06. Mai 2022

Krieg in der Ukraine und Preisanstiege belasten rheinland-pfälzische Wirtschaft

Die rheinland-pfälzische Wirtschaft erlebt einen konjunkturellen Rückschlag. Die unberechenbaren Folgen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine sowie die gestörten Lieferketten, die enorm gestiegenen Energiekosten und fortgesetzte Preisanstiege belasten die Unternehmen. Der IHK‑Konjunkturklimaindikator, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, fällt um 21 Punkte auf 92 Punkte in den negativen Bereich. Der nach dem coronabedingten Einbruch verhaltene Wiederaufschwung wird damit vorerst ausgebremst. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der vier rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) hervor, die sich auf Antworten von 1.059 Unternehmen mit rund 175.000 Beschäftigten stützt.
Ausschlaggebend für den Einbruch des Geschäftsklimas ist der deutliche Rückgang der Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate. Über alle Branchen verteilt sind die Unternehmen mit pessimistischer Einschätzung deutlich in der Überzahl. Auch die Bewertung der aktuellen Geschäftslage wird wieder schlechter beurteilt. „Vom Krieg in der Ukraine und den Kriegsfolgen sind viele Betriebe unmittelbar oder mittelbar betroffen, wobei die gestiegenen Energiekosten und die fragile Versorgungssicherheit mit Gas besonders die rheinland-pfälzischen Industrie- und Chemieunternehmen in eine komplizierte Lage bringen“, kommentiert Arne Rössel, Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Zusätzlich führen steigende Rohstoffpreise, gestörte Lieferketten und weitere Unsicherheiten hinsichtlich weiterer Wirtschaftssanktionen zu einem vielschichtigen Risikomix, der die Wirtschaft insgesamt unter Druck setzt. „Trotz aller Probleme senden die krisenerprobten Unternehmen auch verhalten optimistische Signale: 56 Prozent der Industrieunternehmen haben eine konstante oder positive Geschäftserwartung und zwei Drittel aller Industrieunternehmen erwarten stabile oder sogar wachsende Exporte“, unterstreicht Rössel.

Branchenkonjunktur: Dienstleistungen profitieren von Lockerungen

Die Dienstleistungsbranche verbleibt mit einem IHK-Konjunkturklimaindikator von 103 weiterhin im expansiven Bereich und verzeichnet im Branchenvergleich die geringsten Verluste (-9 Indexpunkte). „Bei den Dienstleistern sind nach den coronabedingten Lockdowns weiterhin Nachholeffekte und aufgestaute Konsumwünsche zu erkennen; so verbessert sich bei den personenbezogenen Dienstleistern die Stimmung sogar leicht. Der Groß- und Einzelhandel hingegen verliert 21 Indexpunkt, auch weil die Konsumlaune bei langlebigen und hochwertigen Konsumgütern doch wohl eingetrübt ist“, kommentiert Fabian Göttlich, wirtschaftspolitischer Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Einen Rückschlag verzeichnet die Industrie, die sich zuvor als Triebfeder der konjunkturellen Erholung erwies. Der IHK-Konjunkturklimaindikator fällt hier um 29 Punkte auf 91 Punkte.
Die Umfrage lief von 4. April bis 2. Mai 2022.