrund

Die wichtigsten Motive für digitale Investitionen sind laut Umfrage:
  • Kostenersparnis
  • Qualitätsverbesserung und
  • Flexibilisierung des Arbeitens
Diese Fokussierung zeigt klar: Unternehmen reagieren mit Digitalisierung auf wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Wettbewerbsanforderungen.

Zentrale Hürden: Komplexität, Zeit und Kosten

Die am häufigsten genannten Hemmnisse sind:
  • Komplexität digitaler Lösungen
  • fehlende Zeit
  • Investitionskosten
Besonders große Unternehmen sehen sich zusätzlich mit mangelnder interner Akzeptanz konfrontiert – deutlich häufiger als kleine Betriebe.

Digitale Infrastruktur: Gigabit-Anschlüsse bleiben Mangelware

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage betrifft die digitale Grundversorgung:
  • Die Verfügbarkeit von schnellem Internet bietet Luft nach oben
  • Ein Viertel der Unternehmen kämpft weiterhin mit Breitbandproblemen.
  • Nur 36% haben Zugang zu Gigabit‑Internet – ein deutliches Hemmnis für datenintensive Prozesse und moderne digitale Anwendungen.
Gerade in einem industriestarken Bundesland wie Bayern entwickeln sich diese Infrastrukturengpässe zunehmend zum Standortnachteil.

Künstliche Intelligenz: Viel Einsatz – wenig strategische Nutzung

Die Umfrage zeigt eine überraschend hohe KI‑Nutzungsquote von 73%. KI wird vor allem eingesetzt für:
  • Inhaltserzeugung
  • Kundenansprache
  • Qualitätssicherung
Allerdings:
Nur 37% der Unternehmen erkennen einen hohen Produktivitätseffekt. Die Mehrheit nutzt KI bislang operativ, nicht strategisch. Das Potenzial bleibt damit vielfach ungehoben.

Datenwirtschaft: Hohe Unsicherheit bremst Potenziale

Die größten Barrieren für datengestützte Geschäftsmodelle sind:
  • Rechtliche Unsicherheiten
  • technische Hemmnisse
  • fehlendes Know-how
  • mangelnde Datenqualität
Zudem zeigt die Umfrage: 61% der Unternehmen teilen keine Daten über gesetzliche Pflichten hinaus – ein klares Indiz für fehlende Datenstrategie und Vertrauensprobleme.

Cybersecurity: Hohe Bedrohungslage – geringe Vorsorge

Fast jedes fünfte Unternehmen war 2025 von einem erheblichen Cyberangriff betroffen. Die häufigsten Angriffsarten sind:
  • Betrug
  • Ransomware
  • Spionage
Während Basismaßnahmen wie Backups und Updates etabliert sind, bleiben Notfallübungen und Penetrationstests deutlich unterentwickelt – insbesondere bei KMU.

Digitale Souveränität: Abhängigkeiten wachsen

Die Umfrage macht zudem deutlich: Unternehmen sind stark abhängig von nicht‑europäischen Technologien. Fehlende offene Schnittstellen, unklare Rechtsrahmen und teils hohe Lizenzkosten verstärken diese Abhängigkeit weiter.
Damit wird digitale Souveränität – also die Fähigkeit, unabhängig, sicher und eigenständig digital zu handeln – zu einem zentralen Thema für Bayerns Wirtschaft.